Vor großen Herausforderungen

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Walter Schoefer im frisch bezogenen Verwaltungsbäude des Flughafens, dem „Skyport“.    Foto: 

Sie waren über fast zwei Jahrzehnte hinweg eine funktionierende Doppelspitze, ein sich gegenseitig ergänzendes Gespann: Die beiden gleichberechtigten Flughafen-Geschäftsführer Georg Fundel (63) und Walter Schoefer (61). Doch ein bisschen stand Schoefer  immer im Schatten von Fundel. Der alerte Schwabe vermochte sich sehr gut in Szene zu setzen, glänzte mit Detailwissen und war schon allein wegen seiner unvermeidlichen Fliege eine auffällige Figur. Zudem verantwortete Fundel den Aviation-Bereich, der mehr Aufmerksamkeit genießt als das Non-Aviation-Ressort, dem Schoefer seit September 1999 vorsteht.

Doch Ende April trat Fundel in den Ruhestand. Schoefer bekommt die 15 Jahre jüngere Arina Freitag an seine Seite, die für die Aviation zuständig sein wird, sich aber erst einmal einarbeiten muss. Und zugleich ernannte der Aufsichtsrat Schoefer  zum Sprecher der Geschäftsführung.

Damit bleiben die beiden Chefs zwar auf Augenhöhe, doch das Gremium mit Verkehrsminister Winfried Hermann an der Spitze und seinem Stellvertreter Fritz Kuhn  setzte damit auch ein Signal. Es soll Kontinuität an der Spitze des Flughafens gewährleistet sein, und dafür soll der erfahrene Schoefer sorgen. Diese Sprecher-Funktion, die Schoefer die Kompetenz verleiht, den Flughafen nach außen zu vertreten und zu repräsentieren, ist neu am Flughafen Stuttgart.

Wie lange es bei dieser personellen Konstellation bleibt, steht noch nicht fest. Schoefers Fünf-Jahres-Vertrag endet im August 2019. Er ist dann 63. Allerdings hat er den Gesellschaftern – das Land (65 Prozent) und die Stadt Stuttgart  (35 Prozent) –  zu erkennen gegeben, dass er noch „einige Zeit“ seinen Job machen wolle. „Es gibt einiges abzuwickeln, deswegen mache ich gern weiter“, sagt Schoefer im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor allem in seinem Bereich Immobilien, Planung und Bau stehen am Flughafen zahlreiche Projekte an.

Fast gleichzeitig entstehen in den nächsten Jahren vor den Terminals der ICE-Bahnhof, die Stadtbahn-Station und die „Station Drittes Gleis“, an die der Regionalbahnverkehr an den Flughafen herangeführt wird.

Bei all dem ist der Flughafen zwar nicht Bauherr, doch es ist darauf zu achten, dass der Flughafen-Betrieb durch diese Bauarbeiten ungestört bleibt. Darüber will Schoefer wachen. Und er sehnt den Moment herbei, an dem die Verkehrsdrehscheibe Flughafen Stuttgart perfekt ist und durch die Kombination aus Luftfahrt, ICE- und Regionalbahn-Anschluss, S-Bahn, Stadtbahn und Autobahn „zum besterschlossenen Standort im Land“ wird.

Denn daraus erhofft sich Schoefer  nicht nur einen spürbaren Zuwachs an Passagieren. Der Standortvorteil  erhöht auch die Wertigkeit der Airport-City mit ihren Tausenden externen Büroarbeitsplätzen – ein Bereich, den Schoefer seit Beginn seines Jobs am Flughafen vorantreibt.

Angestoßen ist bereits auch ein neues, ureigenes Projekt des Flughafens: der Bau von Terminal 4. Derzeit tragen Mitarbeiter in Workshops die Anforderungen an dieses Bauwerk zusammen.  „Als Grundlage für den Architekten-Wettbewerb, der 2018 ausgeschrieben werden soll“, erläutert Schoefer.

Das neue Terminal soll Platz bieten für neue Sicherheitseinrichtungen und außerdem die Kapazität des Flughafens in Spitzenzeiten erhöhen. Und damit Schlangen  und den damit verbundenen Ärger beim Checkin vermeiden. Bis zu 4500 Personen pro Stunde sind an Tagen wie dem gestrigen abzufertigen – „dafür ist mehr Terminalfläche notwendig“. Schoefer will angenehme, komfortable Bedingungen für die Kundschaft auch bei einem Zuwachs bei den Passagieren garantieren. In Betrieb geht das neue Terminal  nach derzeitigem Stand 2024/25.

Das geplante Abfertigungsgebäude soll ein Glanzpunkt bei den Anstrengungen des Flughafens in Sachen Nachhaltigkeit werden. Schoefer strebt ein Energie-Plus-Haus an. Das bedeutet, dass das Gebäude mehr Energie produziert als es selbst verbraucht. „Wir befinden uns da auf technischem Neuland“, sagt Schoefer, „das ist ein außergewöhnliches Unterfangen.“

Talentschmiede Walter Schoefer stammt aus der Talentschmiede des früheren Kultus- und Finanzministers Gerhard Mayer-Vorfelder. Bei ihm begann Jurist Schoefer 1989 als persönlicher Referent. Später war der in Bad Cannstatt geborene Schoefer Generalreferent Haushalt und Leiter der Stabsstelle „Neue Steuerung und Umwandlung von Landeseinrichtungen“ im Finanzministerium. Als ihn der Aufsichtsrat 1999 zum Geschäftsführer des Flughafens wählte, schied er aus dem Landesdienst aus.

Piano Schoefers Hobby ist das Klavierspiel. Bei Empfängen des Flughafens setzt er sich zu fortgeschrittener Stunde gern ans Piano. web

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