Profitiert der Güterverkehr?

Mehr Güter auf die Schiene, gilt als Credo der Verkehrspolitik. Doch wird die Neubaustrecke nach Ulm dem gerecht?

Was die Gegner sagen: Auch gegen die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm haben die Projektgegner große Einwände: Diese "Gebirgsstrecke" sei zu steil, um über sie in nennenswertem Umfang Güterverkehr abzuwickeln. Schon die bisherige Route über die Geislinger Steige ist wegen ihrer Steigung von 22,5 Promille immer weniger attraktiv, die Zahl der Güterzüge hat sich in dem Zeitraum zwischen 1991 und heute in etwa halbiert. Die neue Strecke mit Steigungen von bis zu 31 Promille sei für den Güterverkehr erst recht ungeeignet, so die Projektgegner: Vielerorts seien die Gleisanlagen zunehmend für lange und schwere Züge ausgebaut worden. Über die geplante Neubaustrecke hingegen könne selbst die stärkste Lok nur etwa 1000 Tonnen ziehen - das sei heutzutage höchstens die Hälfte eines sinnvollen Güterzugvolumens. Die "schnellen, leichten" Güterzüge, die die Bahn bei der Planung der Strecke im Sinn habe, seien eine Chimäre: Es gebe sie noch nirgends, und es seien auch keinerlei Anzeichen dafür erkennbar, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern könnte. Die Neubaustrecke sei "de facto für den Güterverkehr nutzlos", ja sie schade ihm sogar, urteilte deshalb der Verkehrsexperte Michael Holzhey in seinem Gutachten für das Umweltbundesamt.

Die Argumente der Befürworter: Die Bahn pocht darauf, dass nach allen gültigen EU-Normen die Neubaustrecke und ihre Steigungen für den Güterverkehr zugelassen und auch geeignet sei. Allerdings geht das Bahn-Konzept dabei tatsächlich von einem "modernen Hochleistungs-Güterverkehr" aus. "Damit gemeint ist nicht der klassische Kohlenzug, sondern schneller Güterverkehr, etwa mit Containern", sagt Jürgen Friedmann vom Kommunikationsbüro des Bahnprojekts. Mit dieser Planung bewege man sich ebenfalls innerhalb der Vorgaben der EU.

"Eine Infrastrukturmaßnahme wie ein solches Bahnprojekt orientiert sich nicht an Momentaufnahmen, sondern ist für die nächsten 80 bis 100 Jahre gedacht", sagt Friedmann weiter. So seien wegen der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre die Zahlen beim Güterverkehr auf der Strecke zwischen Stuttgart und Ulm deutlich zurückgegangen. Das müsse aber nicht so bleiben.


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