Unmut am Runden Tisch
Reutlingen. Es rumort in der Kulturszene. Der Stadthallen-Geschäftsführer wollte am Runden Tisch die Mietpreise nicht offenlegen. Und die Vereine murren, weil sie in Buchungsfragen bei zwei (!) Ämtern anklopfen müssen.
Seit langem herrscht Unmut bei vielen Kulturschaffenden. Knapp ein Jahr vor Eröffnung der Stadthalle im Januar 2013 sei es allerhöchste Eisenbahn, endlich die Mietpreise der Stadthalle offenzulegen, finden sie.
Entsprechend groß war die Empörung am Mittwochabend, als Stadthallen-Geschäftsführer Volker Schmidtke beim Runden Tisch Kultur erneut eine ausführliche Offenlegung der intern endlich vorliegenden Mietpreisstaffeln verweigerte.
Auf beharrliche Nachfragen vor allem von Heide Arnold (Philharmonie-Freundeskreis) wollte er nur so viel preisgeben: Der große Saal koste - ohne Beleuchtung und Technik - 500 Euro. Eine Angabe, die den Unmut vieler Kulturschaffender (Zwischenruf: "Quatsch") nicht besänftigen konnte. Nach oben hin, so Schmidtke, seien bis ins Fünfstellige viele Varianten möglich.
Dabei gibt es längst konkrete Zahlen: Ein Veranstalter legte unserer Zeitung eine Mietkosten-Kalkulation der Stadthalle für einen geplanten Kleinkunst-Abend 2013 vor - und die beläuft sich auf rund 9000 Euro (davon etwa 3000 Euro allein für Aufbau). Dafür, hieß es im Publikum, ließe sich die Liederhalle zwei Mal buchen. Doch Schmidtkes Position ist die: "Es gibt keine Festpreise". Bei den Stundenlöhnen sei die Stadthalle jedenfalls günstiger zu haben als etwa die konkurrierende Filharmonie Filderstadt.
Um endlich konkrete Zahlen zu bekommen, erinnerte Moderatorin Edith Koschwitz noch einmal an eine Forderung des Runden Tischs von Anfang 2011: Die Hallen-GmbH solle Mietkosten-Voranschläge für typische Belegungsarten anbieten - etwa für eine VHS-Veranstaltung, ein Kammerkonzert und einen Alpenball. Doch Schmidtke wollte dies auch am Mittwoch nicht nachliefern. "Jetzt sind wir soweit wie vor einem Jahr", kommentierte Heide Arnold unter Beifall.
Unzufriedenheit gab es auch in einem weiteren Punkt: Jedem Verein steht zwar ein "Wunsch- und Wahlrecht" zu, einmal pro Jahr die Stadthalle grundsätzlich mietfrei zu buchen. Doch eine "Grundmiete" existiere nicht, wiederholte Schmidtke. Und das Kulturamt weiß noch nicht, wie weit die Stadt auch zusätzliche Nebenkosten fördern wird. Zudem musste Kulturbürgermeister Robert Hahn einräumen, dass man hier noch auf Zusagen des Amts für Wirtschaft und Immobilien warte.
Dass Vereine, um eine Halle zu buchen, bei zwei Ämtern nachfragen müssen, sei denn doch gewöhnungsbedürftig, monierte sinngemäß Rainer Kurze vom Naturtheater. Bevor die Verwirrung vollends überhand nahm, versuchte Hahn zu beschwichtigen: Immerhin, sagte er, sei eine entsprechende Beschlussvorlage von Finanzbürgermeister Peter Rist "in der Mache".
Schmidtke gab auch keinen konkreten Ausblick auf Veranstaltungen 2013 - als Beispiel nannte er nur eine Belegung durch den SWR, der mit seiner überall gastierenden Reihe "Pop & Poesie" 2013 eine Zwischenlandung auch in der Reutlinger Stadthalle plane.
Zur Einjahresbilanz der GmbH-Arbeit versuchte es Schmidtke mit Ironie: "Wir sind nicht gestorben, wir waren 2011 auch nicht im Dornröschenschlaf." Er habe mittlerweile zwölf Mitarbeiter eingestellt. Und sein Team sei "da, wo wir hiwollten". Rund 200 Anfragen und Optionen seien eingegangen, berichtet Schmidtke: "Das Telefon steht den ganzen Tag nicht still."
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Autor: OTTO PAUL BURKHARDT | 09.02.2012
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Rund 200 Anfragen und Optionen vermeldet Volker Schmidtke, der Geschäftsführer der Stadthallen-GmbH.
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