Schuld ist nicht die Glätte allein

Ordentlich gekracht hatte es im Januar: Auf schneeglatter Fahrbahn rutschte eine Münsingerin gegen einen Baum. Ein Bußgeld wollte sie nicht bezahlen.

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Am 20. Januar dieses Jahres geschah das Unglück: Auf der schneebedeckten Bundesstraße fuhr die 32-Jährige von Mehrstetten her kommend gegen 8.30 Uhr nach Münsingen. In einer Rechtskurve verlor die Verkäuferin die Kontrolle über ihren Nissan, kam von der Fahrbahn ab und prallte nach mehr als 20 Metern gegen einen Baum.

"Ich habe Glück, dass ich überlebt habe", schilderte die Unfallfahrerin nun vor Gericht. Dort kam es zur Verhandlung, weil die 32-Jährige einen Bußgeldbescheid über 145 Euro nicht bezahlen wollte. "Ich finde es einfach unfair", sagte die Münsingerin, die sich doppelt bestraft fühlte: Schließlich war an ihrem Fahrzeug ein wirtschaftlicher Totalschaden in Höhe von 1000 Euro entstanden.

Außerdem beteuerte sie, nicht zu schnell gefahren zu sein. Genau das sah die Bußgeldstelle anders, die die Strafe wegen Fahrens mit unangepasster Geschwindigkeit ausgesprochen hatte.

Dass die Geschwindigkeit in der Tat zu hoch war, stellte sich vor dem Münsinger Amtsgericht schnell heraus. Zum einen durch die Aussage des Polizeibeamten, der als erster an der Unfallstelle vor Ort war - denn dort war es kurz zuvor ebenfalls zu einem Unfall gekommen. Eine BMW-Fahrerin geriet in der Kurve ins Schleudern und touchierte die Leitplanke - konnte ihr Fahrzeug dann aber stabilisieren und weiterfahren. Der Polizist wollte sich den Schaden an der Leitplanke ansehen - und fand die verunfallte 32-Jährige.

"An diesem Tag sind dort schon viele Fahrzeuge sicher durchgekommen, auch zu einem Unfall kam es. Aber sie waren die erste, die 20 Meter über den Acker gerumpelt und dann in einen Baum gekracht ist", stellte Richter Joachim Stahl fest. Auch der Sachverständige Helmut Bayer von der Dekra sah in der zu hohen Geschwindigkeit die Unfallursache. Die 32-Jährige knallte demnach mit rund 30 Stundenkilometern gegen den Baum und war in der Kurve mit bis zu 60 km/h unterwegs. "Das war zu schnell. Und man erkennt, dass diese Kurve einen relativ engen Radius beschreibt."

"Angepasst zu fahren heißt so zu fahren, dass man eben nicht ins Rutschen oder Schleudern gerät", sagte Stahl, der rasch erkennen ließ, wenig am Bußgeldbescheid auszusetzen zu haben. "Und ich sehe keine Veranlassung, warum ich die Staatskasse mit den Kosten des Gutachtens belasten sollte." Ob die 32-Jährige da zur Einsicht kam?

Auf jeden Fall erklärte ihr Anwalt Matthias Rath nach einer kurzen Unterbrechung, den Einspruch zurückzuziehen: "Wir wollen keine zweite Instanz." Ganz andere Sorgen bereitet seiner Mandantin indes der kommende Winter: "Ich weiß nicht, ob ich bei Schnee überhaupt noch werde fahren können."

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