Gedränge auf den Bahnsteigen?

Stuttgart-21-Kritiker befürchten Probleme mit den Bahnsteigen. Architekt Ingenhoven hat nachgebessert.

Befürchtungen der Gegner: Auf den nur acht Meter breiten Bahnsteigen wird es reichlich Gedränge geben, besonders im Bereich der Treppen. Der Abstand ist so gering, dass Fahrgäste in die Sicherheitszone der Bahnsteigkante ausweichen müssen. Unangenehm für den Reisenden ist auch die Neigung der Bahnsteige. Der Bahnhof hat ein Gefälle von mehr als 15 Promille, was bedeutet, dass das Bahnsteigende um sechseinhalb Meter über dem Anfang des Bahnsteigs liegt. Das entspricht der Höhe eines zweigeschossigen Hauses. Nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Eisenbahnbundesamts konnten die Planer ihre Arbeit fortsetzen. Weil bei dieser Steigung Koffer auf die Gleise rollen könnten, mussten die Planer einen rauen Belag vorsehen und den Bahnsteig nach innen neigen. Die große Neigung des Bahnsteigs hat auch bahnbetrieblich gravierende Nachteile. Ein Kuppeln und Teilen von Zügen ist in diesem Bahnhof nicht mehr möglich. Stuttgart 21 ist nur noch eine Haltestation.

Die Argumente der Befürworter: Der achtgleisige Tiefbahnhof wird von drei Fußgängerbrücken überspannt, von denen die Reisenden auf Treppen, Aufzüge und Rolltreppen geleitet werden. Wer aus dem Zug steigt, kann sich aussuchen, ob er die Treppe rechts oder links von der Zugtür nimmt - außer an den Bahnsteigenden. Dort hätte es zu einem Gedränge der Fahrgäste kommen können, weswegen der Architekt Christoph Ingenhoven sein Konzept kürzlich nachgebessert hat. Die Rolltreppe aufwärts und die Rolltreppe abwärts, die an der mittleren Fußgängerbrücke die normale Treppe einrahmen, wurden an den Bahnsteigenden getrennt. Damit wird der Aufgang wesentlich schmaler und lässt mehr Breite auf den Bahnsteigen übrig. An der engsten Stelle bleiben nach Ingenhovens Änderung jetzt knapp drei Meter Freiraum - auf jeder Seite. Überdimensioniert waren die ebenerdigen Eingänge, sie wurden etwas verkleinert, vor allem am Bahnhofsturm. Gleichwohl werden die meisten Reisenden den Bahnhof durch diese ebenerdigen Eingänge betreten und nicht durch die Schalterhalle, die ebenso wie der Turm ihre Funktion behält. Gegenwärtig nutzt täglich eine knappe Viertelmillion Reisende den Kopfbahnhof, für den unterirdischen Bahnhof werden 300 000 Fahrgäste erwartet.


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