Noch 2 Wochen bis zum Showdown

Schweigen zum Bamberg-Spiel

Ulm.  Der Höhenflug der Ulmer Bundesliga-Basketballer geht weiter. Dabei war der Auftritt der Mannschaft in der Partie gegen den BBC Bayreuth längst nicht frei von Mängeln. Die Arbeit wird deshalb nicht weniger.

Natürlich will noch niemand aus dem Lager des Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm darüber reden. Die Konsequenz, mit der zum Beispiel Trainer Thorsten Leibenath nicht einen auch noch so kurzen Gedanken zulässt, der über das nächste Spiel hinausgeht, ist bemerkenswert. Allerdings sind die Ratiopharm-Korbjäger mit dem Motto „step by step“ bisher auch prächtig gefahren. Deshalb also noch kein Ton über das anstehende Spitzenspiel am 11. Februar in der bereits ausverkauften Ratiopharm-Arena gegen Tabellenführer Bamberg (20.05/live Sport1). Definitiv wird dann Ulm, das am kommenden Samstag in Gießen antreten muss, als Tabellenzweiter den Spitzenreiter empfangen, der einen Tag später zu Hause gegen Bonn antritt. Erst nach diesem Sonntagsspiel wird klar sein, ob Ulm mit einem Sieg mit mindestens sechs Punkten Unterschied gegen die Brose Baskets Tabellenführer werden kann. Und am Mittwoch zuvor geht es zu Hause gegen Oldenburg (20 Uhr) um den Einzug ins Pokalhalbfinale – Spitzenspiele en masse.

Dass dann eine Leistung wie in den vergangenen zwei Partien nicht ausreichen wird, um als Gewinner das Parkett zu verlassen, steht außer Frage. Beim 68:65-Erfolg in Göttingen vor dem Allstar-Wochenende und beim 74:52 (36:27) am vergangenen Samstag in der ausverkauften Arena gegen den BBC Bayreuth haben die Ratiopharm-Korbjäger nahezu identische Schwächen gezeigt. In beiden Partien hatten die Ulmer einen ausgesprochen schwachen Start und eine miese Quote aus der Distanz (13 und 10 Prozent). Dass es beide Male gutgegangen war, lag an bestimmten Umständen. Die Göttinger weigerten sich einfach, das Ulmer Geschenk anzunehmen. Die Oberfranken kamen stark ersatzgeschwächt nach Neu-Ulm und litten spätestens ab Mitte der zweiten Halbzeit an akutem Energieverlust.

„Unser Sieg war begünstigt davon, dass bei Bayreuth einige Spieler gefehlt haben. Bei einer kurzen Rotation ist klar, dass sich das irgendwann auswirken wird“, gab Thorsten Leibenath unumwunden zu. Der zweite Kritikpunkt: „Unsere Dreierquote war unterirdisch. Das ist ärgerlich, weil wir uns gute Würfe erarbeitet, aber eben nicht getroffen haben. Daran müssen wir arbeiten, denn wir leben auch von erfolgreichen Dreipunktwürfen.“ Leibenaths konkrete Erklärung für die schlechte Quote ist übrigens die: Weil die meisten Würfe zu lang waren, glaubt der Coach, dass die Spieler gerade wieder vollgepumpt sind mit Adrenalin, deshalb zu hoch abspringen und dann zu weit werfen. Gegen ein Übermaß an Adrenalin soll körperliche Betätigung Abhilfe schaffen.

Gerade einmal zwei Würfe von jenseits der 6,75-Meter-Linie fielen durch die Reuse (20 Versuche). Beide gingen auf das Konto von Ratiopharm-Spielmacher Per Günther. Und zumindest der zweite Schuss hatten spielentscheidenden Charakter. Mit der Pausensirene zwirbelte der Nationalspieler den Ball zum 36:27-Führung ins Netz und verschaffte damit seiner Mannschaft einen wichtigen psychologischen Vorteil. „Das waren bestimmt wichtige Punkte, wie die kurz davor von Dante Watts und mir auch. Es ist schon ein Unterschied, ob man mit einem Remis in die Pause geht oder mit einem Rückstand von neun Punkten“, sagte Günther, der sich selbst und seinen Kollegen nur eines empfehlen kann: „Wurftraining, Wurftraining.“

Das klingt soweit einleuchtend. Um den anderen Mangel (Verschlafenheit zu Beginn) zu beheben, bedarf es anderer Mittel. Per Günther ist ehrlich genug zuzugeben, dass das auch immer etwas mit dem Gegner zu tun hat. „Es sollte nicht so sein, aber es ist wohl so, dass wir nämlich in ein Spiel gegen einen so genannten Großen besser reinkommen als gegen einen Gegner, der leicht unterschätzt werden kann. Wir werden das bestimmt bald wieder abstellen“, prophezeite der Allstar.

Sauer nach der Niederlage war Maksym Shtein, der Bayreuther Center, der von 2002 bis 2007 das Ratiopharm-Trikot getragen hatte und noch viele Bekannte und Freunde in der Arena begrüßen konnte. „Wir haben deutlich unter unserem Niveau gespielt. Wir haben in der zweiten Halbzeit unsere Würfe nicht getroffen und schlecht verteidigt. Das ist eine denkbar schlechte Kombination“, ärgerte sich der 31-Jährige. Aber immerhin ist Shtein begeistert von dem neuen Domizil: „Neben der O-2-Arena in Berlin die schönste in Deutschland.“


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Autor: THOMAS GOTTHARDT | 29.01.2012

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