Waldheime stellen sich auf Flüchtlingskinder ein

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Immer mehr Flüchtlingskinder nehmen am Programm der Stuttgarter Waldheime teil.  Foto: 

Die 29 Stuttgarter Waldheime sind eine Institution, in der schon Scharen von Kindern ihre Ferien verbracht haben. Darunter sind auch immer mehr Flüchtlinge. Nach Angaben des evangelischen Stadtdekans Soren Schwesig besuchten 2016 von rund 600 Kindern aus Flüchtlingsfamilien allein 450 die 18 Waldheime des evangelischen Kirchenkreises. Im Jahr zuvor waren es 200 gewesen.

Einen Anstieg erwartet Uli Seeger von der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Ferien- und Waldheime in Württemberg auch in diesem Jahr. Anfangs seien sowohl die ehrenamtlichen Helfer als auch die Einrichtungen überfordert gewesen, räumt Seeger ein. Es habe keine Ansprechpartner in Flüchtlingsheimen gegeben. Manche Kinder seien nur sporadisch erschienen, andere hätten Freunde mitgebracht. Die meisten hätten kaum Deutsch gesprochen.

Die ehrenamtlichen Helfer in den Waldheimen werden deshalb nun mit Blick auf Kultur und Essgewohnheiten der Flüchtlinge geschult, berichtet Stadtdekan Schwesig. Ihnen wird beispielsweise verständlich gemacht, warum ein Mädchen erst esse, wenn der große Bruder fertig sei. Viele Kinder seien zudem durch Krieg und Flucht traumatisiert, wofür die Helfer sensibilisiert würden. Inzwischen werden auch junge Flüchtlinge zu Betreuern ausgebildet, und Eltern arbeiten in der Küche mit. Außerdem gibt es nun enge Kontakte zu den Flüchtlingsunterkünften, und die meisten Kinder können Deutsch. Deshalb habe sich die Lage entspannt, berichtet Uli Seeger.

Ansprechpartnerin für Fragen der Betreuung ist Ulrike Brand. Die Erzieherin leitet nicht nur zwei Waldheime, sondern koordiniert auch die Waldheimarbeit im Kirchenkreis. Außerdem betreut sie die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit in Stuttgart. Besonders viele Flüchtlingskinder kamen 2016 in das von ihr geleitete Waldheim Feuerbacher Tal – knapp zehn Prozent der rund 500 Kinder. Die meisten stammten aus Afghanistan, Syrien und Irak. Die Integration in den Waldheim-Alltag sei oft schwierig gewesen, hat Brand erfahren. Dass bereits 2016 sieben Flüchtlinge als Betreuer mitgearbeitet hätten, sei daher hilfreich gewesen.

Insgesamt besuchen im Sommer rund 8600 Kinder zwischen fünf und 14 Jahren die Stuttgarter Waldheime, 7200 davon die evangelischen. In diesen gibt es rund 1400 Betreuer und 450 Küchenhelfer.

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