Ohne Publikum gehts nicht

Riedlingen.  Die "Showbuddies" brauchen weder Kulisse noch Kostüme für ihre Szenen, aber ein Publikum, das mitgeht und Ideen liefert. In Riedlingen hatten sie es.

Ein sehr gut gefüllter Kinosaal mit Menschen, die sich darauf einlassen, mit von der Partie zu sein, wenn andere auf der Bühne agieren wollen und sollen, das sind die Voraussetzungen für Improvisationstheater. Und das Riedlinger Publikum hat sich darauf eingelassen, ließ sich von Marion Mundi als Moderatorin mitnehmen in das Geschehen. Es trug mit animalischem Männergebrüll, Frauenkreischen, der Feststellung: "Ja genau, das will ich sehen", der von Martin Wiegand angeführten La-Ola-Welle und dem Zurückzählen von 5 bis 0 bei jeder Szene zum Gelingen des Abends bei. Und es waren derer viele, die Wibke Richter, Jil Andreas und Daniel Sewtz auf die Bühne zauberten, am elektrischen Klavier begleitet von Paddy Elsholz.

Da durften/mussten sich die Zuschauer erst einmal gegenseitig den Rücken massieren. Danach machten die Schauspieler einen Lippenbalsamstift aus der Tasche einer Zuschauerin zum Deo, zur Schnüffeldroge, aber auch zum hochkarätigen Verlobungsring. Mit einer ganzen Reihe von Gefühlen deckte das Publikum die Schauspieler ein, die mit Frust auf die wieder einmal nicht bezahlte WG-Miete reagierten, aber auch Liebe äußerten, wenn, ja wenn nicht die Fahrradgabel abhanden gekommen wäre.

Beziehungen standen danach auf dem Programm, so auf Zuschauerzuruf die zwischen einem Türsteher und einem Gast, projiziert auch in eine Horrorszene und einen Piratenfilm.

Raffiniert danach die Vorstellung einer Erfindung, von welcher nur der Erfinder nichts wusste, doch die Hände der Partnerin - als seine ausgegeben - zeigten "Top" oder "Flop" und so brachte der Ahnungslose wahrhaftig heraus, dass er einen Käsebohrer entwickelt hat, der viereckige Löcher bohrt. Dass er solarbetrieben ist, blieb das Geheimnis des Publikums.

Dass sie auch musikalisch was drauf haben und das in verschiedenen Musikrichtungen, zeigten die drei Schauspieler bei ihrem Lied über den "Förster im Wald", einmal in Country-Manier gesungen und getanzt, als Ska und erschreckend echt in Metal.

Die Pause nutzte vornehmlich das weibliche Geschlecht dazu, Aussagen auf Zettelchen zu schreiben, die in das nächste Stück integriert wurden: als historische Begebenheit der Mauerfall! Das Verspeisen einer Banane, Shoppen und Speckröllchen von der ungewohnt guten Ernährung waren das Resultat.

Mechthild Zimmermann gab mit dem "Tapferen Schneiderlein" das Märchen vor, dessen Fortsetzung gespielt werden sollte, die kein so gutes Ende nahm, weil das Schneiderlein nur bis sieben zählen konnte, die Prinzessin, die er geheiratet hatte, alt und gebrechlich war und seine Tochter es nicht ertrug, dass er als Schneider sie in Lumpen gekleidet ließ, was ihr den Spott der anderen Kinder eintrug.

Hohe Konzentration erforderte für die Schauspieler die Vorgabe, dass einer liegt, einer sitzt und einer steht und zwar "auf dem Friedhof", wie ein Zuruf wünschte. Absoluter Höhepunkt des Abends war die "Konferenz für komplizierte Angelegenheiten" und die Übersetzung der von Daniel Sewtz erklärten Funktion eines Kühlschrankes in die Gebärdensprache durch Wibke Richter, inklusive Kopfstand und Radschlag.

Nicht immer ganz hundertprozentig aufgepasst haben die Zuschauer bei der letzten offiziellen Szene, bei der es um eine Fliesenlegerin und ihre Auszubildende ging und manchmal ein "Lied" gefordert, auch wenn - so die Aufgabe - gar keine Frage gestellt worden war. Auch hier spielte sich das Schauspieler-Trio die Bälle gekonnt zu, Ende überraschend.


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Autor: WALTRAUD WOLF | 15.03.2010

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