Uli Schwenk Vize-Weltmeister

|

Alles, aber wirklich alles schien vor dem letzten Wertungstag der Segelflug-Weltmeisterschaft in der 13,5-Meter-Klasse im ungarischen Szatymaz entschieden zu sein. Am Freitag war der geplante Flug wegen schlechten Wetters neutralisiert worden, und am Samstag wartete eine sogenannte Area-Task zum Abschluss auf die 14 Teilnehmer. Sie war mit zwei Stunden sehr kurz gewählt. Die möglichen Distanzen durch die Wendekorridore betrugen im MInimum 113 und im Maximum 313 Kilometer.

Weil die Abstände zwischen dem Ersten (Sebastian Kawa), dem Zweiten (Uli Schwenk) und dem Dritten (Sebastian Riera) sehr groß waren, schien es nur noch ein Schaulaufen zu werden. Doch es sollte ein Krimi werden, den Altmeister Alfred Hitchcock hätte  nicht besser inszenieren können. Mit dem Ergebnis, dass der wohl weltweit beste Segelflug-Pilot Sebastian Kawa Weltmeister wurde, wie erwartet, aber mit hauchdünnem Vorsprung vor Uli Schwenk.

Doch der Reihe nach. Dass der zwölfte und letzte Wertungstag - selten sind bei einer Weltmeisterschaft so viele Wertungstage geflogen worden - ein spannender werden würde, zeichnete sich bereits vor dem Start ab. Es waren Gewitter am Anzug, wussten schon die Meteorologen zu verkünden beim vormittäglichen Briefing. Deshalb die kurze Aufgabe. Und die Gewitter zogen tatsächlich auf, in Staffeln, wie Uli Schwenk berichtete.

Der erste Wendekreis bereits war es, der den Weltranglistenersten Kawa beinahe um den Titel gebracht hätte. Denn es war nur ein schmaler Korridor, der den Piloten zur Verfügung stand, der von den ungarischen Militärs nur für diesen Nachmittag freigegeben worden war, weil sonst eine Aufgabenstellung gar nicht möglich gewesen wäre.

Überflug absolut tabu

Und der endete an der Grenze zu Serbien. Deren Überflug war aber absolut tabu. Uli Schwenk schaffte es gerade noch so, nach rechts abzubiegen und hauchdünn vor der Grenze den Flug zur zweiten Grenze anzutreten. Doch, wie sich später herausstellen sollte, gelang dies dem Turnier-Überflieger Kawa nicht. Und das sollte später streng bestraft werden.

Das Ende vom Lied. Nur einer der Piloten, nämlich ausgerechnet der, bei dem es am Anfang des Fluges nicht gut lief, sollte weit kommen, nämlich der Litauer Vladas Motuza, der durch seine Verspätung bessere Bedingungen hatte als die vor ihm Fliegenden und es auf 187 Kilometer brachte, was ihm den Tagessieg und 550 Punkte einbrachte. Uli Schwenk wurde mit 137 Kilometern Vierter und erhielt 404 Punkte. Sebastian Kawa wurde mit 60 Kilometern gewertet und bekam 178 Punkte gutgeschrieben.

Damit ist Kawa zwar wie erwartet Weltmeister geworden, und zwar mit 8070 Punkten. Uli Schwenk fehlten auf den Titel am Ende nur ganze drei Punkte, also nur ein Kilometer an diesem Tag. Wahnsinn. Dritter wurde mit 7649 Punkten der Argentinier Sebastian Riera. Schwenks Teamkollege Florian Heilmann wurde mit 7378 Punkten bei seiner ersten WM guter Fünfter.

Uli Schwenk mochte es am Ende selbst kaum glauben, dass er an Gold geschnuppert hatte und nur ganz, ganz knapp gescheitert war. „Das ist unglaublich. Aber dass ich überhaupt eine Medaille gewinnen konnte, dafür bin ich dem Herrgott dankbar, vor allem, wenn man bedenkt, woher ich komme.“ Gesundheitliche Probleme hatten noch vor gut einem Jahr eine Fortsetzung seiner Pilotenlaufbahn in Frage gestellt. Dass er jetzt Vizeweltmeister in Ungarn wurde, zum zweiten Mal überhaupt, setzt er gleich mit der ersten WM-Silbermedaille vor 22 Jahren in Neuseeland: „Ich freue mich unglaublich, das ist mindestens so schön wie damals in Omarama“.  Kawa sei ein würdiger Weltmeister, räumte Schwenk ein, der achtsam fliege und auch meistens das Glück auf seiner Seite habe.

Die Weltmeisterschaft selbst sei eine mehr als würdige gewesen mit Aufgabenstellungen bis zu 500 Kilometern Länge bei der kleinen Spannweite: „Uns Piloten wurde alles abverlangt“, meinte Uli Schwenk.

Am Samstagabend gab es zum Abschluss noch ein gemeinsames Essen mit anschließender Party. Gestern  war Siegerehrung. Die ungarischen Veranstalter lobte der Älbler ausdrücklich: „Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft war einmalig, das Essen eine Wucht. Als Dank für die Veranstalter pflanzten die Piloten gestern deshalb auch einen Baum.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Auf ihn wartet eine Pionierarbeit

Am Sonntag wird Pfarrer Thomas Lehnardt in der Martinskirche Münsingen verabschiedet. weiter lesen