Wird der Bahnhof ein Nadelöhr?
Modernes Verkehrs-Drehkreuz oder Flaschenhals? Die Leistungsfähigkeit des neuen Tiefbahnhofs ist heiß umstritten.
Was die Gegner sagen: Für die Gegner von Stuttgart 21 ist klar: Der neue Tunnelbahnhof wird verkehrstechnisch weniger leistungsfähig als der bisherige - vor allem aber als ein modernisierter Kopfbahnhof es sein könnte. Das Hauptargument ist die Reduzierung der Haltegleise von 16 auf 8, das den engeren Platzverhältnissen unter der Erde geschuldet sei. Zudem könnten bei Stuttgart 21 nicht von allen Zufahrtsgleisen aus alle Bahnsteige angefahren werden - es seien also bereits bei der Planung Engpässe eingebaut worden. Für ihre Argumente führen die Gegner mehrere Gutachten ins Feld. So hatte die Zürcher Beratungsgesellschaft SMA beschieden, die geplante Infrastruktur sei "knapp bemessen". Als Schwachstelle benannten die Schweizer auch die eingleisige Anbindung des Flughafens. Obwohl dieser Engpass durch eine neue Planung mittlerweile behoben wurde, nannte der Bahnexperte Michael Holzhey in einem Gutachten für das Umweltbundesamt den geplanten Bahnhof, "verkehrlich hochgradig ineffektiv". Die Reduktion der Bahngleise werde sich als "betriebliches Nadelöhr" erweisen. Der Verkehrsclub VCD argumentiert, dass das Korsett derart eng sei, dass ein "Kollaps des Gesamtsystems bei nur geringen Störungen" zu erwarten sei, was mindestens zu erheblichen Verspätungen führe. Auch die Fahrplangestaltung werde deutlich unflexibler.
Die Argumente der Befürworter: Die Planer von Stuttgart 21 halten die Argumente für falsch. 16 Gleise seien zwar mehr als 8. Doch das Nadelöhr liege derzeit ganz woanders: Die heute 16 Bahnsteiggleise im alten Kopfbahnhof verfügen nur über fünf Zufahrten. Eine Bahn, die von Mannheim kommt und nach Ulm will, muss viele Gleise kreuzen. Das koste viel Zeit, weil die dabei berührten Trassen ebenfalls gesperrt werden müssen. Die Folge: Der Bahnhof operiere an seiner Kapazitätsgrenze, die Infrastruktur ist überkommen, kleine technische Störungen an Kreuzungen und Signalen führen fast automatisch zu Verspätungen. Der neue Tiefbahnhof hingegen habe zwar nur acht Bahnsteiggleise - aber eben auch acht Zufahrten, die in beide Richtungen nutzbar sind. Das erhöhe die Kapazität immens und soll die Station tauglich machen für die nächsten 100 Jahre. Das sei vor allem für den Regionalverkehr ein großer Vorteil.
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01.09.2010
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