Was rund um die Schwörfeier getratscht und getuschelt wurde

Ulm.  Sag mal, der junge Typ neben der Mattheis, ist das etwa ihr. . .?" Nein, ist er nicht. Es war der SPD-Landeschef Nils Schmid, der da neben Hilde Mattheis in der ersten Stuhlreihe auf dem Weinhof Platz genommen hatte. Und ja, es gab so manches zu tuscheln und tratschen für die rund 3000 Gäste, die gestern bei der Schwörfeier dicht an dicht zwischen den beiden Baustellen und weit hinein in die Mohrengasse standen.

Ein bislang ungewohntes Gesicht in der begehrten ersten Reihe sorgte zunächst für Rätselraten. Die Lösung: Ehrengast Klaus Riegert, CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Landkreis Göppingen. Ein anderes Gesicht hatte der geneigte Zuhörer dort vermutet und zunächst vergeblich gesucht: das des Ministerpräsidenten Stefan Mappus. Zwölf Minuten hatte Ivo Gönner bereits von seiner 19. Schwörrede absolviert, da geleiteten Personenschützer Mappus zu seinem Platz neben der Ulmer CDU-Wahlkreisabgeordneten Annette Schavan. Man gab sich einheitlich. In Sachen Kleidung (er mit roter Krawatte, die Bildungsministerin im roten Jackett). Und beim Applaus sowieso.

Der brandete im Weinhof vor dem gut 30 Sekunden langen Schlussbeifall für Gönner ganze 25 Mal auf. Enthusiastisch fielen Mappus, Schavan und deren Sitznachbarin - Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz - ein, als Gönner bei der Entwicklung des Kindes zu allererst die Familie in der Pflicht sah. Doch öfter mal blieben die Hände des Trios bewegungslos. Land und Bund in die Pflicht nehmen? Kein Beifall. Auch nicht für Gönners Forderung, die Gewerbesteuer auszubauen anstatt sie abzuschaffen. Und schon gar nicht für seine Kritik an der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke.

In der sommerlichen Hitze wird diese Starre indes kaum begründet liegen. Hier und da zeigte sich über dem Weinhof nämlich eine gnädige Wolke. Und die zahlreich behütete Gästeschar musste immer mal wieder an Rocksäume und die vom kräftigen Luftzug bedrohte Kopfbedeckung greifen.

Die Ulmer Bürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle etwa, die um die Position ihres an eine schwarze Frisbeescheibe erinnernden Hutes fürchtete. Einer Gefahr, der der Neu-Ulmer OB Gerold Noerenberg begegnete, indem er seinen Strohhut mit grünem Band - Modell Gartenarbeit - bis fast auf die Brillenbügel hinunter zog.

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Dass Monika Stolz allerdings im Dirndl zum Ulmer Nationalfeiertag erschien, verwunderte. "Das hätte wohl eher zur bayerischen Justizministerin gepasst", kommentierte die Ulmer Stadträtin Helga Malischewski, stets stilsicher, was das Schwörmontags-Outfit angeht. Doch Beate Merk setzte - wie viele der Gäste - stattdessen auf die Ulmer Farben: Schwarz mit weißen Punkten. Ein Kleid, das bereits am Freitagabend bei ihrem Auftritt beim Club der Industrie gut ankam.


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