Sammlung Würth widmet dem Gomadinger Holzschneider Gert Koch eine große Ausstellung

Die renommierte Sammlung Würth umfasst nicht nur Kunstschätze von Picasso bis Baselitz, sondern seit 2005 auch Arbeiten des Gomadinger Künstlers Gert Koch. Jetzt widmet sie ihm eine große Einzelausstellung.

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  • Motiv des Sklavenschiffs: Auch Gert Kochs Zyklus "Exil und Freiheit" (2011/12) ist in Künzelsau zu sehen. Fotos: Burkhardt 1/2
    Motiv des Sklavenschiffs: Auch Gert Kochs Zyklus "Exil und Freiheit" (2011/12) ist in Künzelsau zu sehen. Fotos: Burkhardt
  • Von dem Gomadinger Künstler Gert Koch zeigt die Sammlung Würth jetzt Ankäufe und neue Arbeiten. 2/2
    Von dem Gomadinger Künstler Gert Koch zeigt die Sammlung Würth jetzt Ankäufe und neue Arbeiten.
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Die Sammlung Würth gehört mit derzeit 15 000 Kunstschätzen zweifellos zu den international bedeutendsten Privatkollektionen mit Schwerpunkt Moderne. Das Spektrum dieser in den 60ern begonnenen Kunstsammlung reicht von Picasso bis Baselitz, von Feininger bis Hrdlicka. Von den Künstlern aus der Region ist in dieser Sammlung des 77-jährigen Kunstmäzens Reinhold Würth - früher Chef eines heute 66 000 Mitarbeiter starken Schraubengroßhandels - bis jetzt allenfalls HAP Grieshaber präsent.

Seit 2005 ist auch der gebürtige Gomadinger Gert Koch darin vertreten - Würth hat für seine Sammlung den "Becklenstein-Kreuz-Zyklus" (1999/2000), "La Danse Macabre" (2008/09) und "Exil und Freiheit" (2011/12) erworben: ein Ausweis der Wertschätzung, die er der Arbeit Kochs zukommen lässt. Jetzt widmet die Sammlung Würth dem knapp 56-jährigen Holzschneider Gert Koch sogar eine große Einzelausstellung, die heute in der Hirschwirtscheuer Künzelsau eröffnet wird (siehe Info). Mit dieser Werkschau wird das Oeuvre Kochs umfassend gewürdigt - die von Würth aufgekauften Werke sind hier zum ersten Mal komplett zu sehen, ergänzt durch neue Arbeiten. Auch in der Hirschwirtscheuer zeigte Würth schon Arbeiten prominenter Künstler wie Ben Willikens, Joan Miró, Marc Chagall oder Friedensreich Hundertwasser.

Ein Schwerpunkt dieser Ausstellung ist "Exil und Freiheit", der jüngste Zyklus Gert Kochs, ein thematisch weit gefasster Komplex aus Holzschnitt-Blättern, Objekten, Druckstöcken, Collagen und Stelen, vollendet nach einem Afrika-Aufenthalt auf den Kapverden. Es geht um Sklaverei, Vertreibung und Flucht - eine scheinbar unendliche Geschichte, die bis hin zur herrschenden Asylpolitik, bis hin zu den Flüchtlingsdramen auf der Insel Lampedusa reicht.

Wie immer erreicht Koch durch äußerste Reduktion der Mittel eine frappierende Assoziationsvielfalt. Prägend sind zwei Motive - das Boot und der Mensch. Das Boot steht als mythisches Symbol für die Überfahrt ins Totenreich, erinnert aber auch an das bis heute anhaltende Leid von Bootsflüchtlingen ("boat people"). Für den Menschen verwendet Koch eine zentrale, oft variierte Chiffre seines Werks: eine dünne, zerbrechliche, zeichenhaft verknappte Silhouette.

Sklavenschiffe mit stummen, aufrecht stehenden, in die Ferne blickenden Schattenriss-Gestalten - dieses Motiv geistert in Varianten durch den ganzen Zyklus: der Mensch als frei verfügbare Arbeitskraft, als preisgünstige Handelsware. Doch der Kochsche Zyklus erzählt auch in karger Ästhetik von Sklavenprangern, von Folter, von der unseligen Rolle der Kirchen.

Die Auseinandersetzung auch mit den Schattenseiten der Gesellschaft, mit Menschenrechtsverletzungen, mit Verfolgung und Krieg - all dies zieht sich wie ein roter Faden durch Kochs Werk.

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