Bundesverband fragt an

Reutlingen.  25 Prozent der Tagesmütter im Kreis Reutlingen - insgesamt sind es 450 - sind Migrantinnen. Das Projekt "Sprache und Integration" trägt dem Rechnung. Das Spendenparlament fördert dieses Projekt.

Insgesamt gibt es im Kreis mittlerweile 450 Tagesmütter (TM), die mehr als 800 Kinder betreuen. Rund ein Viertel dieser "Mütter auf Zeit" wie auch etwa 25 Prozent aller von ihnen betreuten Kinder haben einen so genannten Migrationshintergrund. "Bei der Einstiegsqualifikation wird oft schnell klar, dass die Frauen zwar viel Erfahrung und Kompetenz mitbringen, aber einige auch Sprachprobleme haben", sagt die Sozialpädagogin Klaudia Niepenberg. Sie ist beim Tagesmütter-Verein für Fachberatung, Vermittlung, Qualifizierung wie auch für das Projekt "Sprache und Integration" zuständig.

Dieses Projekt wurde entwickelt, um die Frauen mit Migrationshintergrund für die Arbeit als Tagesmutter zu qualifizieren. "Ein Kriterium der deutschen Sprache gab es bisher in unserer Ausbildung nicht", so Niepenberg. Deshalb wurde das neue Projekt zur Schulung der späteren Tagesmütter entwickelt, ein Antrag bei der Paul-Lechler-Stiftung gestellt und die Förderung bewilligt. Die Idee, die ebenfalls dahintersteckte: "Es kommen viele Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Ländern hierher, deren Berufe bei uns nicht anerkannt werden", sagt Anne Mack, Geschäftsführerin des TM-Vereins. "Sie fallen hier durchs Raster und können als Tagesmutter eine Chance erhalten."

Im Oktober startete die erste Gruppe unter dem Titel "Sprache und Integration" mit 13 Teilnehmerinnen - mit und ohne Migrationshintergrund. In den Unterrichtseinheiten ging es nicht allein um die sprachliche Fortentwicklung, sondern auch darum, die unterschiedlichen Blickwinkel aller zu verdeutlichen, andere kulturelle wie auch pädagogische Sichtweisen herauszufinden. Und natürlich beschäftigten sich die Teilnehmerinnen auch mit Vorurteilen - die jede mit sich herumträgt. "Öfter waren die eigenen Diskriminierungserfahrungen ein Thema", sagt Niepenberg. "Da kam bei den Frauen ganz viel hoch." Musliminnen mit Kopftuch berichteten über ihre Erfahrungen, aber auch deutsche Frauen über ihre Bedenken. Alle Teilnehmerinnen hätten berichtet, dass sie diesen Austausch als bereichernd empfanden. "Alle haben gesagt, dass sie jetzt sensibler und offener geworden sind", berichtet die Sozialpädagogin.

Bedenken sind aber nicht nur unter Tagesmüttern zu finden, "wenn es um die eigenen Kinder geht, werden Vorurteile sehr real", sagt Anne Mack. Schnell habe sich gezeigt, dass nicht nur in dem Projektkurs einiges bewegt wurde: "Dadurch, dass das Thema jetzt bei uns Raum hat, bewegt sich auch im Verein einiges", betont Klaudia Niepenberg. Um die positiven Ergebnisse des Projekts "Sprache und Integration" weiterzugeben, um auch zusätzliche Tagesmütter mit Migrationshintergrund zu finden und zu animieren, soll ein "Begegnungs-Café" den im Oktober begonnenen Kurs abschließen. Gleiches gilt auch für die drei weiteren Kurse, die 2012 noch gemacht werden. "Die Idee ist, dass sich Eltern und Tagesmütter in diesem Café begegnen und sie alle zu einer größeren Offenheit kommen", so Niepenberg.

Besonders die Vielfalt der Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern soll dargestellt werden. Der erste Café-Termin ist am 20. Januar, "da wollen wir erst mal Erfahrungen sammeln, auswerten und sehen, was wir damit machen können", betont Mack. Im Übrigen wird die Organisation des Cafés vom Reutlinger Spendenparlament finanziell unterstützt. Dass dieses Projekt mitsamt dem "Begegnungs-Café" als Schlusspunkt schon jetzt weit über Reutlingen hinausstrahlt, beweist ein Umstand: "Der Bundesverband der Tagesmütter hat schon deswegen bei uns angefragt", sagt die Vereins-Chefin.


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Autor: NORBERT LEISTER | 05.01.2012

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