Wertschöpfungskette innerhalb der Region ausbauen

Gestern fiel der Startschuss für das Projekt "Bio-Rindfleisch von der Alb". Gesucht werden Landwirte, die Bullen-Kälber mästen und so extensives Grünland nutzen. Initiator ist die Firma Feneberg aus Kempten.

|
Die Mast von Bio-Rindern soll auf der Alb für eine bessere regionale Wertschöpfung sorgen. Initiator für das Projekt ist der Kemptener Lebensmittel-Einzelhändler Feneberg. Foto: Feneberg

Als regionales Lebensmittel-Einzelhandelsunternehmen ist die Firma Feneberg aus Kempten im Allgäu zwischen München und Ulm mit derzeit 61 Filialen am Markt vertreten, dazu kommen weitere 14 etwas kleinere "Kaufmärkte", die ebenfalls zum Unternehmen gehören. Um gegen die Konkurrenz der großen Discounter bestehen zu können, setzte die Firma bereits Ende der 90er Jahre auf Regionalität und Qualität, nicht zuletzt durch den Aufbau einer eigenen Marke unter dem Namen "Von hier". Insgesamt erzeugen 600 Landwirte im Allgäu die Produkte in dieser Linie, erläuterte Geschäftsführer Hannes Feneberg gestern Nachmittag im Pressegespräch. Hinzu kommen auf der Seite der Fleischerzeugung die Marken "Prima Rind" mit 200 Vertragsbetrieben und "Prima Kalb" mit 30 Erzeugern.

Genau hier setzt das neue Projekt an. Nach dem Einstieg der Firma Feneberg bei der Traditionsmetzgerei Dietz aus Schopfloch mit ihren zwölf Filialen im Großraum Esslingen, auf den Fildern und in Stuttgart, soll nun dort das Bio-Rindfleisch von der Alb vermarktet werden. Den Bedarf taxieren die Initiatoren auf rund 1000 Tiere und damit etwa 50 Betriebe, die sich beteiligen können.

Die freilich gilt es zunächst ausfindig zu machen. Dies wertete Projektleiter Dr. Daniel Weiß als "große Herausforderung". Die Landwirte verpflichten sich vertraglich zur Erzeugung von Bio-Rindfleisch auf extensivem Grünland. Der Ertrag wird bei 4,50 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht liegen. Dafür gilt es "R-Qualität" mit einem mittleren Fettanteil abzuliefern. "Die Landwirte sollen auf einen Stundenlohn von 15 Euro kommen und eine ordentliche Verzinsung für ihr Betriebskapital erhalten", erläuterte Weiß weiter. Diese Eckdaten wurden bei der Aufstellung einer Kostenkalkulation festgelegt.Lieferung und Abnahme werden vertraglich langfristig geregelt. Um das Projekt zu einem Erfolg zu führen, setzt Berater Ernst Wirthensohn auf den Aufbau eines Netzwerkes. Dazu gehören Mutterkuhhalter, die ihre "Absetzer" - also Kälber oder Jungrinder - an Rindermastbetriebe verkaufen oder diese selbst mästen, Biomilchviehhalter, die Kälber verkaufen und die eigentlichen Rindermastbetriebe sowie der Schlachthof. Derzeit landet das Gros der Bio-Kälber in der konventionellen Mast in Italien oder Holland. Das bedeutet für die Region einen Verlust an Wertschöpfung. Mit im Boot sitzen zudem die Anbauverbände im Bio-Bereich, die Rinderunion Baden-Württemberg, das Landwirtschaftsamt Balingen sowie die Marketinggesellschaft des Landes.

Neben der Gewinnung von Landwirten, die sich beteiligen, soll eine Kälberbörse als Verkaufsplattform eingerichtet werden. Betriebe, die mitmachen wollen, können sich beraten lassen und es wird eine Schlacht- und Transportkette bis zum Verkauf in den Filialen der Metzgerei Dietz aufgebaut. Letztlich lassen sich mit dem Projekt auch extensive Grünlandflächen ökonomisch bewirtschaften.

Positiv bewertete gestern Ministerialdirektor Wolfgang Reimer vom Landwirtschaftsministerium das Projekt. Die Nutzung des Grünlands für die Fleischerzeugung binde keine anderen Flächen zur Futtermittelgewinnung. Obendrein lasse sich so die Kulturlandschaft pflegen, ohne Förderprogramme einzusetzen. Für die kleinteilige Landwirtschaft in Baden-Württemberg sei dies eine Chance, sich mit regionaler Qualität auch aus der Mithaftung für Lebensmittelskandale zu verabschieden, so Reimer. Um den Verbraucher vom Produkt zu überzeugen, müsse die komplette Erzeugung und Vermarktung regional nachvollziehbar sein.

Für den Kreis Reutlingen sieht der Kreisbauernvorsitzende Gebhard Aierstock jedoch kein allzu großes Potenzial. Erforderlich sei eine Weidehaltung an 100 Tagen und dafür fehle es an geeigneten Flächen.


Bio-Rindfleisch von der Alb

Für das Projekt sind zwei Informationsveranstaltungen geplant: Am Dienstag, 26. März, gibt es um 17 Uhr einen Vortrag sowie die Besichtigung eines Mutterkuhbetriebs in Altheim (Donaustraße 83). Am Freitag, 5. April, gibt es um 19.30 Uhr im Brielhof in Hechingen einen Informationsabend. Landwirte, die sich eine Beteiligung vorstellen können, wenden sich an Projektleiter Daniel Weiß, Telefon: 0 81 61/4 96 58 70.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bäderförderverein übergibt Scheck

Es ist ein fester Tagesordnungspunkt in der letzten  Sitzung im Jahr: Der  Münsinger Bäderförderverein übergibt dem Bürgermeister eine Spende. Diesmal 20 000 Euro. weiter lesen