Jobwunder ohne Leute
Die jüngsten Statistiken der beiden Kammern lassen nur einen Schluss zu: Viel besser kann es für die heimische Wirtschaft nicht mehr kommen.
Die versammelten Journalisten hatten beim jüngsten Pressegespräch zur konjunkturellen Entwicklung in der Region
Heilbronn-Franken ihre liebe Not, entsprechende Fragen zu formulieren. Denn im Grunde genommen reichte ein kurzer
Blick auf die Überschriften in der Pressemappe – weitere Erklärungen waren eigentlich nicht notwendig. Die frohe Kunde ließ sich in einem Satz zusammenfassen: Die Unternehmen blicken – und zwar über alle Wirtschaftszweige
hinweg – voller Optimismus auf die nächsten Monate.
Die zweite Konjunkturumfrage des Jahres brachte ein beinahe unglaublich gutes Ergebnis. Die Abfrage unter den 360 Unternehmen mit insgesamt 68 700 Beschäftigten ergab eine statistische Zuversicht, wie noch nie zuvor in der nun 15-jährigen Historie in der dreivierteljährlichen Datenerhebung.Die neue Hauptgeschäftsführerin Elke Schweig war bei ihrem ersten formellen Auftritt in dieser Runde deswegen auch vor allem damit beschäftigt, die eine oder andere Abwärtsbewegung in den dargestellten Kurven richtig einzuordnen: „Wir müssen uns klar machen, woher wir kommen. Die enormen Zuwächse der vergangenen Monate lassen sich nicht beliebig fortschreiben.“
So liegen dieWerte bei den Geschäftswartungen etwas unter denen der jüngstenVergangenheit. „Aber“, sagt Elke Schweig, „selbst wenn das so kommen sollte, würden wir uns noch immer auf einem ungemein hohen Niveau bewegen.“ Umes noch einmal deutlich zu machen: Ganz gleich, ob aktuelle Lage oder mittelfristiger Ausblick: Zum neunten Mal (!) in Folge waren die Werte in Summe besser als im Vierteljahr zuvor.
Bei der Ursachenforschung lassen die nackten Zahlen keinen Zweifel aufkommen. Die Industrie und hier vor allem der Maschinenbau – ohnehin der stärkste Wirtschaftszweig der Region – erweisen sich mit ihren guten Absatzzahlen auf den Exportmärkten einmal mehr als „der große Treiber“ für den positiven Trend. Aber Dienstleister oder Bauwirtschaft stehen dem kaum nach. Auch die Neuigkeiten aus den 12 000 Mitgliedsfirmen der Handwerkskammer lassen aufhorchen. Auch hier gilt: Fast zwei von drei Firmen haben „gute“ Zeiten vor sich. Kammerpräsident Ulrich Bopp hocherfreut: „Wir erreichen beim Umsatz in diesem Jahr wieder die Werte vor der Krise. Und auch für die Handwerksleute gilt: Der Boom lässt sich nur mit zusätzlichen Händen bewältigen.
Zwar sind die im Schnitt kleineren Handwerksfirmen traditionell etwas vorsichtiger, und gingen den Personalaufbau zuletzt etwas ruhiger an, doch nun will schon jedes fünfte Unternehmen weitere Mitarbeiter einstellen. Dabei dürften Firmenlenker allerdings ähnlich derbe Erfahrungen machen, wie ihre Pendants aus Handel und Industrie, wo jede dritte Firma mittlerweile zusätzliche Leute sucht. Bei einer Arbeitslosenquote nahe der drei Prozent-Marke und fast 8500 offenen Stellen ist die Personalbeschaffung kein einfaches Unterfangen. Selbst die sonst so fixen Zeitarbeitsfirmen haben immer größere Schwierigkeiten, adäquates Personal zu vermitteln. Dr. Ralf Eisenbeiß etwa vom Crailsheimer Personaldienstleister Franz & Wach klagt: „Es fehlen längst nicht nur Hochqualifizierte oder Facharbeiter, selbst einfache Helfer sind kaum zu bekommen.“
Elke Schweig macht auch deutlich: Der zunehmende Fachkräftemangel ist derzeit das größte Risiko für einen weiteren Aufschwung. Nach Angaben der Kammer müssen einzelne Firmen Aufträge bereits ablehnen, weil die „personellen Resourcen nicht gegeben“ sind. Und dieser Trend dürfte sich noch verstärken. Denn die gute Lage heizt den Konsum und Investitionen gleichzeitig an. Dabei auf die Jugend zu setzen,umdas Problem mittelfristig zu lösen, dürfte kaum helfen, denn bereits heute bleiben selbst gute Ausbildungsplätze
unbesetzt. ? Heribert Lohr
www.hwk-heilbronn.de
www.heilbronn.ihk.de
Die versammelten Journalisten hatten beim jüngsten Pressegespräch zur konjunkturellen Entwicklung in der Region
Heilbronn-Franken ihre liebe Not, entsprechende Fragen zu formulieren. Denn im Grunde genommen reichte ein kurzer
Blick auf die Überschriften in der Pressemappe – weitere Erklärungen waren eigentlich nicht notwendig. Die frohe Kunde ließ sich in einem Satz zusammenfassen: Die Unternehmen blicken – und zwar über alle Wirtschaftszweige
hinweg – voller Optimismus auf die nächsten Monate.
