Droht Ungemach im Untergrund?

Der Stuttgarter Untergrund ist heikel. Die Risiken der Tunnelbauten werden aber höchst unterschiedlich eingeschätzt.

Was die Gegner sagen: Von Anfang an gab es laute Kritik und Warnungen vor den Auswirkungen der Tunnelbauten auf die Mineralwasservorkommen im Stuttgarter Untergrund. Diese gelten nach Budapest als die größten in Europa und speisen die berühmten Heil- und Thermalquellen in Bad Cannstatt. Schon 1998 warnte der Mediziner Godhard M. Husemann von der Gefahr, dass durch die Bauarbeiten verseuchtes Grundwasser in die tiefer liegenden Mineralwasserschichten eindringen und diese zerstören könnte. Vor kurzem hat die Kritik eine neue Variante bekommen: Geologen wie der Tübinger Jakob Sierig und der ehemalige Stuttgart-21-Berater Frei Otto fürchten, dass beim Bau des Bahnhofs und des knapp zehn Kilometer langen Fildertunnels zum Flughafen (zum Beispiel durch Sprengungen) Wasser in die Gipskeuperschicht eindringt. Stark quellfähiges Anhydrit könne dann zu ähnlichen Bodenhebungen führen, wie sie im badischen Staufen Millionenschäden verursachten. Solche Probleme habe es beim Bau des Wagenburgtunnels in den 1950er Jahren sowie beim Bau des Engelbergtunnels bereits gegeben.

Die Argumente der Befürworter: Die Planer von Stuttgart 21 halten die Risiken allesamt für beherrschbar. Dafür soll auch ein umfassendes "Grundwassermanagement" sorgen: An 60 Messpunkten wird der Wasserspiegel seit über einem Jahr beobachtet und gegebenenfalls durch Ab- und Zupumpen über ein 17 Kilometer langes Rohrnetz reguliert. Das Wasser, das während der Bauphase im Untergrund abgepumpt werden muss, wird gereinigt. Vor allem aber verweisen die Planer auf viele erfolgreiche frühere Tunnelbauten für die Stuttgarter U- und S-Bahn. Deren Schächte lägen deutlich tiefer als der neue Bahnhof. Der Stuttgarter Untergrund gehöre deshalb zu den am besten erforschten überhaupt. "Die Bahn hat schon in der Vergangenheit Tunnelbauprojekte im unausgelaugten Gipskeuper erfolgreich gebaut, zum Beispiel den Hasenbergtunnel", sagte Projektsprecher Wolfgang Drexler. Die weltweit besten Ingenieure seien mit dem Projekt befasst. Dass der Trog mit den Bahnsteigen aufgeschwemmt werden und "wie ein U-Boot aus dem Meer" auftauchen könnte, wie Frei Otto orakelte, sei rein physikalisch unmöglich: Dafür sei er viel zu schwer.


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