Späth schwört auf Stimmung am Schwörmontag
Ulm.
Bei der Schwörrede saß er in der zweiten Reihe, direkt hinter dem jetzigen Ministerpräsidenten Stefan Mappus: Lothar Späth, der Vorvorvorgänger von Mappus. Den Ulmern ist das "Cleverle" - wie Späth liebevoll genannt wird - aber noch gut bekannt, obwohl er seit 1991 nicht mehr im Amt ist. Ihm wird auf der Straße zugewunken, er wird angesprochen, muss stehenbleiben und Händeschütteln. Kein Problem für Späth, er nimmts gelassen, schüttelt fleißig und winkt freundlich zurück. Die Stimmung am Schwörmontag scheint dem gebürtigen Sigmaringer zu gefallen.
"Das müsste jetzt das fünfte oder sechste Mal sein, dass ich den Schwörmontag hier miterlebe", sagt Späth. "Und es ist der dritte OB, den du mitbekommst", ergänzt der frühere Ulmer Oberbürgermeister Ernst Ludwig (CDU) lachend. Ja, bekennt Lothar Späth, seine Beziehung zu Ulm, die sei schon eine Besondere. Nicht nur, dass seine Frau Ursula hier geboren ist, nein seit 2006 ist er auch Ehrenbürger der Donaustadt. "Das bedeutet mir viel", sagt er.
Vor allem an die Entwicklung der Wissenschaftsstadt Mitte der 80er Jahre erinnert er sich gern zurück. Aber auch die großen Auseinandersetzungen, die es deswegen gab, hat er nicht vergessen. Denn für Ulm habe das damals einen Strukturwandel mit sich gebracht, viele große Betriebe gingen kaputt. "Wir hätten das selbe Geld entweder in die Subventionen der alten Betriebe stecken können oder in die Wissenschaftsstadt." Zwischen 7000 und 8000 neue Arbeitsplätze seien rund um die Universität entstanden. In dieser Entwicklung sei Ulm beispielhaft für ganz Baden-Württemberg. Und für noch etwas sei Ulm beispielhaft, sagt Späth schmunzelnd: "Die Oberbürgermeister waren immer ausgezeichnete Spezialisten für die Beeinflussung der Regierungsbeteiligten im Land."
Bis heute stattet der Ministerpräsident a.D. einmal im Jahr OB Ivo Gönner einen Besuch ab, um sich auf dem Laufenden zu halten. Was man einmal angestoßen hat, interessiere eben auch nachhaltig. So zieht es ihn auch am Schwörmontag wieder nach Ulm.
Wobei er am heimlichen Höhepunkt, dem Nabada, selber noch nie teilgenommen hat. Er erinnert sich nur amüsiert an einen Kollegen, der das schwierige schwäbische Wort nicht aussprechen konnte. "Das war Ernst Filbinger, der konnte das als Badener eben nicht sagen", verrät Ernst Ludwig. Späth widerspricht dem nicht. Er gibt nur zu bedenken, dass "Nabada" bei falscher Betonung fast türkisch klingen könnte.
Die Schwörrede des OB hat Späth gefallen. Wobei er persönlich bei der Schwörrede gar nicht den Inhalt für das Entscheidende hält. Es sei vielmehr etwas Psychologisches: "Das Läuten der Schwörglocke und die ganze Atmosphäre erinnern an den Zusammenhalt der Bürgerschaft." Deshalb sei dieser in Ulm auch besser als in vergleichbaren Städten.
Beim anschließenden Empfang im Rathaus ist der umtriebige 72-Jährige natürlich noch dabei, hört sich an, was sein Nachnachnachfolger so zu sagen hat. Dann muss er direkt weiter, auf einen Geschäftstermin.
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20.07.2010
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Kommentare (1)
Filbingers Vorname
Ernst Filbinger? Hieß er nicht Hans mit Vornamen?