Der eine Schritt voraus
Das Geschäftsjahr 2011 verlief für den Steuer- und Regelspezialisten sehr erfreulich. Die Zuwächse sind das Ergebnis einer ausgeklügelten Strategie.
· Wer sich mit Heribert Rohrbeck über Bürkert unterhält, landet schnell bei Begriffen wie "Ausdifferenzierung" und "Fertigungstiefe". Für den Bürkert-Chef sind es die beiden tragenden Säulen einer langen Erfolgsgeschichte, die den Namen Bürkert gleichsam zum Synonym für Spitzentechnik aus Hohenlohe machten. Denn die technologische Differenzierung der rund 30 000 (!) Produktvariationen hat dafür gesorgt, dass es kaum ein Einsatzspektrum gibt - von Zapfsäulen über den Zahnarztstuhl bis zum Weltraumsatelliten - wo sich Bürkert keinen Markt eröffnet hat.
Wo etwas fließt, ist Bürkert technologisch zu Hause, ganz gleich, ob gemessen, gesteuert oder geregelt wird. Der Trick: bürgert sortiert sein Angebot nicht nach Branchen, sondern nach Art der physikalischen Anwendung. Der Grundgedanke dieses "Segment-Konzepts": Ein Produkt, das etwa für die Lebensmittelindustrie entwickelt wurde, kann auch im Hightech-Labor praktikabel sein. Bürkert kann so sein Know-how fachübergreifend nutzen. Wer aber über alle Branchengrenzen hinweg seinen Kunden Lösungskonzepte bieten will, muss flexibel sein. "Deshalb" so Heribert Rohrbeck, "betrachten wir eine hohe Fertigungstiefe nicht nur unter Kostengesichtspunkten, sondern blicken vor allem auf den Mehrwert, den wir daraus für unsere Kunden generieren können."
Das Bemühen, zunehmend vom reinen Komponentenlieferanten zum Anbieter von kompletten Lösungen umzusteigen, zahlt sich aus. Allein in den vergangenen sieben Jahren stieg der Umsatz um 145 Millionen auf heute 380 Millionen Euro. Wer im Wettbewerb Schritt halten will, muss dabei seine Kosten im Griff haben. Höchste Effizienz der internen Prozesse bei höchstem Qualitätsanspruch ist für Heribert Rohrbeck deshalb absolute Pflicht. Doch mit Kostendisziplin allein lässt sich keine Nische besetzen. Mit neuen Produkten und Lösungen schon. Rund sieben Prozent seines Umsatzes steckt Bürkert in Forschung und Entwicklung. "Wir müssen technologisch immer einen Schritt voraus sein, wenn wir einem reinen Preiswettbewerb aus dem Weg gehen wollen."
Und das muss Bürkert. Knapp die Hälfte der Beschäftigten hat seinen Arbeitsplatz im Hochlohnland Deutschland, aber 80 Prozent seines Umsatzes macht das Unternehmen auf dem Weltmarkt. Ein hohes Innovationstempo ist deshalb oberstes Gebot. "Trendscouts" leuchten dafür die Märkte aus, versuchen, Wünsche und Anforderungen der Kunden frühzeitig in das "Bürkert-Netzwerk" einzuspeisen. Die Fähigkeit, veränderte Gegebenheiten auf unterschiedlichen Märkten möglichst schnell aufzugreifen, ist für Rohrbeck die eigentliche Voraussetzung, dass Bürkert auch als international ausgerichtetes Unternehmen bleiben kann, was es immer war: "unabhängig und selbstbestimmt". · Heribert Lohr
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Autor: SWP | 03.02.2012
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