Ein kühler Schluck umsonst in Stuttgart

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Willkommene Erfrischung: Radfahrer Zsolt Metzner löscht am Victoria-Brunnen seinen Durst.  Foto: 

Der junge Mann mit dem Spitzbärtchen hält eine Kunststoffflasche unter den Hahn und bedient den Schwengel. Rasch füllt sich die Flasche. „Wird wohl Trinkwasser sein“, sagt der Mann und geht.

Darauf kann er sich verlassen. Das Wasser, das aus der verzierten Säule fließt, stammt aus dem städtischen Wassernetz. Es kostet nichts, sich zu bedienen. Und dennoch sieht man selten Leute, die sich am Victoria-Brunnen mit Wasser versorgen. Es ist einfach zu wenig bekannt, dass es in der Stuttgarter City Gelegenheiten gibt, seinen Durst zu löschen, ohne bezahlen zu müssen. Der Brunnen an der Kreuzung Calwer-/Büchsenstraße ist nur eine von zahlreichen Wasserstellen.

Man braucht nur 150 Meter weiter zu gehen. An der Ecke Lange Straße/Kronprinzstraße steht, versteckt hinter Glascontainern, eine weitere Brunnensäule, ebenso schön verziert wie jene in der Calwer Straße. 1977 ist der im Jahr 1900 entstandene Zuberbrunnen  an diesem Platz aufgestellt worden. Er gehört zu jenen Wasserstellen, in denen sich die Stuttgarter Bevölkerung in Notzeiten bediente.

Hundetränke am Boden

Brunnenmeister Bernd Sauer zeigt, wie der Brunnen funktioniert. Ein Druck auf den Knopf an der Seite und das Wasser fließt. Man muss wissen: Wenn an Stuttgarter Brunnen ein Schild mit der Aufschrift „Kein Trinkwasser“ fehlt, handelt es sich um trinkbares Wasser. Gastfreundliches Stuttgart: Es ist gewollt in der Landeshauptstadt, dass es im öffentlichen Raum Gratis-Trink-Gelegenheiten gibt.  Es wird nur nicht an die große Glocke gehängt.

Manche Trink-Gelegenheiten sind, wie der Zuberbrunnen, absolute Geheimtipps. Und wer weiß schon, dass man aus dem Hans-im-Glück-Brunnen getrost trinken kann? Das Wasser strömt rund um die Uhr in diesem schönen Brunnen, der 1909 von Professor Josef Zeitler entworfen worden ist, aus sechs Entenschnäbeln. Drüber steht der glückliche Hans aus dem Märchen der Gebrüder Grimm Hans mit einem goldenen Schwein zwischen den Beinen.

An der Westecke des Eberhardbaus, direkt neben einem Steakhaus, lädt der Hermes-Brunnen zum Trinken ein. In die Wand über dem Trog ist eine kauernde Gestalt mit Flügeln in den Händen eingelassen: Eben der griechische Götterbote Hermes, der auch der Schutzgott der Kaufleute war. Plötzlich kommt eine Taube herbeigeflogen, setzt sich auf den Lauf und hält geschickt ihren Schnabel in den Strahl.

Tiere wissen offenbar besser als die Menschen, wie man in der Stadt seinen Durst löscht, ohne 2,80 Euro für eine kleine Flasche Mineralwasser im Café ausgeben zu müssen. Am Victoria-Brunnen übrigens, der seinen Namen von der Stifterin hat, der gleichnamigen Versicherung, läuft das Wasser vom Becken in eine Hundetränke am Boden. Man sieht: Auch um das Wohl der Vierbeiner sorgt sich die Stadtverwaltung.

Der prächtigste Brunnen mit Trinkwasser für den Allgemeingebrauch steht in der historischen Markthalle: Der Ceres-Brunnen. Zwei Knaben flankieren die Göttin aus grünblauem Majolika . „Das ist ein Schmuckstück in der Markthalle“, sagt Sauer. Der Brunnen steht allerdings gar noch nicht so lange an der nördlichen Stirnseite der Halle.

Der Vorgängerbrunnen wurde während des Bombardements 1944 zerstört. 2007 schuf der Künstler Herbert Rauer eine Nachbildung, zahlreiche Prominente und Bürger der Stadt taten sich zusammen und spendeten das Geld dafür.  Auf Kacheln sind die  Namen der Spender verewigt.

Zunächst war der Brunnen an einen Tiefbrunnen angeschlossen. So auch der Marktbrunnen vor dem Rathaus. Als Gesundheitsbeamte in dem Wasser jedoch gesundheitsschädliche Bakterien entdeckten, verlor der Marktbrunnen seine Trinkwassereigenschaft. Der Ceres-Brunnen hingegen wurde an das öffentliche Wassernetz angeschlossen.    „Dass ein Brunnen in der Markthalle keine Trinkwasserqualität hat, das geht nicht“, sagt Brunnenmeister Sauer.

Eine ältere Kundin tritt an den bronzenen Hahn und benetzt Gesicht und Hände. Auch dafür ist das Wasser des Ceres-Brunnen geeignet.

Die Suche nach Trinkbrunnen fällt in Bad Cannstatt leichter als in der Stuttgarter City. Zwölf sind in der Kurstadt verteilt. Und das Besondere: Diese Brunnen werden alle von Mineralquellen gespeist. Das Wasser zeichnet sich durch hohen Gehalt an Magnesium und Calcium aus. Der Wilhelmsbrunnen liegt gleich hinterm Kursaal.

Beim Wasser des Lautenschlägerbrunnens in den Kursaal-Anlagen handelt es sich um ein staatlich anerkanntes Heilwasser mit der Bezeichnung Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Hydrogencarbonat-Säuerling. Die Figur des Erbsenbrünneles stellt den Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Knabenalter dar. web

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