Weiter mit Werkstatt-Deutsch

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Martin Putz schaut den Afghanen über die Schulter.  Foto: 

Das Image des Handwerks ist in den letzten Jahren ordentlich in den Keller gerutscht. So wirklich Lust darauf verspüren offensichtlich immer weniger, was tausende freie Lehrstellen beweisen. Handwerker werden dringend gesucht. Schweißtreibendes Schaffen für eine schlechte Bezahlung wird dem Handwerk nicht selten nachgesagt. Geburtenschwache Jahrgänge und der Trend, nach der Schule zu studieren, tun ihr Übriges dazu.

Abdulwolud, Nehmad, Schahabedin, Hussein und Mohamad Ali sehen das anders. Sie schätzen das Handwerk, wollen arbeiten und sind stolz auf das Produkt,  das sie nach getaner Arbeit vorweisen können.  Fünf von derzeit acht afghanischen Männern schaffen im Werkstattprojekt des Landratsamtes mit. Franz Tress stellt dafür auf dem Gelände von albgut die Räumlichkeiten zur Verfügung und unterstützt das Projekt auch finanziell.

In der ehemaligen Schreinerei wird jetzt wieder gehämmert, geschliffen, gebohrt und gestrichen. An alten Schulbänken der ehemaligen französischen Schule, die in den Werkstatträumen auch zur Vesperpause einladen, lernen die Männer unter anderem auch Werkstatt-Deutsch, das auf einem Flipchart in Dari, der Landessprache der Afghanen, übersetzt wird. Stecker, Dübel, Winkelschleifer oder Schraubzwinge, bedeuten für die Männer kaum noch Fremdwörter.

Angeleitet werden die arbeitswilligen Handwerker, die immer montags und dienstags für acht Stunden in die Werkstatt kommen, von Martin Putz. Der Maschinenbaumechaniker-Meister schaut den Schaffern stets über die Schultern, um zu sehen, wo die Stärken des Einzelnen liegen,  und  er gibt Tipps, wie manches besser oder anders gemacht werden kann. Teilweise mit im Team auch Schreiner Giovanni Luciani.

Sechs Monate lang können die Flüchtlinge auf die fachkompetente Unterstützung von Putz und Luciani zählen. Am Ende gibt’s dann eine schriftliche Beurteilung für jeden Einzelnen. Ein wichtiges Papier, das für die Männer später weit mehr wert sein kann, als momentaner Spitzenverdienst. Der „Verdienst“ der Projektteilnehmer bewegt sich nämlich im äußerst geringen Bereich. Putz betont jedoch, dass die geflüchteten Männer ganz bestimmt nicht als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden, sondern gezielt, mit der nötigen Zeit gefördert werden, um sich möglichst bald auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu behaupten.

Die Männer sehen es offensichtlich genauso, wie sich an ihrem engagierten Schaffen, welches von Putz immer wieder großes Lob erfährt, zeigt. Stolz zeigt Mohamad Ali auf den Palettenhubwagen, bei dem er kürzlich die komplette Hydraulik zerlegt und wieder zusammen gebaut hat, bevor er sich wieder einem neuen Werkstattwagen, den er aktuell zusammenschraubt zuwendet. Auch in Afghanistan hat der „Wahlmehrstetter“ bei der Firma Komatsu mit Hydraulikteilen gearbeitet.

Hussein und Nehmad, beide wohnen in Dottingen, schaben währenddessen mit Spachtel und Heißluftpistole alte Farbe von historischen Holztüren. Mit Krätzer, Nagel und Hammer machen sich derweil Schahabedin aus Bremelau und Nehmad, der auch in Dottingen wohnt, ans Werk, um letzte Farbspuren an einem alten Tor abzukratzen und lockere Beschläge fest zu nageln. „Demnächst werden in den Werkstatträumen dann Flyerständer entstehen“ verrät Putz und ergänzt, dass kürzlich Kinderbänkchen, die bei verschiedensten Sprachkursen im Rahmen der Flüchtlingsarbeit die Kleinsten zum Draufsitzen einladen entstanden sind.

Apropos Sprache: Hier hapert es bei den afghanischen Männern leider noch ein wenig. Ein Problem, das sich jedoch von Woche zu Woche bessert, denn neben der handwerklichen Chance nutzten die integrationswilligen Männer auch den Sprachkurs der ihnen angeboten wird.

von derzeit acht afghanischen Männern schaffen im Werkstattprojekt des Landratsamtes mit. Ihre Arbeitsstelle haben sie im albgut von Franz Tress, der das Projekt mitfinanziert.

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