Die zweite Konjunkturumfrage des Jahres brachte ein beinahe unglaublich gutes Ergebnis. Die Abfrage unter den 360 Unternehmen mit insgesamt 68 700 Beschäftigten ergab eine statistische Zuversicht, wie noch nie zuvor in der nun 15-jährigen Historie in der dreivierteljährlichen Datenerhebung.Die neue Hauptgeschäftsführerin Elke Schweig war bei ihrem ersten formellen Auftritt in dieser Runde deswegen auch vor allem damit beschäftigt, die eine oder andere Abwärtsbewegung in den dargestellten Kurven richtig einzuordnen: „Wir müssen uns klar machen, woher wir kommen. Die enormen Zuwächse der vergangenen Monate lassen sich nicht beliebig fortschreiben.“
So liegen dieWerte bei den Geschäftswartungen etwas unter denen der jüngstenVergangenheit. „Aber“, sagt Elke Schweig, „selbst wenn das so kommen sollte, würden wir uns noch immer auf einem ungemein hohen Niveau bewegen.“ Umes noch einmal deutlich zu machen: Ganz gleich, ob aktuelle Lage oder mittelfristiger Ausblick: Zum neunten Mal (!) in Folge waren die Werte in Summe besser als im Vierteljahr zuvor.
Bei der Ursachenforschung lassen die nackten Zahlen keinen Zweifel aufkommen. Die Industrie und hier vor allem der Maschinenbau – ohnehin der stärkste Wirtschaftszweig der Region – erweisen sich mit ihren guten Absatzzahlen auf den Exportmärkten einmal mehr als „der große Treiber“ für den positiven Trend. Aber Dienstleister oder Bauwirtschaft stehen dem kaum nach. Auch die Neuigkeiten aus den 12 000 Mitgliedsfirmen der Handwerkskammer lassen aufhorchen. Auch hier gilt: Fast zwei von drei Firmen haben „gute“ Zeiten vor sich. Kammerpräsident Ulrich Bopp hocherfreut: „Wir erreichen beim Umsatz in diesem Jahr wieder die Werte vor der Krise. Und auch für die Handwerksleute gilt: Der Boom lässt sich nur mit zusätzlichen Händen bewältigen.
Zwar sind die im Schnitt kleineren Handwerksfirmen traditionell etwas vorsichtiger, und gingen den Personalaufbau zuletzt etwas ruhiger an, doch nun will schon jedes fünfte Unternehmen weitere Mitarbeiter einstellen. Dabei dürften Firmenlenker allerdings ähnlich derbe Erfahrungen machen, wie ihre Pendants aus Handel und Industrie, wo jede dritte Firma mittlerweile zusätzliche Leute sucht. Bei einer Arbeitslosenquote nahe der drei Prozent-Marke und fast 8500 offenen Stellen ist die Personalbeschaffung kein einfaches Unterfangen. Selbst die sonst so fixen Zeitarbeitsfirmen haben immer größere Schwierigkeiten, adäquates Personal zu vermitteln. Dr. Ralf Eisenbeiß etwa vom Crailsheimer Personaldienstleister Franz & Wach klagt: „Es fehlen längst nicht nur Hochqualifizierte oder Facharbeiter, selbst einfache Helfer sind kaum zu bekommen.“
Elke Schweig macht auch deutlich: Der zunehmende Fachkräftemangel ist derzeit das größte Risiko für einen weiteren Aufschwung. Nach Angaben der Kammer müssen einzelne Firmen Aufträge bereits ablehnen, weil die „personellen Resourcen nicht gegeben“ sind. Und dieser Trend dürfte sich noch verstärken. Denn die gute Lage heizt den Konsum und Investitionen gleichzeitig an. Dabei auf die Jugend zu setzen,umdas Problem mittelfristig zu lösen, dürfte kaum helfen, denn bereits heute bleiben selbst gute Ausbildungsplätze
unbesetzt. ? Heribert Lohr
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10.08.2011
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