Die größte Wasserschlacht des Landes

Ulm.  Kurz vor 16.00 Uhr schwammen die Möwen noch friedlich auf der Donau. Doch nach den Startschüssen zum Ulmer „Nabada“ brachten sich die Tiere schnell in Sicherheit. Tausende Ulmer paddelten in unzähligen Schlauchbooten, auf Gummitieren oder selbst gebauten Flößen wie eine geschlossene Wand flussabwärts.

Kaum ein Autokorso nach deutschen Siegen bei der Fußball-WM dürfte einen ähnlich großen Andrang und Stau ausgelöst haben, scherzten einige der mehreren Zehntausend Zuschauer. Kurz zuvor hatten zahlreiche „Kapitäne“ ihre Schlauchboote am Neu-Ulmer Donauufer über die Köpfe der Zuschauer balanciert.

Jedes Jahr stürzen sich am Schwörmontag, dem Ulmer Stadtfeiertag, Tausende ins Wasser - im vergangenen Jahr bei gerade einmal 13 Grad. Kein Wunder, denn im Jahr zuvor hatte die liebgewonnene Tradition zum ersten Mal seit 20 Jahren wegen Hochwassers abgesagt werden müssen.

In diesem Jahr dürfte die Wassertemperatur das Doppelte erreicht haben. Entsprechend geriet das „Nabada“ zur größten organisierten Wasserschlacht des Landes. Manche Schlauchbootkapitäne hatten sprichwörtlich alle Hände voll zu tun, um das Wasser aus dem Boot wieder in die Donau zu befördern. Für die Zuschauer, die trotz Verbots regelmäßig Wasserbomben abbekamen, war es ein Riesenspaß, die Bemühungen zu verfolgen.

Für zahlreiche Lacher sorgten auch die kreativen Ideen, mit denen die „Nabader“ ihre schwimmbaren Untersätze gebaut oder geschmückt hatten. Eine Gruppe hatte Müllcontainer zusammengebunden, eine andere zwei Sofas auf ihrem Floß befestigt. Einige hatten sogar eigentlich völlig ungeeignete Fortbewegungsmittel gewählt: Ein Mann strampelte auf einem Fahrrad, das er auf einem Floß befestigt hatte, und versuchte, Kurs zu halten. Andere wiederum hatten Trampoline zwischen ihre Boote gespannt und hüpften darauf.

Die 14 Themenboote nahmen die große und kleine Politik auf's Korn. Vorneweg fuhr eines mit Priestern und Bischöfen aus Pappe, die sich ihre Hand vor Mund, Auge und Stirn hielten. Dazu war zu lesen: „Er will doch nur spielen“ - eine Anspielung auf den Missbrauchsskandal und den Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema. Weitere Boote thematisierten die Öl-Katastrophe am Golf von Mexiko, die Pläne zur Einführung von Nacktscannern an Flughäfen, oder das Ulmer Freizeitbad mit dem passenden Namen „Atlantis“, das aufgrund mehrerer  Pannen Millionen Euro verschlungen hatte.

Das hatte Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) bereits fünf Stunden zuvor bei seiner Schwörrede angesprochen, bei der er über das vergangene Jahr Rechenschaft und anschließend den traditionellen Schwur abgelegt hatte. Dabei hatte er sich für stärkere Regeln für Banken ausgesprochen. „Die Dirigenten und Strippenzieher der Finanzmärkte haben sich aus einem Miteinander verabschiedet und
ausgekoppelt“, kritisierte er. Ausbaden müssten das nun die Kommunen, auch Ulm habe die Krise nun „voll erwischt“ sagte er. Ministerpräsident Stefan Mappus, sein Vorvorgänger Lothar Späth sowie Bundesbildungsministerin Annette Schavan (alle CDU) hörten zu.

Zudem bekräftigte Gönner seine Zustimmung zum Neubau der Bahnstrecke nach Stuttgart und forderte den Ausbau der Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen. Er rief zudem die politisch Verantwortlichen dazu auf, dafür zu sorgen, dass durch die geplante Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke nicht die Extragewinne der Konzerne gesteigert, sondern die Energiepolitik der Stadtwerke unterstützt werde. Gönner kündigte auch an, die Ehrenamtsarbeit zu stärken - für die Gemeinschaft sei dies sehr wichtig. Zumindest seine „Nabader“ haben dieses Gemeinschaftsgefühl am Schwörmontag voll ausgelebt. (dpa)


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