St.-Hildegard-Mädels starten beim Nabada und thematisieren die Ölkatastrophe

Ulm.  48 Stunden haben die 13 Schülerinnen des St-Hildegard-Gymnasiums investiert, um ihr Themenboot fürs Nabada zu bauen. Der Spaß auf dem Wasser währte zwar nur 90 Minuten, die Mühe hat sich aber gelohnt. Mit ihrem BP-Floß, das die Ölkatastrophe kritisiert, landeten sie auf Platz 4.

Punkt 16 Uhr: Gespannte Minen bei den Themenboot-Bauern, die voller Vorfreude auf das Startsignal warten, während hunderte freie Nabader an ihnen vorbei schwimmen. Dann, mit einer halben Stunde Verspätung, geht’s endlich los. Auch für neun Mädchen des St. Hildegard-Gymnasiums und zwei männliche Helfer.

"Öl für uns alle"

Mit Eimern und Wasserbomben bewaffnet stehen sie auf einer 20 Quadratmeter großen Hartfaserplatte – dem Boden ihrer Konstruktion, die von zwei Zillen getragen wird. Über ihnen eine Spanplatte, durch die ein schwarzes Holzgerüst hindurchragt – ein Bohrturm. Daneben ein Rohr, aus dem Öl in einen roten Golf aus Maschendrahtzaun fließt. Wer jetzt noch nicht auf den Trichter gekommen ist, bekommt durch eine hölzerne BP-Zapfsäule und die seitliche Aufschrift „Öl für uns alle“ den entscheidenden Hinweis. „Wir wollen mit unserem Boot Kritik an der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko üben“, sagt Nina Kappler (19).

Zusammen mit Alexandra Kohlmann (19) hatte sie die Idee für das Boot. Unterstützung bekamen sie bei der Umsetzung von einem 13 köpfigen Team. Da leider aber nicht so viele Mitfahrer erlaubt sind, dürfen heute nur elf Bootbauer mit an Bord. „Diejenigen, die am meisten gearbeitet haben“, sagt Nina, bevor die beiden Zillen Fahrt aufnehmen und sich direkt hinter einem Blaskapellen-Boot einreihen.

Harte Arbeit wird belohnt

Die ersten Wasserattacken lassen nicht lange auf sich warten, auch wenn Angriffe auf die Themenboote eigentlich nicht erlaubt sind. Den St. Hildegard-Mädels ist es egal, damit hatten sie gerechnet. Nach Leibeskräften wehren sie sich. In Ruhepausen tanzen sie zur Musik der Kapelle und winken der johlenden Masse am Ufer zu.

Die Donaubrücke naht. Ist der Bohrturm etwa zu hoch? Nicht doch: Ein herzhafter Zug an einem Seil reicht aus und der obere Teil des Gerüsts knickt nach rechts ab. Nach der Brücke nochmal von der anderen Seite ziehen – der Bohrturm steht wie eh und je. Allerdings machen sich erste Verschleißerscheinungen bei der Besatzung bemerkbar. Viele der Mädels zittern und verschränken ihre Arme vor den Oberkörpern. Es ist windig geworden und die nassen Bikinis kleben auf der Haut. Doch jetzt heißt’s durchhalten – Nabada ist nichts für Weicheier.

Jetzt wird`s kalt

Etwa eine halbe Stunde später wird die Masse der freien Nabader langsam kleiner. Viele gehen in der Friedrichsau auf Höhe des Donaustadions an Land und die Zillenfahrer legen einen Zahn zu. Fast geschafft: Es ist 17.30 Uhr, als sich das St. Hildegard-Team Richtung Kraftwerk verabschiedet – dem Ankerplatz der Themenboote. Beim Vorbeifahren ruft Nina noch: „Schön war’s, aber uns ist kalt und wir sind nur noch froh, wenn es vorbei ist.“ Ihre sichtlich erschöpften und unterkühlten Mitstreiterinnen stimmen ihr dabei voll und ganz zu.

