Der FC Luzern sucht Talente per Anzeige
International geht es beim MHB-Stumm-Cup zu. Wir haben den gesammelten Sachverstand genutzt, und einmal nachgefragt, wie die Talentförderung in Wien, Luzern und Southend praktiziert wird.
Für alle europäischen Länder gilt, dass eine Talentsichtung ab der U8/U9 sinnvoll ist, da sind motorische und technische Feinheiten erkennbar. Je früher diese Fähigkeiten ausgebaut werden, umso schneller kann man auch taktische Maßnahmen einüben. Abgesehen von einzelnen Ausnahmen, werden die talentierten Kinder im Fußball-Nachwuchsbereich behutsam an eine Profi-Karriere herangeführt - immer unter Berücksichtigung des schulischen und sozialen Umfelds.
SK Rapid Wien
David Gruber, Trainer der U10-Junioren von Rapid Wien, bringt es auf den Punkt: "Eine frühe Talentförderung ist wichtig für den Weg zum Profi, aber es müssen immer der Spaß und die schulische Leistung im Vordergrund stehen." Deshalb hat man den Blick über den fußballerischen Tellerrand hinaus in Wien geschärft, Alternativen in diesem jungen Alter auch gern unterstützt. "Kein junger Spieler wird gezwungen, aufzulaufen", sagt Gruber.
Aber das ist ohnehin kein Problem: Die kleinen Kicker aus Wien haben so viel Freude am Fußball, dass es manchmal schwer ist zu entscheiden, wer zu solchen Turnieren wie dem Stumm-Cup mitreisen darf - gerade jetzt, da in Österreich Schulferien sind.
In Wien stehen dem SK Rapid einige Partnerschulen zur Seite, die sich um die Talente kümmern und in engem Kontakt mit dem Verein und der Rapid-Akademie, in die man ab dem 15. Lebensjahr einziehen kann, stehen.
"Wenn ein Spieler einen schulischen Durchhänger oder private Probleme hat, erfahren wir das relativ rasch", sagt der Wiener U10-Trainer. Dann wird der sportliche Einsatz entsprechend reduziert, um dem Nachwuchstalent Zeit und Ruhe für die Schule oder das Privatleben zu geben.
Die Talentsuche gestaltet sich für die Wiener einfach - mehrmals im Jahr gibt es Talenttage, wie sie beispielsweise auch der VfB Stuttgart anbietet, bei denen alle interessierten Kinder ihr Können unter Beweis stellen können. "Die Auswahl ist recht groß und wir entscheiden uns dann meistens für Spieler aus dem Wiener Raum, um Anfahrtswege für die Eltern und Kids im Rahmen halten zu können", sagt David Gruber. Die Kinder werden nicht mit Verträgen an den Verein gebunden und können bis zur U15 jederzeit den Verein wechseln oder sich für einen anderen Weg entscheiden.
Southend United
Beim englischen Stumm-Cup-Teilnehmer Southend United ist Luke Hobbs als verantwortlicher Trainer mit anderen Fragen konfrontiert: "In England ist das Kicken in der Freizeit nur auf Sportplätzen erlaubt. Straßenfußball oder mal eben im Park ein wenig Fußball spielen, geht nicht." So landen fast alle Fußballer inklusive potenzieller Talente automatisch in den Vereinen. Ein Netzwerk aus Talentscouts verschafft dann wiederum den Spitzenklubs den Nachwuchs. Eine Bindung an die Vereine in frühen Jahren ist zwar gewünscht, wird aber nicht gefordert - anders, als in Frankreich, wo schon ganz junge Spieler der Spitzenklubs sich bis zum 18. Lebensjahr verpflichten müssen, ausnahmslos bei einem Verein zu spielen. Kleine Klubs in England kooperieren mit den Schulen vor Ort und die Profiklubs haben eigene Internate und Leistungszentren.
FC Luzern
Einen ganz eigenen Weg der Suche geht man beim FC Luzern. "Wir suchen unsere Talente zweimal im Jahr über Annoncen in den Tageszeitungen", sagt Claudio Tonelli, U10-Trainer beim FC Luzern. Peter Hauser, der Leiter der Luzerner Talentschule, lädt dann zu Sichtungstagen ein und mit Spielern der ersten Mannschaft wird dann gemeinsam über die Auswahl entschieden.
Nahezu 120 junge Kicker aus den umliegenden Vereinen melden sich pro Talenttag, rund 30 Spieler werden jeden Mittwoch beim FC Luzern zusätzlich zum Training bei ihrem Heimatklub gefördert. Aber nur die besten zehn dürfen dann mit dem Luzerner Vereinspass auf eine gezielte Ausbildung hoffen.
Wie in Wien gibt es keine verpflichtende Bindung an den Profiverein und erst ab dem 13. Lebensjahr ist eine Aufnahme in die Sportschule, die als Kooperation der Städte Kriens und Luzern betrieben wird, möglich. Da wird dann der Unterrichtsplan mit den Trainingszeiten abgestimmt und ernsthaft an einer Profi-Karriere gearbeitet - mit einer festen Bindung an den FC Luzern. "Die Freude am Sport und ein gesundes soziales Umfeld sind aber die Hauptvoraussetzungen für die Talentförderung", erklärt der Luzerner Trainer Tonelli.
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Autor: KLAUS-PETER NEEF | 06.02.2012
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Der U10-Trainer Claudio Tonelli vom FC Luzern mit zwei seiner Jungs. Die Talentsuche beginnt beim SC schon mal in der Zeitung. Foto: Klaus-Peter Neef
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