Superwetter, Superstimmung, Superparty

Ulm.  Kaum eine Wolke am blauen Himmel, leichte Brise, erträgliche Temperaturen: Ulm hat einen grandiosen Schwörmontag hinter sich. Nach Schwörfeier und Nabada feierten Abertausende bis spät am Abend.

Was für ein Tag! Was für ein Schwörmontag! Wie aus dem Bilderbuch. Er endete mit der größten Freiluftparty, die Ulm jetzt immer am Schwörmontag erlebt, an dem es in der engeren Innenstadt so gut wie keinen Platz mehr gibt, auf dem nicht ausgeschenkt, gebrutzelt, getrunken, gegessen, getanzt, gefeiert, geschwatzt, gedröhnt wird. In der Au, im Söflinger Klosterhof, am Wiblinger Binsenweiher sowieso.

Alles lief bis Redaktionsschluss in geregelten Bahnen ab - alkoholbedingte Ausfälle inbegriffen, aber ohne dramatische Zuspitzungen. Und es geschah an einem Tag wie gemalt. Ohne Eintrübung. Sonne, Sonne, Sonne, kaum eine Wolke, sanft kühlende Brise aus Südost. - Superwetter also. Superparty.

Das Beschriebene ist nicht Tradition. Tradition sind Schwörfeier und Nabada - und mit Letzterem die Anarchie, die auf der Donau passiert. Was sich dort entwickelt hat, ist mit den Augen besser zu sehen als in Worten zu beschreiben. Abertausende, vor allem junge Leute, aber nicht nur, die lieber auf der Donau dabei sind, als dass sie am Ufer stehen. Deshalb war einer von uns heuer mal wieder dabei auf dem Fluss - und berichtet auf Seite 21.

Tradition ist noch viel mehr die Schwörfeier. Schließlich beschreibt sie, worauf die Ulmer besonders stolz sind - und was Auswärtige so schwer begreifen können und erst lernen müssen: Es war einmal ein Streit zwischen den Reichen in der Stadt, den Patriziern, und denen, die auch richtig schafften in und für die Stadt, den Ständen. 1397 wurde der Burgfriede geschlossen - dokumentiert im Großen Schwörbrief. Er gilt als erste Verfassung der Stadt.

Nicht mehr und nicht weniger greift die Schwörfeier auf, der gestern bei Kaiserwetter Tausende Menschen beiwohnten. Manche hatten wegen dem ob Bau- und Grabungsstellen beengten Weinhof schlechte Sichtplätze zum Schwörbalkon, wo OB Ivo Gönner seine 19. Rede hielt. Als Präsident des baden-württembergischen Städtetags richtete er darin auch im Blick auf die Repräsentanten aus Bund und Land mit Ministerpräsident Stefan Mappus an der Spitze einen flammenden Appell für eine bessere Finanzausstattung der Städte und Gemeinden durch Bund und Land.

Der Ministerpräsident reagierte später beim Empfang im Rathaus auf Gönners Schwörrede, in der der Ulmer OB auch der Verlängerung der Atomkraftwerks-Laufzeiten eine Absage erteilt hatte, beinahe ein wenig pikiert:"Ich habe gelernt, eine Stunde da zu sitzen und zuzuhören, dass wir mehr in die Kommunen investieren und dabei gleichzeitig sparen sollen."

Zuvor schon hatte Mappus erfahren, dass der Ministerpräsident erst noch erfunden werden muss, auf den die Ulmer lange warten. Zum Auftakt der Schwörfeier hieß es, "der MP", wie er im Sprachgebrauch der Bürokratie heißt, verspäte sich um sieben Minuten. Dennoch begann die Schwörrede wie immer um elf, waren hernach doch auch noch drei Wissenschaftspreise an Christian Riedel, Christian Schlegel und Timo Jacob zu vergeben. Also ohne Mappus, der dann reichlich unbeachtet um 11.12 Uhr auf dem Weinhof eintraf. Dank Sonne und Windbrise war es dennoch ein Bilderbuch-Auftakt - auch ohne MP.


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