Kein Wunder, denn mit Schwörmontag enden für die elf eifrigen Bootbauer und ihre vier Assistentinnen an Land arbeitsreiche Wochen und Monate. Bereits im Mai hatten sie sich auf ihr Thema festgelegt und einen ersten Konstruktionsvorschlag bei der Stadt eingereicht. Diese unterstützt jedes Jahr 14 engagierte Themenboot-Bauer in ihren Vorhaben. Budgetobergrenze: 400 Euro. Wer mitmacht, hat im nächsten Jahr gute Chancen, wieder dabei zu sein.

Schon das vierte Mal dabei

Und auch die Mädels vom St. Hildegard sind schon richtige Nabada-Experten – ihr Start in diesem Jahr war schon der vierte. Viel Routine also, aber auch immer wieder eine neue Herausforderung. „Das ist bisher unser größtes Boot. Bewegliche Specials wie die den abknickbaren Bohrturm und eine drehende Tankanzeige hatten wir noch nicht“, verkündete Viola Walker (19) stolz am Morgen vor der Jungfernfahrt.

Für ihr Meisterstück hatte die Gruppe zwei Wochen lang mächtig rangeklotzt. Seit dem 3. Juli wurde nach der Schule und an Samstagen auf dem Neu-Ulmer Bauhof gestrichen, gesägt, gebohrt und gehämmert was das Zeug hält. Nicht immer ohne Blessuren, wie die ein oder andere Schnittwunde an den Händen der Mädchen bezeugt. Allerdings kein Hinderniss: 18 Dachlatten a 4,5 Quadratmeter und ebenso viele Kanthölzer, Maschendraht, etwa 300 Schrauben und viel anderes Material verbauen sich eben nicht von alleine.

Gut Ding will Weile haben

„Dafür haben wir ungefähr 48 Stunden gebraucht. Oben drauf kommen aber bestimmt nochmal zehn weitere für die Organisation“, schätzt Nina Kappler (19). Sie hatte überdies mit Alex Kohlmann (19) zusammen ein maßstabgetreues Modell des BP-Bootes angefertigt. Zeitaufwand: etwa vier Stunden. „Das Grobe sollte vorher geklärt sein. Beim Rest sind wir dann spontan und gucken, ob es stabil ist“, hatte Nina noch an den ersten Arbeitstagen gesagt. Hochzufrieden zeigte sich die Bauleiterin dann, als das Konstrukt bereits am frühen Samstagnachmittag fertig gestellt war.

Kein Grund jedoch, die Füße hochzulegen: Schwörmontag ging es in den frühen Morgenstunden wieder ans Werk. Um 7.30 Uhr wartete ein Sattelschlepper für den Transport des Bootes zur Donau. Zuvor mussten sperrige Platten wieder auseinandermontiert werden. Dann am Ufer das gleiche Spiel noch einmal umgekehrt.

Ein erfolgreicher Schlusspunkt

„Wir sind froh, wenn unser Boot heil die Donau runter kommt“, sagte Viola Walker. Ihre Sorge blieb unbegründet: Eine reibungslose Fahrt krönten die St.-Hildegard-Mädels mit einem vierten Platz in der Themen-Boot-Wertung. Gleichzeitig auch der Schlusspunkt auf eine Ära. Denn die Baugruppe hat gerade ihr Abi bestanden, viele davon werden bald in anderen Städten studieren. Das Erbe sollen ein paar Achtklässlerinnen antreten, die dieses Jahr schon eingearbeitet wurden. Deswegen wird es auch künftig heißen: St. Hildegard ahoi!

Alles rund ums Nabada

Umfrage: Wie feiert Ihr am Schwörmontag?
Als Rettungsschwimmer beim Nabada
Pro Schwörmontag: Die Stadt eine Partymeile
Contra Schwörmontag: Müll, Urin und schlechte Musik
Tipps für Last-Minute-Nabader

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Autor: CHRISTIAN IPPACH | 20.07.2010

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