Sieg für Ulmer durch Glücksschuss 1,5 Sekunden vor Schluss
Ulm. Was für ein dramatisches erstes Heimspiel im neuen Jahr: Die Ulmer Bundesliga-Basketballer gewannen dank eines "Dreiers" von Keaton Nankivil 1,5 Sekunden vor Schluss gegen Bayern München mit 76:75.
Gedacht war der Spielzug etwas anders, den Thorsten Leibenath auf seine Tafel gekritzelt hatte. Sechs Sekunden blieben den Ulmer Bundesliga-Basketballern noch, um gegen Bayern München nicht das erste Heimspiel in der mit 6000 Zuschauern ausverkauften Ratiopharm-Arena zu verlieren. Sechs Sekunden vor dem Ende war der Aufsteiger durch zwei verwandelte Freiwürfe von Jonathan Wallace mit 75:73 in Führung gegangen - das zweite Mal überhaupt in dieser Partie.
Der Ulmer Trainer nimmt eine Auszeit, um den letzten Angriff zu besprechen. Tommy-Mason-Griffin soll von der Seitenlinie einwerfen, er windet sich, täuscht den Pass an, zieht wieder zurück. Kein freier Mitspieler. In der Not passt er quer übers Feld zu Steven Esterkamp. Die Hand von Bayerns Chevon Troutman ist noch dazwischen, der Ball wird abgefälscht, landet bei Keaton Nankivil, bei dem der Ball auch hätte landen sollen, aber auf einem anderen Weg. Der Amerikaner zieht aus vielleicht acht Metern ab. Der Ball fliegt und zischt 1,5 Sekunden vor Schluss zum viel umjubelten Siegtreffer durch die Reuse.
76:75 (44:34) für den Tabelle-Zweiten Ratiopharm Ulm gegen den Newcomer aus München: Die Arena tobt, die Spieler rennen umher, immer hinter Nankivil hinterher oder er vor seinen Kollegen weg aus der berechtigten Angst, erdrückt zu werden. Das Ende eines Krimis, in dem die Gastgeber die meiste Zeit in Führung lagen, sich dann aber im letzten Viertel durch die Bayern den Schneid abkaufen ließen und ihre Führung schwinden sahen. Bis Keaton Nankivil für Klarheit sorgte.
Zwei Faktoren führten zu diesem Ende à la Hitchcock: Nach einem ordentlichen ersten Viertel, in dem die Ulmer aus Lagen schossen und trafen, während die Bayern eher pomadig und ohne Verteidigungswillen agierten, riss der Faden mit Beginn der zweiten Halbzeit. Die Mannschaft leistete sich ungewohnte Ballverluste gegen eine immer stärker werdende Bayern-Defensive. Allerdings blieb die Trefferquote aus dem Zweipunkt-Land auf beiden Seiten mehr als bescheiden, aus der Distanz dagegen brannte bei beiden Teams das Feuer.
Thorsten Leibenath sah sich durch die anfängliche Spiellaune in einer Entscheidung bestätigt: Der Coach wechselte seit langem wieder freiwillig die Startformation. Isaiah Swann kam von der Bank, während Rocky Trice beginnen durfte. Eine taktische Maßnahme, die er nicht näher erläutern wolle, sagte der Coach. Vielleicht war es als Überraschungsmoment für den Gegner gedacht. Das ging auf.
Der zweite Faktor, der den Ulmern das Leben in den letzten zehn Minuten schwer gemacht hatte: München stellte konsequent auf Zonenverteidigung um und machte dadurch den Weg Richtung Korb dicht. "In der Phase haben wir viel zu statisch agiert, wir wurden zu schlechten Würfen gezwungen und haben vor allem Wallace nicht in den Griff bekommen", monierte Leibenath, der zwar zugab, dass die letzte Situation mit dem "Dreier" von Nankivil glücklich gewesen sei. Auf der anderen Seite: "Wenn Nankivil aus der Distanz schießt, dann habe ich immer ein gutes Gefühl, außerdem habe ich den Jungs in der Kabine gesagt: Wir haben uns das Glück, das wir hatten, um das Spiel zu gewinnen, auch erarbeitet."
Dass die Ulmer am Schluss überhaupt noch in der Lage waren, den 13. Saisonsieg (bei drei Niederlagen) zu feiern, lag nicht zuletzt an Tommy Mason-Griffin, der sich immer wieder in Eins-gegen-eins-Situationen durchsetzen und punkten konnte. Auch Nankivil traf hochprozentig von jenseits der 6,75-Meter-Linie - wie eben am Ende.
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Autor: THOMAS GOTTHARDT | 05.01.2012
Was für ein dramatisches erstes Heimspiel im neuen Jahr: Die Ulmer Bundesliga-Basketballer gewannen dank eines "Dreiers" von Keaton Nankivil 1,5 Sekunden vor Schluss gegen Bayern München mit 76:75. Foto: Lars Schwerdtfeger
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