Ein Preis für die Solidarität

Mit der Nakba-Ausstellung zur Flucht und Vertreibung der Palästinenser hat Ingrid Rumpf mittlerweile europaweit für Aufsehen gesorgt. Nun bekommt sie für ihr Engagement den Palästina-Solidaritätspreis.

EVELYN RUPPRECHT | 1 Meinung

Der Preis, den die Palästinensische Gemeinde Deutschland (PGD) im Jahr 2012 ins Leben gerufen hat, wird erst zum zweiten Mal verliehen. Und: Er geht in diesem Jahr nach Pfullingen, wo die Vorsitzende des Tübinger Vereins "Flüchtlingskinder im Libanon" lebt. Der Einsatz von Ingrid Rumpf für "Gerechtigkeit und Frieden", ihre Arbeit in dem Verein und die Tatsache, dass sie die Nakba-Ausstellung konzipiert hat - all das möchte die PGD am Sonntag, 23. November, mit der Verleihung des Solidaritätspreises im historischen Gemeindesaal von Bad Godesberg würdigen.

"Natürlich freut es mich, dass ich den Preis bekomme", sagt Rumpf. Weil's einerseits eine Anerkennung dafür sei, dass sie die Nakba-Ausstellung gemacht hat, anderseits sind auch die 2000 Euro, mit denen der Preis dotiert ist, ihr mehr als willkommen für die Vereinsarbeit.

Die Ausstellung, die seit dem Jahr 2008 an 124 Orten zu sehen war, und die sich mit der Flucht und der Vertreibung von etwa 700 000 arabischen Palästinensern im Jahr 1948 befasst, ist eigentlich erst vor vier Jahren so richtig ins Licht der Öffentlichkeit gerückt - als die Kritik daran immer lauter wurde. Sie sei propagandistisch, einseitig und geschichtsverfälschend, hieß es unter anderem von Seiten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Es sei "eine absolut perfide Instrumentalisierung des Nahost-Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern auf Basis einer geschichtsverfälschenden Darstellung", befand Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelischen Kultusgemeinde München. Kritik, mit der Ingrid Rumpf gut umgehen kann. Denn: Die Dokumentation zur Vertreibung der Palästinenser ist nicht nur bundesweit zu sehen gewesen, sondern es gibt inzwischen auch eine französische und eine englische Version der Ausstellung, die seit Ende Februar auch im EU-Parlament in Straßburg gezeigt wird. Ende dieses Monats gar wird die "Nakba" bei den Vereinten Nationen in Genf eröffnet. Was, so Rumpf, ihrer Arbeit denn doch eine gewisse Seriosität verleihe.

"Zumal gerade die Kritik die Ausstellung bekannt gemacht hat", weiß die Pfullingerin, die den Solidaritätspreis auch deshalb so gern in Empfang nimmt, weil sie "mit der Ausstellung ja auch schon viel Ärger" hatte. Und: Weil, seit die "Nakba" wieder mehr Schlagzeilen macht, auch die Spendenbereitschaft zugenommen hat.

Seit Rumpf den Verein 1996 mitbegründet hat, sind gut zwei Millionen Euro in die Projekte geflossen. Geld, das nicht nur von den 250 Mitgliedern kommt, die zur Hälfte aus dem Raum Stuttgart-Tübingen-Reutlingen sind, sondern vor allem von privaten Spendern, die die verschiedenen Hilfsmaßnahmen unterstützen wollen.

Das Schicksal der Palästinenser, die in den Libanon geflohen sind - mittlerweile sind es etwa 400 000, und ihr Anteil an der Bevölkerung liegt derzeit bei elf Prozent - bewegt Rumpf seit den 80er Jahren. Damals hat sie im Freundeskreis Asyl in Pfullingen mitgearbeitet und ist so auf den Bürgerkrieg im Libanon und die Geschichte der Menschen, die seit 1948 aus dem früheren britischen Mandatsgebiet Palästina vertrieben wurden, aufmerksam geworden. An Pfingsten 1994 reiste die Pfullingerin zum ersten Mal in den Libanon - und beschloss, mit Hilfsorganisationen vor Ort zusammenzuarbeiten. Mit Projekten wie dem Bau und der Ausstattung von sozialen Zentren, mit Bildungsangeboten und Nachhilfekursen für Grundschüler, mit medizinischer Versorgung, Patenschaften und Ferienfreizeiten - um nur einige Initiativen zu nennen- ist der Verein Flüchtlingskinder vor Ort aktiv.

Das nächste Mal wird Ingrid Rumpf im kommenden Januar für eine Woche in den Libanon reisen und sich dort mit den Leitern der Zentren und den Sozialarbeitern treffen. Leute, die sie schon irgendwie vermisst, "weil ich sie das ganze Jahr noch nicht gesehen habe."

Dass Rumpf der Preis, den sie am Sonntag bekommt, motiviert, noch mehr über die Probleme der Palästinenser zu informieren, dass sie deren Anliegen noch mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken möchte, das versteht sich beinahe von selbst. Und die umstrittene Nakba-Ausstellung? Läuft und läuft und läuft. Und wird mit jeder kritischen Schlagzeile noch ein bisschen bekannter.

1 Kommentar

18.11.2014 16:41 Uhr

Preis für Frau Rumpf in Sachen Nakba-Ausstellung

Nun, während der Nazizeit wurden auch Leute ausgezeichnet, die sich gegen die Juden hervortaten. Nun ist es Frau Rumpf, die mit einem irreführenden, lügenhaften Produkt gegen Israel hetzt, mit einer Ausstellung, die von Unwahrheiten und Geschichtsklitterung strotzt. Die Ignoranz der Menschen bezüglich Israel verhilft einer solchen Ausstellung leider zum zwielichtigen Erfolg.
Obwohl genug Platz in Palästina, bekämpften die Araber die auf dem rechtsgültigen Völkerbundmandat von 1922 basierende Einwanderung der Juden resp. ihren Staat seit Anbeginn! 1947 scheiterte der UNO-Teilungsplan am Nein der Araber. Die Ausstellung ignoriert die Konsequenzen, auch die zunehmenden Feindseligkeiten der Araber, die am 15.5.48 mit 5 Armeen Israel angriffen, - und eigentliche Verursacher des Flüchtlingsproblems sind. Viele flüchteten, weil von arabischen Stellen dazu aufgefordert, wie z.B. in Haifa (in der Ausstellung falsch dargestellt). Falsch auch die Aussage zum Selbstbestimmungsrecht, das 1922 rechtlich nicht existiert hatte. Nirgends erwähnt werden die 800,000 Juden, die damals aus arabischen Ländern flüchteten.

Kein Thema sind auch die Erziehung zum Hass gegen Israel und die nie geänderten Satzungen der PLO und der Hamas, die zur Vernichtung Israels aufrufen! Warum wohl Checkpoints, Schutzzaun und Schutzmauer? Sie sind notwendig als Schutz gegen palästinensische Attentäter.

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