Wenn die kreative Ader brodelt
Reutlingen. Die Kunst, Kunst zu schaffen, vermittelt HWP Diedenhofen in seiner Bildhauerschule in der Wörthstraße. Seine Workshops sind gut besucht und helfen den Teilnehmern, ihre Eingebung in die Tat umzusetzen.
Die kreative Ader brodelt. Und irgendwie muss das, was da schon lange als Idee im Kopf herumwabert, irgendwie in feste Formen gebracht werden.
Doch meist scheitert der Schritt von der Idee zur künstlerischen Form an der Umsetzung. Denn wie soll der Gedanke in Stein oder Holz gehauen werden, um genau das auszudrücken, was der Erschaffer vermitteln will?
All denjenigen, die immer schon mal wollten, aber bisher nicht konnten, steht HWP Diedenhofen zur Seite. Schließlich hat der das künstlerische Handwerk nicht nur von der Pike auf gelernt. Er unterrichtet auch seit mehr als 20 Jahren angehende Künstler, Kunstinteressierte oder Kreative auf dem Weg ihrer Weiterentwicklung und zeigt künstlerisch noch gar nicht Beschlagenen ihren Weg zur Selbstverwirklichung.
Vor einem Jahr hat Diedenhofen deshalb auch die Bildhauerschule Reutlingen ins Leben gerufen und bietet in der Wörthstraße unter anderem Workshops in den Bereichen Stein und Holz an. Und da spielt es keine Rolle, ob jemand seine ersten Gehversuche unternimmt oder mit seinen Arbeiten weiter vorankommen möchte. Denn es wird jeder, so der Künstler und Kunsttherapeut, ganz persönlich betreut.
Weil der Bereich Holz aber außerordentlich gut nachgefragt ist, werden in der Bildhauerschule auch schon mal die Elektrosägen geschwungen. Und während bei manch einem Kursteilnehmer eher ein Holztisch im Mittelpunkt des Schaffens steht, der mehr funktional als künstlerisch wird, ist beispielsweise die Reutlingerin Ira Schölkopf mit ihrer Kettensäge schon derart auf Du und Du, dass sie das Schwert gezielt übers Holz gleiten lässt und ihrem hölzernen Hahn nach und nach die gewünschte Form verleiht.
"Die Tipps, wie man etwas angeht", erklärt Schölkopf, seien ihr besonders wichtig gewesen. Wobei sie nach den ersten Versuchen mit der Kettensäge nun eine neue Möglichkeit zur Umsetzung ihrer Arbeiten gefunden habe. Trotzdem: "Die Säge ist Nebensache", meint HWP Diedenhofen weiter. Vielmehr gehe es in seinen Workshops letztlich um eine Art Dialog mit dem Material, woraus fast schon so ganz nebenbei eine Idee entstehe.
Dennoch möchte der Künstler seine Workshop-Teilnehmer didaktisch ans jeweilige Thema heranführen und leitet sie zusätzlich anhand ihrer Ideen an. Dementsprechend würden viele auch "mit einem Ergebnis nach Hause gehen, von dem sie selbst überrascht sind", sagt Diedenhofen weiter. Dabei sind es die unterschiedlichsten Menschen, die sich für einen seiner Kurse anmelden. Von angehenden Kunststudenten, die sich auf ihre Hochschulzeit vorbereiten, über die Hausfrau, die sich selbstverwirklichen möchte, bis hin zum Rentner, der Abwechslung zu seinem bisherigen Verein sucht, sei alles vertreten. Und da habe eben jeder ein gewisses und sein ganz eigenes Talent, mit dem er etwas in die Realität umsetze.
Weshalb Diedenhofen seine Bildhauerschule in Reutlingen und nicht in seiner früheren Heimatstadt Stuttgart eröffnet hat, erklärt er so: "Reutlingen ist überschaubar und gut gelegen." Außerdem habe er hier seinen Freiraum. In den ganz großen Metropolen wie beispielsweise Berlin verspüre er hingegen eine Art Unfreiheit. Und Stuttgart, so der Künstler, sei ihm mittlerweile schlicht zu nervig, zu laut und habe für ihn von allem irgendwie zu viel.
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Autor: JAN ZAWADIL | 30.08.2011
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Der Künstler und Kunsttherapeut HWP Diedenhofen zeigt beim Workshop, wie beispielsweise eine Holzskulptur angegangen wird. Fotos: Jan Zawadil
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