Stuttgart soll 2020 Surferstadt sein

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Das Team Neckarwelle hat viele Sympathisanten.  Foto: 

Bei der Abstimmung über die Prioritätenliste des Stuttgarter Bürgerhaushalts ist im April ihr Vorschlag auf Platz 20 von 3457 Plätzen gelandet. Vom überraschenden Erfolg beflügelt hat das Team Neckarwelle, das sich eine Surferwelle nach dem Vorbild der Münchner Eisbachwelle wünscht, nun nachgelegt: In einem Seitenarm des Neckars in Untertürkheim präsentierten die Wassersportler ihre Pläne zum Bau einer surfbaren Flusswelle. Mit vergleichsweise geringem Aufwand könne im Neckar eine Anlage installiert werden.

Die beiden Initiatoren Volker Sellmeier und Martin Jetter haben den Bezirksbeirat bereits von ihrer Idee überzeugt. Einstimmig hat dieser das Projekt, das nicht nur Surfer aus der Region, sondern auch Zuschauer in den Stadtteil bringen soll, für gut befunden. Doch am Ende entscheidet der Gemeinderat über die Investition, die vom Team Neckarwelle vorsichtig auf eine Million Euro oder etwas mehr geschätzt wird. Die EnBW betreibt an der Stelle ein Wasserkraftwerk. Käme die Anlage, würden die Turbinen etwas weniger Strom produzieren. Die Hoffnung ist, dass der Energieversorger den Verlust als Sponsoring verbucht.

Nach Vorstellung der Initiatoren könnte Stuttgart im Sommer 2020 zur Surfcity werden. Wissend, dass der Gemeinderat ungern Geld gibt, ohne den Nutzen für die Stadt zu kennen, argumentiert das Team mit einer Menge Umsatz, den die ständig wachsende Surfergemeinde vor Ort generieren könnte. Zudem werde Wellenreiten in zwei Jahren zur olympischen Disziplin. Einen Claim hat das Team Neckarwelle bereits: „Wir können alles. Auch surfen.“

Auf welches Interesse ein solches Sportangebot vor allem bei jüngeren Leuten stoßen könnte, zeigte sich bei der Präsentation, zu der einige Stadträte gekommen waren. Etwa 200 Zuhörer, die hauptsächlich über die sozialen Medien auf die Veranstaltung aufmerksam wurden, ließen sich von Sellmeier und Jetter erläutern, wie eine solche Wellenanlage funktioniert: Das Wasser muss um etwa einen Meter aufgestaut werden und fließt dann eine im Fluss liegende Rampe hinunter, die am Ende einen Knick nach oben hat. Das reicht, um die Fließgeschwindigkeit an dieser Stelle zu vervierfachen. Bis zu 50 Kubikmeter Neckarwasser rauschen in der Sekunde für die perfekte Welle die Rampe hinunter. Diese kann zudem höhenverstellt und so auf die Anforderungen für Einsteiger oder Profis angepasst werden. Auch Kajakfahrer können die Anlage nutzen.

Angetan waren die Gemeinderäte von der großen Zahl der Surfer und Kajakfahrer, die zum Abschluss mit ihren Sportgeräten im Neckarseitenarm, in dem keine Schiffe fahren, demonstrierten, wo sie in einigen Jahren gerne ihre Freizeit verbringen würden. Ob das Geld so gut angelegt wäre, darüber aber zeigten sie sich uneinig. Schließlich stünde erst einmal der Ausbau des Radewegenetzes an.

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