"Mitmachbürger" statt "Wutbürger" im Land

Reutlingen.  "Stuttgart 21" scheint durch zu sein: Und so ging Tanja Gönner nur am Rande darauf ein. Beim Neujahrsempfang der CDU mit über 250 Besuchern ging es dann auch um "Mitmachbürger" statt um "Wutbürger".

Über ein "in dieser Form völlig unerwartetes Wirtschaftswachstum" freute sich beim CDU-Neujahrsempfang deren Staatssekretär im Sozialministerium des Landes, Dieter Hillebrand, seines Zeichens auch Reutlinger Stadtverbandsvorsitzender. Auf zwei Etagen verteilten sich die über 250 Gäste, ins Obergeschoss wurde per Videoleinwand übertragen.

Eingeladen als Gastrednerin war heuer die Parteifreundin Tanja Gönner, die als Landesministerin zuständig ist für Umwelt, Naturschutz und Verkehr. Letzteres hatte der 40-jährigen Juristin, die aus Sigmaringen stammt, im Vorjahr bundesweite Publizität eingebracht. Denn sie saß zusammen mit der Bahn AG und ihrer CDU/FDP-Landesregierung in der Schlichterrunde zu "Stuttgart 21", stand gerade für das Immobilien- und Bahnprojekt.

"Ich freue mich, dass ich Dich, Hermann Schaufler, als Ur-Opa habe", sagte sie eingangs kokett, denn auch der Ex-Minister war mit dabei und gehörte zu den politischen Ziehvätern der Ministerin, die von Hillebrand "das Nesthäkchen im Kabinett" genannt wird.

Zuvor aber lobte Hillebrand das bürgerschaftliche Engagement in Reutlingen, wobei er gesondert auf die Eigeninitiative bei der Sanierung der Oferdinger Kulturscheune einging. Zudem ließ der Christdemokrat auch Muslime in der Stadt nicht unerwähnt. Die Jugend der islamischen "Ahmadiyya Muslim Yamaat" sei zu loben für deren Putzaktionen am Neujahrsmorgen.

Nach den Harfenklängen von Anna Zirngibl von der Musikschule der VHS Reutlingen kam Gönner zu ihrem eigentlichen Thema: "Innovation in Baden-Württemberg". Seit dem Jahr 2000 ist sie Mitglied des CDU-Bundesvorstands und zurzeit noch das jüngste Mitglied im Bundesrat, der Länderkammer. Im Gegensatz zu "Stuttgart 21", wo der Bahnhof ja nach unten verlegt werden soll, "bin ich, was den VfB Stuttgart angeht, bekennender Oben-bleiben-Fan", so Gönner, was sie sich auch für die Wirtschaft in Baden-Württemberg wünscht.

Es dürfe nicht vergessen werden, dass das Land einmal arm angefangen habe - heute aber die meisten Patentanmeldungen in Deutschland habe. Gut sei es im Hinblick des weiteren Vorankommens gewesen, dass in der Wirtschafts- und Finanzkrise Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich gut verstanden hätten. Die erweiterte Kurzarbeit in dieser Zeit habe dem Wohle aller gedient.

Gönner verwies auch auf die "herausragenden Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen" in der Region, erwähnte namentlich die Wirtschaftswissenschaftler der ESB in Reutlingen und die Universität Tübingen. Für die Infrastrukturpolitik im Innovationsland indes müsse noch viel geleistet werden, vor allem für leistungsfähige Internet-Anschlüsse im ländlichen Raum.

In Sachen Energiepolitik, so die Umweltministerin, sei es wichtig, die erneuerbaren Energien zu fördern. Dabei müsse jedoch auch daran gedacht werden, die notwendigen Netze hierfür zu schaffen, die eine Menge Geld kosteten. Mit Blick auf die Infrastruktur freut sie sich "schon heute darauf, den Reutlinger Scheibengipfeltunnel" eröffnen zu dürfen". Schwieriger werde es da schon mit dem Albaufstieg.

Abschließend kam Andreas vom Scheidt als CDU-Fraktionsvorsitzender im Reutlinger Gemeinderat auf Planungen in der Innenstadt zu sprechen. Ob man weiter Geld in Sanierungen von Verwaltungsgebäuden im Bereich Marktplatz stecken sollte, stellte er in Frage, da es ja durchaus Alternativen geben könnte.


Kommentare (3)

12.01.2011 00:21 Uhr |   ares

Net aufrega, bald semr se los

Das Nesthäckchen Gönner hat auf ganzer Linie versagt.
Keine eigene Meinung, fachlich unterirdischer als ihr Wunschbahnhof, Verkehrschaos bei der Eisenbahn im Winter.
Mehr Schlaglöcher als Straße auf den meisten Landesstraßen.
Das einzige was bei der CDU noch an Verkehr funktioniert sind anscheinend die Propaganda-Reisen im Wahlkampf.
Wer diese Dame noch mal wählt, muß dringend psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.
10.01.2011 21:19 Uhr |   HaJo

Wutbürger sind die wahren Mitmachbürger

Die sogenannten Wutbürger (eigentlich ein saudummer Begriff!!) sind offensichtlich die Einzigen, die tatkräftig ihre Zukunft gestalten wollen. Das ist aber nicht erwünscht. Die von Frau Gönner gewollten Mitmachbürger sind in Wahrheit st(d)ummes Stimmvieh, das frißt, was die Politiker und ihre hochbezahlten Berater für gut halten - gut für wen??
10.01.2011 14:02 Uhr |   spasvogel

Dumme Mitmachbürger sind erwünscht

Ja Frau Gönner, vielleicht begreifen Sie das mal: Wenn man denkt man kann die Schwaben für dumm verkaufen, verwandeln Sie sich vom Mitmachbürger zum Wutbürger. Und denken Sie an das alte Sprichwort: Wer (Bau)Gruben gräbt, fällt selbt herein.

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Autor: JÜRGEN HERDIN | 10.01.2011

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