Pilgern mit dem Bischof

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Pilgern, 4 sp x 110,6, Loka 02  Foto: 

MARIA BLOCHING

Vor 1700 Jahren ist der Heilige Martin auf die Welt gekommen. Für die Diözese Rottenburg-Stuttgart, die selbst unter dem Patrozinium dieses Heiligen steht, ein „herausragendes Ereignis in der Gründungszeit des christlichen Abendlandes“. Bischof Dr. Gebhard Fürst hat bereits in den vergangenen Jahren mehrmals die Wanderschuhe geschnürt und sich auf den Martinusweg entlang zahlreicher Kirchen begeben, die auf dem Patronat des Heiligen Martin gründen. Sein letztjähriges Ziel – Bichishausen – war der diesjährige Anfang.

Gestern Morgen machte er sich gemeinsam mit rund 30 Pilgern – unter ihnen auch Dekan Hermann Friedl und der Bundestagsabgeordneter Michael Donth – nach Laudes und Segen in der St. Gallus Kirche auf den geistlichen Weg, um auf Spurensuche zu gehen: Spuren nach dem Heiligen, aber auch nach Spuren Gottes im Leben. Anscheinend wurden die Gläubigen erhört, denn nach ihrem Lied „Gib Sonnenschein und Regen“ konnte bei trockenem Wetter gestartet werden.

Der Bischof - ausgestattet mit Pilgerstab und Pilgerschal – war froh gelaunt: „Es ist etwas ganz Besonderes, miteinander unterwegs zu sein. Man tauscht sich aus, hält an einzelnen Stationen inne und besinnt sich. Dieses Pilgern ist ein ganzheitliches Erlebnis - bewegen in freier Natur und getragen vom Geist des Heiligen Martin“.

Vorbei ging es an den Martinskirchen in Hundersingen, Eglingen und Dapfen, nach 18 Kilometern Fußmarsch war das erste Etappenziel mit dem Kloster Offenhausen am Abend erreicht. Heute pilgert Bischof Fürst 16 Kilometer weiter auf den Spuren des Heiligen Martin von Großengstingen über Schloss Lichtenstein, Nebelhöhle, Wackerstein bis nach Pfullingen. Dort wird er in der evangelischen Martinskirche gemeinsam mit Dekan Hermann Friedl um 18 Uhr einen Gottesdienst feiern.

Der Bischof möchte auf dem Martinusweg ökumenische Akzente setzen. Deshalb freute er sich auch über jeden Mitpilger gleich welcher Konfessionen und Religionen. Für ihn ist diese Art der Fortbewegung eine Möglichkeit, sich mit dem Heiligen Martin und seinem Glaubenszeugnis, seinem Leben und Wirken auseinanderzusetzen. Darüber hinaus nutzt er die Gelegenheit, Menschen auf vielfältiger Weise zu begegnen. „Immer wieder suchen sie das persönliche Gespräch, sei es nun mit eigenen Anliegen oder aufgrund verschiedener Situationen in ihren Kirchengemeinden. Ich nehme diese Anliegen mit und schreibe sie in meiner Hauskapelle in ein Buch, das auf dem Altar liegt“, sagte der Bischof.

Der Martinusweg durch die Diözese verbindet an einer gedachten Achse entlang die beiden Martinsorte Szombathely und Tours. Der Wegverlauf geht über Biberach, Ulm, Hechingen, Böblingen, Stuttgart und Heilbronn. Um auch andere Martinskirchen in der Diözese mit dem Martinusweg und seinem geistlichen Anliegen eines Pilgerweges in Verbindung zu bringen, führen weitere Regionalwege auf diesen Hauptweg zu.

Allein in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind insgesamt 1200 Kilometer des Martinusweges ausgeschildert. Das gelbe Kreuz auf rotem Grund – das in seiner schrägen Stellung auch an das Schwert des Heiligen Martin erinnert – gibt Bischof Fürst und seinen Mitpilgern die Richtung vor. Farben und Form dieses Wegsymbols sind bewusst schlicht gehalten.

Konzentriert auf das Wesentliche erinnern sie an den entscheidenden Augenblick im Leben des römischen Soldaten Martinus, an seine Begegnung mit dem Bettler vor den Stadttoren Amiens, wie er sich von dessen Not berühren ließ und seinen Mantel mit ihm teilte. Schritt für Schritt setzte der Geistliche gestern seinen Weg fort, meist mit seinen Begleitern ins Gespräch vertieft.

„Dieser Martinusweg ist wichtig. Er zeigt uns, dass wir als Gottes Volk und als Kirche unterwegs sein müssen, um zu hören, was die Menschen bewegt“. Deshalb machen sich auch verschiedene Dekanate „immer wieder samstags“ auf den Weg und pilgern an jene Orte, an denen etwas Besonderes geschieht und an denen der Geist des Heiligen Martin in Werken der Barmherzigkeit sichtbar wird.

Dieses Martinusjahr will die Diözese auf vielfältige Weise und mit unterschiedlichen Veranstaltungen begehen. Bischof Fürst sieht darin ein Jahr der Erinnerung und Freude. Für ihn sind es die Flüchtlingsströme, die für Christen in der Nachfolge Martins eine zentrale Herausforderung darstellen.

Gleichzeitig spornt es ihn an, die nächsten Schritte im Erneuerungsprozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“ zu gehen. „Der Martinusweg zieht sich durch Europa, das die spirituelle Inspiration dieses Heiligen braucht“, meinte Bischof Fürst.

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