Ratiopharm Ulm beendet die Hinrunde mit Sieg gegen Gießen
Ulm. Erst lief es zäh, dann ganz nach Wunsch: Zum Abschluss der Hinrunde hat sich Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm keine Blöße gegeben und wurde mit 97:74 gegen die Gießen 46ers seiner Favoritenrolle gerecht.
Mit einem Sieg, einem 82:71 beim BBC Bayreuth, waren die Basketballer von Ratiopharm Ulm am 3. Oktober in die neue Bundesliga-Saison gestartet, mit einem Sieg ging nun gestern auch die Hinrunde zu Ende: Gegen BBL-Urgestein Gießen 46ers fuhr die Mannschaft von Trainer Thorsten Leibenath in der ausverkauften Ratiopharm-Arena ihren nunmehr 14. Erfolg der laufenden Runde ein, 97:74 (49:41) hieß es am Ende.
Für die Gießener, die einmal mehr um den Klassenerhalt kämpfen, bedeutet dies indes eine sehr schmerzhafte Niederlage. Dennoch zeigte sich Gäste-Coach Björn Harmsen als guter Verlierer: "Die Ulmer spielen eine tolle Saison, sie sind zu Hause noch ungeschlagen - heute haben sie auch gezeigt warum", konstatierte der 30-Jährige. Worte, die einen angesichts des klaren Ergebnisses vielleicht etwas wundern, die jedoch Sinn machen, schaut man sich die erste Hälfte an.
Vor der Partie, da hatte alles noch recht locker gewirkt. Tosender Beifall beim Einlauf der Ulmer für "Gamewinner" Keaton Nankivil, der beim jüngsten 76:75 gegen den FC Bayern den entscheidenden Dreier versenkt hatte, ein 6000-stimmiger Chor, der Steven Esterkamp ein Ständchen zu dessen 31. Geburtstag brachte. Kurzum: Alle waren irgendwie in Stimmung für einen launigen Basketball-Abend unter eindeutigen Vorzeichen - hier der Favorit Ulm, dort der Underdog Gießen.
Mit dem Sprungball war es aber mit dieser Lockerheit vorbei. Die Hessen zeigten schnell, dass sie nicht angetreten waren, um artig die Punkte abzugeben. Mit einer intensiven Verteidigung machten sie es den Ulmern schwer, in die Partie zu finden, lagen zur 7. Minute sogar mit 22:16 vorn, ehe auf Seiten der Gastgeber die Sache endlich Fahrt aufnahm. Da hatte Leibenath etwas an der Stellschraube gedreht, hatte Nankivil und Tommy Mason-Griffin für Dane Watts und Per Günther und damit mehr körperliche Härte zu Lasten des spielerischen Elements in die Partie gebracht - was sich in steigendem Druck auf dem Parkett auszahlen sollte. So stand für Ulm nach den ersten zehn Minuten eine wenn auch knappe 28:24-Führung zu Buche.
"Wir hatten sehr großen Respekt vor Gießen", konstatierte Leibenath, "es war genau das passiert, was wir gedacht hatten: Dass wir gegen eine Mannschaft antreten, die sehr physisch spielt. Und wir haben es zunächst nicht hinbekommen, diese Physis zu matchen." Ähnlich auch die Sicht Harmsens: "Wir haben uns in der ersten Halbzeit gut verkauft, haben den Ball gut bewegt und auch einige Stopps bekommen", sagt der 46ers-Coach, "was uns aber weh getan hat, war die hohe Trefferquote der Ulmer, ihre Überlegenheit bei den Offensivrebounds, sie haben zu viele zweite Chancen bekommen."
In der Tat umreißt dies ganz gut den Fortgang der Partie. Zwar blieben die 46ers vorerst noch der erwartet unangenehme Gegner, selbst als sich das Ratiopharm-Team mit einem Dreier-Doppelschlag durch Nankivil und Sebastian Betz von 34:28 auf 40:28 absetzte (15.), war dies noch kein allzu großer Schock für die Gäste. Selbige waren drei Minuten später mit fünf Punkten durchaus wieder auf Tuchfühlung, 37:42 (18.) stand es da aus deren Sicht. Allerdings wurde es zu diesem Zeitpunkt immer deutlicher, dass die Gießener ihren Kräfte zehrenden Spielstil nicht mehr allzu lange würden durchhalten können, zumal sich die Leibenath-Truppe nun längst schon darauf eingestellt hatte - mit den von Harmsen beschriebenen Folgen: Sieben Offensiv-Rebounds hatte Ulm bis zur Pause auf dem Statistikbogen stehen, Gießen nur einen.
"Im ersten Viertel hatten wir zu viele Punkte hergeschenkt, im zweiten Viertel haben wir dann in der Verteidigung einen sehr guten Job gemacht, sind auch vorn ins Rollen gekommen", meinte Geburtstagskind Esterkamp, "ja, ich denke, dieses zweite Viertel war entscheidend für den Ausgang der Partie." In der Tat fiel Gießen nach der Pause immer mehr auseinander, man hatte zu keinem Zeitpunkt mehr das Gefühl, hier könne noch etwas anbrennen. Ulm baute den Vorsprung immer weiter aus, bei Gießen überwog nach dem anfänglichen Licht nun endgültig der Schatten, beim Zwischenstand von 74:59 für die Gastgeber nach 30 Minuten war de facto die Entscheidung gefallen.
Was Leibenath nach der Partie zu einem großen Lob an seine Mannschaft bewog: "Uns zeichnet aus, dass wir uns dem Gegner anpassen. Das haben wir auch gegen Gießen wieder geschafft", meinte der Trainer, "wir haben es verstanden, unser eigenes Tempo weiter zu gehen. Und das war offensiv ein sehr großes Tempo. Wir haben sehr variabel den Ball bewegt, 18 Assists und nur zehn Ballverluste sind - so denke ich - aller Ehren wert."
So war es auch Esterkamp vergönnt, die restlichen Stunden seines Geburtstags im Hochgefühl des Sieges zu genießen. "Es ist toll, wenn man sich so selbst beschenkt", meinte der Senior des Teams lächelnd, "nun lasse ich den Tag gemütlich ausklingen, feiere noch mit einigen Teamkollegen." Wobei es auch da sportlich zuging: "In den USA laufen die Play-offs im Football, das schauen wir uns noch im Fernsehen an."
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Autor: JOCHEN WEIS | 09.01.2012
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