Der Friedhof lebt vom Erdgrab

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Auch zum Grab der Laiblins führt einer der Rundgänge am Friedhofstag.  Foto: 

Eine Werbekampagne für Erdgräber? Was sich aufs Erste befremdlich anhört, hat auf den zweiten Blick durchaus seine Berechtigung. Denn der Anteil der Beisetzungen in Urnen hat auf dem Pfullinger Friedhof mittlerweile die 60-Prozent-Marke erreicht. Das hat zwar Vorteile, weil Urnen platzsparend sind. Es hat aber auch Nachteile. „Denn gerade von den Erdgräbern lebt ein Friedhof“, sagt der städtische Ordnungsamtsleiter Manfred Wolf. Es sind die Grabsteine und die gestalteten Felder, die den Ort der Ruhe prägen. Ein Bild, das sich nach und nach ändern wird, wenn die Zahl der Erdbestattungen weiter sinkt. Die Idee von Friedhofsverwalter Simon Sander kam der Stadt deshalb wie gerufen: Wir brauchen eine Art Messe, bei der sich die Leute informieren können. Einen Friedhofstag eben. Und der soll nun in der kommenden Woche am Samstag, 14. Oktober, sein.

„Wir wollen der Bevölkerung die Grabarten, die wirklich sehr vielfältig sind, nahebringen“, sagt Manfred Wolf. Weshalb sich beim Friedhofstag, der unter der Überschrift „Ein friedlicher Ort, der viele Geschichten kennt“ steht, auch vier Steinmetze aus der Region präsentieren werden. Sie haben zusammen mit Pfullinger Gärtnern eine Mustergrabausstellung angelegt, „die Anregungen zur Gestaltung und Pflege“ geben soll, wie es in der Info-Broschüre heißt, die die Stadt extra für die Messe am 14. Oktober herausgegeben hat. Neben den Mustergräbern, die langfristig zu sehen sein werden, wird es am kommenden Samstag auch eine Fotoausstellung in der Friedhofshalle geben mit bisher unveröffentlichten Burgemeister-Aufnahmen, die die Entwicklung der Pfullinger Friedhofskultur dokumentieren. Das Programm, das um 14 Uhr beginnt, und zu dem unter anderem auch Ansprachen, Auftritte der Männergesangvereine von Liederkranz und Eintracht sowie eine Andacht gehören, wird aber auch geprägt durch einen Vortrag von Stadtarchivar Stefan Spiller, der sich mit Historischem und Wissenswertem zum Ort der Stille befasst. Derweil werden Vertreter des Nabu bei zwei kleineren Rundgängen die Bedeutung der Natur für den Friedhof erörtern und Stadtrat und Geschichtsexperte Martin Fink wird in zwei gut 40-minütigen Führungen über die historische Bedeutung einiger Gräber sprechen. Spiller und Fink waren es auch, die sich mit den ganz besonderen Grabstätten, um die es auch in der Broschüre geht, befasst haben.

Die letzten Ruhestätten der Landenbergers und der Laiblins gehören dazu genauso wie die von Theo Götz und Kurt App. Beim Friedhofstag, bei dem mehrere Info-Stände aufgebaut sein werden, treffen aber auch Vergangenheit und Moderne aufeinander. So wird die Kutsche aus dem Jahr 1884, mit der bisher vor allem die Ehrenbürger beigesetzt wurden, genauso zu sehen sein, wie es QR-Codes auf den Mustergräbern geben wird, anhand derer sich via Smartphone noch mehr Informationen ablesen lassen.

Die Vielfalt des Bestattungswesens darzustellen, das ist allerdings nur eines der Anliegen, das die Macher des Friedhofstags haben. Das andere Ansinnen ist es, „den Friedhof stärker ins Bewusstsein der Menschen zu holen, ihn auch als Spiegel der Kulturgeschichte zu sehen“, wie es der Stadtarchivar ausdrückt. Deshalb, so Manfred Wolf, soll der Friedhofstag auch keine Eintagsfliege bleiben. Er wird künftig alle zwei Jahre sein.

Das Programm beginnt um 14 Uhr. Den Auftakt macht der Männergesangverein Liederkranz. Um 14.10 Uhr ist die Begrüßung durch den stellvertretenden Bürgermeister Martin Fink, um 14.20 Uhr gibt es „Historisches und Wissenswertes zum Friedhof“. Referent ist Stefan Spiller, Archivar. Ein weiterer Vortrag folgt um 15 Uhr zur Bestattungsvorsorge. Referent ist Christoph Keldenich, Aeternitas e. V. Um 16.50 Uhr tritt der  Männergesangverein Eintracht Pfullingen 1904 e.V. auf und um 17 Uhr ist eine gemeinsame Andacht mit Pfarrer Hans-Martin Fetzer. Um  17.10 Uhr macht der Männergesangverein Eintracht den Abschluss.

Eine  Mustergrabausstellung ist ebenfalls geplant. Die Pfullinger Gärtner und Steinmetze aus der Region haben Mustergräber angelegt. Eine große Fotoausstellung ist in der Friedhofshalle mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen zur Entwicklung der Pfullinger Friedhofskultur (Bildquellen: Foto A. Burgemeister).

Für Rundgänge und  Führungen ist der Treffpunkt am oberen Friedhofseingang. In einer etwa 40-minütigen Führung über den Friedhof informiert Stadtrat Martin Fink um 15.10 Uhr und um 16 Uhr über die Geschichte des Friedhofs, aber auch über die historische Bedeutung mancher Gräber. Die Natur im Friedhofsbereich nimmt einen besonderen Platz ein, den die Vertreter des Nabu bei zwei Rundgängen ab 14.45 Uhr und um 15.20 Uhr zeigen.

Die Kinderbetreuung ist im Mitarbeiterraum der Friedhofsverwaltung.

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