Die theoretische Seite der Elektromobilität

Elektroautos gehört die Zukunft. Die Theorie elektrochemischer Prozesse ist kaum erforscht. Das ist das Feld von Wissenschaftspreisträger Timo Jacob.

Elektromobilität ist heute in aller Munde, in Ulm sowieso, denn der Obere Eselsberg soll in den nächsten Jahren einer von bundesweit 15 ausgewählten Standorten für die Entwicklung von Elektroautos werden. Doch um Autos mit Batterie- oder Brennstoffzellenantrieb auf den Markt bringen zu können, bedarf es basaler Kenntnisse elektrochemischer Abläufe. Diese Art von Grundlagenforschung betreibt Wissenschaftspreisträger Timo Jacob vom Institut für Elektrochemie der Universität Ulm. "Es gibt in Deutschland nur sehr wenige Theoretiker, die sich mit elektrochemischen Prozessen auf atomarer Ebene auseinandersetzen", sagt der promovierte Physiker. "Solche Systeme zu verstehen, das ist schon eine Lebensaufgabe."

Jacob kombiniert in seinen Arbeiten theoretische Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen: aus Chemie, Physik, Mathematik und der Materialwissenschaft. Unter anderem hat er Erkenntnisse über die Sauerstoffreduktion gewonnen - ein wichtiger Prozess in Brennstoffzellen.

Jacob, 1975 in Kassel geboren, studierte dort auch Physik. Nach der Promotion 2002 ging er ans renommierte California Institute of Technology in Pasadena bei Los Angeles. 2004 wechselte er ans Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, wo er eine Arbeitsgruppe zum Thema Elektrochemie und Brennstoffzellen aufbaute. 2008 folgte die Habilitation an der FU Berlin.

"Los Angeles und Berlin waren nette Erfahrungen, aber Ulm ist super", sagt der Forscher, der den Wissenschaftspreis "als große Überraschung, die mich wahnsinnig freut" bezeichnet. Ob Elektroautos der baldige Durchbruch beschert ist? Das liege nicht an der Wissenschaft, sondern an Autoindustrie, Politik und Kundenverhalten. Benzin müsse teurer werden, findet Jacob. Dann würden sich mehr Menschen auf die neue Technologie einlassen.


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