Duell auf Augenhöhe: Robin Benzing und der FC Bayern zu Gast bei Ratiopharm Ulm

Ulm.  Zwei Jahre lang gehörte Robin Benzing zum Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm, reifte dort vom Liga-Neuling zum Nationalspieler. Morgen gibt es ein Wiedersehen: Benzing ist mit den Bayern zu Gast.

Lange hatten die Fans des Bundesligisten Ratiopharm Ulm gehofft, Robin Benzing möge entgegen allen Vorzeichen über die vergangene Saison hinaus an der Donau bleiben. Als schließlich sein Wechsel zum FC Bayern, dem neuen Zugpferd des deutschen Basketballs, bekannt wurde, war bei vielen die Enttäuschung, aber auch das Verständnis für diesen Schritt groß.

Morgen nun (18.15 Uhr/Ratiopharm-Arena) kehrt der Hesse für einige Stunden zurück, wenngleich als Gegner. Und der 22-Jährige fiebert dem Kräftemessen bereits entgegen: "Ich freue mich sehr aufs Spiel gegen die alten Kollegen, es sind ja noch genügend da", sagt Benzing, "das wird ein Duell auf Augenhöhe. Ulm macht in dieser Saison einen sehr guten Job, wir müssen endlich wieder auswärts gewinnen. Also warum nicht in Ulm?"

Wie der Empfang durch die Fans ausfallen wird, wenn sie ihren ehemaligen Publikumsliebling wiedersehen, darüber hat sich Benzing bislang kaum Gedanken gemacht. "Man wird sehen", meint er lapidar. Dafür ist Benzing auch viel zu sehr Profi. Ja, er erinnere sich gerne an seine Zeit in Ulm zurück, wo er zum Nationalspieler reifte, meint er. Nun aber gehört die volle Konzentration eben dem FC Bayern.

Und da war die Umstellung nach dem Wechsel zum Renommierklub an die Isar doch enorm: "Alles ist größer, der Druck auf die Spieler ist ein anderer, ich selbst fülle eine andere Rolle aus als zuvor", erzählt Benzing, "ich hatte in Ulm viel mehr Würfe, das ist weniger geworden, weil die Mannschaft sehr tief besetzt ist, da kann jeder scoren und werfen. Bayern München ist eben Bayern München, da ist die Mentalität zu gewinnen."

Was wiederum ein hohes Maß an Ellenbogen erfordert, um sich in dem Starensemble durchzusetzen. Benzing hat dies bislang allerdings gut gemeistert, obwohl er zu Saisonbeginn wegen einer Sprunggelenksverletzung noch pausieren musste - nicht umsonst gehört er zur ersten Fünf der Münchner. "Man weiß, auf was man sich einlässt, wenn man dort spielt. Doch ich bin froh, bei diesem Projekt mitmachen zu können. Ich versuche mich wie in Ulm so gut wie möglich zu entwickeln", erzählt der Flügelspieler: "Ich muss noch viel an meiner Athletik arbeiten. Das ist ein Prozess, der bei mir etwas länger dauert. Aber insgesamt bin ich mit meiner Entwicklung zufrieden."

Dazu hat nicht zuletzt beigetragen, dass die Münchner bereits auf internationalem Parkett aufgetreten sind, der Aufsteiger hatte eine Wildcard für den Eurocup erhalten. "Diese Erfahrung war für mich unheimlich wichtig, das war ja mit ein Grund, weshalb ich nach München gegangen bin. Wir konnten gegen Topmannschaften wie Treviso, Zagreb und St. Petersburg spielen", sagt Benzing. Darum ließ es sich für ihn gut verschmerzen, dass die Bayern bereits nach der Gruppenphase die Segel streichen mussten. "Wir hatten etwas Pech, weil wir die schwerste Gruppe erwischt hatten. Aber wir hatten in jedem Spiel unsere Chance, es war ein sehr guter Lernprozess für uns", sinniert Benzing, der sich wie sein Klub nur die Play-offs als Ziel gesetzt hat.

Dass an dieser Stelle der gemeine Fan angesichts eines Sieben-Millionen-Euro-Etats und trotz eines bislang noch wechselhaften Saisonverlaufs (erst ein Auswärtssieg) des Tabellen-Sechsten Tiefstapelei wittert, stört Benzing nicht. Schließlich gilt für die Basketballer dasselbe wie für die Kicker des Klubs: Der FC Bayern polarisiert, man liebt oder hasst ihn - und er füllt die Arenen. "Auf jeden Fall gibt das Projekt dem deutschen Basketball einen Riesenschub", sagt Benzing, "klar ist der Druck auf uns jedes Mal groß. Aber daraus müssen wir unsere Motivation schöpfen." Sollte das morgen nicht gelingen - die Ulmer würden es ihm großzügig nachsehen.


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Autor: JOCHEN WEIS | 03.01.2012

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