Basketball: Ulm am Sonntag gegen Gießen

Ulm.  Am Sonntag (16 Uhr) empfangen die Ulmer Bundesliga-Basketballer den Tabellen-16. Gießen zum letzten Spiel der Hinrunde. Vorbereitet haben sich die Ratiopharm-Korbjäger ganz speziell.

Das nennt man Abwechslung: Die Ulmer Bundesliga-Basketballer einmal nicht als Hauptdarsteller, sondern als "Randfiguren". Beim dreitägigen Wintercamp für 100 Jugendliche, das der Tabellenzweite organisiert hat und das noch bis Samstag dauert, müssen ausnahmsweise nicht die Ratiopharm-Korbjäger dem Ball hinterher laufen, sondern sie stehen locker an der Linie und geben Tipps für alle Lebenslagen auf dem Parkett.

So durfte zum Beispiel Kapitän Steven Esterkamp schon einmal proben für die Zeit nach seiner aktiven Karriere. Der Amerikaner gab lautstark Anweisungen, feuerte seine "Jungs" an, klatschte ab, wenn einer auf die Bank musste. "Es macht wirklich Spaß, mit den jungen Talenten zu arbeiten", sagte Esterkamp, der auch tatsächlich einmal Trainer werden möchte. "Ich will spielen, so lange der Körper das mitmacht, aber danach will ich als Coach dem Basketball verbunden bleiben, egal ob in Deutschland oder woanders", meinte der Amerikaner, der am kommenden Sonntag 32 Jahre alt wird.

Offenbar machte Esterkamp seine Sache auch ganz gut. Tim Semle (13 Jahre) und Cosimo von Neubeck (12), beide in Jugendteams der Ratiopharm-Akademie im Einsatz, stellten dem Profi ein ordentliches Trainer-Zeugnis aus. "Manchmal ist Steven schwer zu verstehen, aber er hat ganz gute Tipps gegeben", urteilten beide unisono.

Esterkamp freute sich dabei nicht nur auf die Arbeit mit den Kindern, sondern genoss auch die Abwechslung vom Alltag, der momentan natürlich alles andere als grau und trübe ist. Der Last-second-Sieg gegen den FC Bayern zeigte einmal mehr, dass die Ratiopharm-Korbjäger derzeit einen unglaublichen Lauf haben und vor Selbstbewusstsein nur so strotzen. Mit dem Heimspiel am Sonntag gegen Gießen (16 Uhr/Ratiopharm-Arena) will sich der Tabellenzweite gebührend von der mit bisher 13 Siegen (drei Niederlagen) überragenden Hinrunde verabschieden.

Für Keaton Nankivil, der mit einem "Dreier" 1,5 Sekunden vor Schluss den 76:75-Erfolg gegen den FC Bayern München perfekt gemacht hatte, hat der beabsichtigte "Glückswurf" auch noch ein Nachspiel. Der Amerikaner hat sich nämlich damit für die "Dreipunkte-Meisterschaft" beim Allstar-Spiel am 21. Januar qualifiziert. Damit reist ein Ulmer Quintett nach Ludwigsburg: neben Nankivil auch John Bryant, Per Günther, Isaiah Swann und Andreas Wenzl (NBBL).

"Matchwinner" Nankivil blieb nach seinem spektakulären Distanzwurf einigermaßen locker. "Wir haben viele gute Dreierschützen im Team. Ich habe einfach den Ball bekommen und die Chance wahrgenommen", stapelte der Amerikaner tief, dem ein ähnliches Kunststück in Würzburg noch misslang. Auch dort hatte der 22-Jährige mit einem "Dreier" die Möglichkeit, in der letzten Sekunde aus einem 59:61-Rückstand noch einen Sieg zu machen - damals ohne Fortune.

Diesen letzten Angriff hatte Tommy Mason-Griffin mit einem Einwurf von der Seitenlinie nicht ganz planmäßig eingeleitet. Dessen Pass gelangte jedoch nur auf einem Umweg über Esterkamp zu Nankivil, der den Ball letztendlich aber auch bekommen sollte. In dieser Szene zeigte nicht nur Nankivil, sondern auch der Kapitän Nervenstärke, der sich den abgefälschten Ball griff und ganz cool zu seinem Kollegen passte. "Fünf Sekunden im Basketball sind eine Menge Zeit. Ich dachte sogar, dass Keaton zum Korb geht. Aber als er warf, wusste ich, der geht rein", erzählte Esterkamp - das ist halt Selbstvertrauen.


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Autor: THOMAS GOTTHARDT | 07.01.2012

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