Rote Rosen statt Kübel mit Wasser

Ulm.  Kein Wunder, dass die Donau gestern zum "Highway to Hell" mutierte. 2009 wars zu kalt, 2008 fiels aus. Alle Entzugserscheinungen sind vergessen, denn diesmal wars ein Nabada wie aus dem Bilderbuch.

Nimmermüde bläst das Fanfarenkorps Ulm/Neu-Ulm den uralten Titel von AC/DC "Highway to Hell". Stimmt, auf der Donau ist nach zwei eher verhaltenen Jahren endlich wieder einmal die Hölle los. Massen von wilden Nabadern schippern in abenteuerlich zusammengebastelten, mehr oder weniger schwimmfähigen Untersätzen gen Böfinger Halde hinunter. Hätte es einer drauf angelegt, er wäre wohl springenderweise und trockenen Fußes zum anderen Ufer gelangt. So dicht trieben die Schlauchboote die Donau hinunter. Obwohl: Trockenen Fußes vielleicht dann doch nicht, denn der Rest wäre wohl ob der Spritzer klatschnass gewesen.

Endlich, nach einer halben Stunde kommt das erste von insgesamt 14 Themenschiffen: In bestem Oettinger-Englisch geben die SSV-Schwimmer zum Besten, dass sie wohl alles können: "Yes wie can. . . ons älles leischda": beispielsweise die Atlantis-Sanierung oder den Anbau des Hans-Lorenser-Sportzentrums. Kein Wunder, dass der aufgemalte SSV-Schwimmer mit einer "Altlasten"-Eisenkugel am Fuß ins Becken springt.

Themen aus der großen und kleinen Politik hatten die Bastler der Themenschiffe seit geraumer Zeit ja genug. Die DLRG-Jugend zeigt ein paar scheinheilige katholische Würdenträger, "die nur spielen wollen", vorzugsweise mit Buben. Einer davon wird auf dem Schiff tatsächlich streichelnderweise live gejagt. Die Freiwillige Feuerwehr aus Offenhausen karikiert Angie, Horst und Guido im "Kindergarten Kanzleramt". Ziemlich deftig langen die Zoll-Zillenfahrer mit ihrem "Eurofighter" zu und gewinnen den Kübeles-Pokal: Vorne verteilt die Kanzlerin großzügig Euros an Griechenland, Portugal und Spanien. Hinten bekommt sie das Geld rektal vom weinenden deutschen Michel verabreicht. FDP-Chef Guido Westerwelle sitzt Trauben essend als dekadenter Römer im Tempelschiff der Unabhängigen Studierendenschaft (UStA) Ulm nach dem Motto "Heute Student, morgen dekadent". Und die Schüler des Ulmer Humboldt-Gymnasiums preisen Exportschlager aus der Schweiz: hohe Berge, Toblerone, Heidi - und auch Steuersünder-CDs.

Ganz besonders toll: In diesem Jahr müssen sich auch die lokale Politiker, sowie Funktions- und Mandatsträger warm anziehen: Dem Ulmer Baubürgermeister Alexander Wetzig wird von der Narrenzunft Ulm ein besonders lustiges Schiff gewidmet. Er steckt als Vogel Strauß den Kopf in ein um 500 000 Euro angewachsenes Sparbuch. Das Bundeswehrkrankenhaus lässt Gold-Ochsen-Chefin Ulrike Freund als Europa-Göttin zwar keinen Stier, aber immerhin doch einen Goldochsen reiten und einen Mönch jagen - in Anlehnung ans Kulmbacher Mönchshof-Bier, das heuer auf dem Volksfest zum Verdruss der lokalen Brauerei ausgeschenkt wird.

Schon zum zweiten Mal sind die Schweizer Flößer aus Forch dabei, einem Ort in der Nähe von Zürich. Dennoch ists für sie eine Premiere auf dem Fluss. 2008 mussten sie wegen der hochwasserbedingten Absage enttäuscht abreisen. Sie haben ihre beiden Floße mit gigantisch-großen roten Rosen geschmückt und wählen eine Route ganz hart am Neu-Ulmer Ufer. Dort verteilen sie an die Zuschauer echte rote Rosen. Wenn das keine eidgenössische Charme-Offensive ist.

Eigentlich ist das Spektakel nach eineinviertel Stunden vorbei. Doch halt, da zuckelt noch das Schiff der Turner aus Erbach weit hinterher. Irgendwie will es nicht Fahrt aufnehmen. Die Insassen wollen beim nächsten Volksfest wieder Gold-Ochsen-Bier haben. Obs nur am Ostwind liegt, dass sie nicht vorankommen? Wahrscheinlich haben sie zu viel Zeit mit dem Ausfüllen der Stimmzettel für die Wahl des besten Themenschiffs vertrödelt. Denn vor dem Edwin-Scharff-Haus waren lange vor dem eigentlichen Nabada einige Turnerfrauen emsig damit beschäftigt, ihr eigenes Schiff gleich mit mehreren Dutzend Stimmzetteln zu wählen. Gereicht hats dennoch nicht . . .


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