Vom Leben eines Rockstars

|
 Andi Schnitzer plauderte über sein Leben als Rockstar.  Foto: 

Das nennt man zielstrebig: In der Abizeitung vor sieben Jahren hatte er Schlagzeuglehrer und Rockstar als Berufswünsche angegeben. Jetzt kam Andi Schnitzer erstmals wieder zurück an seine frühere Schule. Als Rockstar. Den Schlagzeuglehrer hat er momentan an den Nagel gehängt, diesen Beruf aber einige Jahre lang tatsächlich ausgeübt. Oder sollte es besser heißen, diesen Nebenjob. Denn das meiste Geld verdient er schon als Drummer seiner Band Kissin’ Dynamite.

Am Dienstagnachmittag war Schnitzer zu Gast im Gymnasium als Referent im Rahmen der Schülerakademie, die in diesem Jahr ihre erfolgreiche Premiere feiert. Erfolgreich, weil viele der Vortragsstunden ähnlich gut besucht sind wie die mit Andi Schnitzer, der immerhin mehr als 50 Schülerinnen und Schüler beiwohnten, freut sich Schulleiterin Kathrin Lehbrink.

Als Rockstar sieht sich Andi Schnitzer beileibe nicht. Dass der junge Mann trotz Konzerten vor zigtausend Menschen auf dem Boden geblieben ist, davon konnten sich die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer, unter die sich eine erstaunlich große Anzahl von Lehrern gemischt hatte, überzeugen. Keine Starallüren, keine Extrawünsche, keine arroganten Antworten: Der Münsinger, der heute in Tübingen lebt, will nichts anderes, als seinen Traum Rockmusik zu machen, ausleben.

Seine Erfolgsgeschichte fängt tatsächlich am Münsinger Gymnasium an, wo er in der 5. Klasse einen verrückten Typen kennenlernte, der ebenfalls Bock auf Rock hatte, Jim Müller aus Buttenhausen. Der hatte gerade angefangen E-Gitarre zu spielen, während Schnitzer die ersten Versuch am Schlagzeug unternahm. Im Keller von Schnitzers Elternhaus studierten die beiden Dreikäsehochs ihre ersten Songs ein, von AC/DC und Deep Purple. In der Musikschule Leichtle nahmen beide Unterricht. Es kamen noch ein Bassist und später ein weiterer Gitarrist hinzu, ein passender Sänger für die hohen Stimmlagen à la Bruce Dickinson von Iron Maiden fand sich aber nicht, berichtete Schnitzer.

Eines Abends sah er per Zufall die TV-Sendung Star Search, in der ein blonder Junge mit blendender Stimme „Mighty Queen“ sang. Es stellte sich heraus, dass der mit seiner Band Blues Kids aus Burladingen kam. Kurze Zeit später hörte Andi Schnitzer die Band live in Holzelfingen, konnte kurz mit Hannes Braun, dem besagten Stimm-Wunderknaben, und dessen Bruder Ande sprechen, E-Mail-Adressen austauschen. Es war Hannes Vater, der ein paar Wochen später in Münsingen anrief, berichtete, dass den Blues Kids drei Mann abgesprungen waren und fragte, ob sich die Münsinger nicht eine Fusion der Bands vorstellen könnten. Man traf sich wenig später zum Proben in Münsingen und „die Chemie stimme sofort“. Die Blues Kids waren zuvor noch ein paar Mal im Fernsehen aufgetreten, waren einem Musikproduzenten in Flensburg aufgefallen, der ein „böses“ Pendant zu Tokyo Hotel suchte. Er verschaffte der jetzt kombinierten Band einen Auftritt bei einem Casting in Berlin, an dessen Ende sie einen Plattenvertrag von EMI in der Tasche hatte.

Jetzt, 2007 komplettierte sich auch die Besetzung der Band, weil mit Steffen Haile der frühere Blues Kids-Bassist zurückkehrte. Die erste CD „Steel of Swabia“ erschien 2008, vier weitere folgten. Jüngstes Highlight in der Bandgeschichte war der Auftritt beim größten Heavy-Metal-Festival der Welt in Wacken vor zigtausend Zuschauern.

Geduldig beantwortete Andi Schnitzer alle Fragen. Nein, ganz könne er von der Musik noch nicht leben, arbeite nebenher als Saunaaufgießer. Kissin’ Dynamite seien eine demokratische Band ohne Chef, jeder habe seine Stärken und Zuständigkeiten. Andi Schnitzer etwa schreibt die Texte der Band, die zum zweiten Mal das Label gewechselt hat und jetzt bei Sony unter Vertrag steht. Derzeit wird an der nächsten CD gefeilt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Alle Kinder profitieren

Vor mehr als zehn Jahren hat die Stadt Münsingen die Organisation der Schulsozialarbeit an die Bruderhaus-Diakonie übertragen – Wandel in der Einstellung. weiter lesen