Nicht real aber virtuell ist alles möglich

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Cordula Neuhaus kann beim Symposium auf der Hopfenburg namhafte Experten begrüßen.  Foto: 

Fort- und Weiterbildung in Diagnostik und alltagstauglicher Therapie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS und Comorbiditäten scheint von großem Interesse zu sein. Insgesamt 170 Personen haben am  2. ADHS-Symposium teilgenommen. Viele andere standen auf der Warteliste.

Kompetente Referenten

Mit Dr. phil. Roy Murphy, Dr. med. Martin Winkler, Dr. med. Heiner Lachenmeier und Diplom-Psychologin und Diplom-Heilpädagogin Cordula Neuhaus, standen den Teilnehmern kompetente Referenten vor, die mit ihren Erfahrungen aus der Praxis heraus die neuesten Erkenntnisse mit auf den Weg geben konnten. Veranstaltet  wurde das Symposium durch  das Kolleg-DAT mit Sitz in Münsingen.

Cordula Neuhaus blickte am Ende zufrieden auf die Veranstaltung zurück.  Dr. Roy Murphy hätte für die Teilnehmer klar zum Ausdruck gebracht, dass „alle Gehirne“ noch nicht richtig im 21. Jahrhundert angekommen sind. Wenn auch nicht real, so wäre virtuell durch die Digitalisierung, Globalisierung und Mobilität eigentlich alles möglich.

Klare Strukturen wie Sendeschluss oder Ladenschluss, sowie Zeit für den Informationstransport gäbe es nicht mehr. Reizoffene oder reizfilterschwache Menschen mit ADHS bräuchten jedoch solche Strukturen. Der Spezialist hätte auch auf die höhere Sterblichkeit bei Menschen mit ADHS, vor allem im Kontext Sucht, Suizid und Verkehrsunfällen, hingewiesen.

Je früher im Leben die Diagnose gestellt würde, und ausreichend konstruktive Hilfestellung medikamentös und psychotherapeutisch vorgehalten werden könne, desto geringer wäre die Gefahr.

Dr. Roy Murphy hätte klar benannt, dass es in Deutschland viel zu wenig kompetente Zentren zur Diagnostik und Therapie für Erwachsene mit ADHS gäbe. Murphy hätte auch den nach wie vor bestehenden Widerstand der „Zweifler“, welche ADHS als Modediagnose oder Erfindung der Pharmaindustrie sehen, angesprochen. Für Betroffene wäre dies regelrecht invalidisierend, wenn ihr Leid durch ihre Anpassungsstörung als nicht existierend bezeichnet wird. Murphy sehe durchaus Nischen, für welche Betroffene mit ADHS unter anderem durch ihre Flexibilität in kniffligen Situationen, besondere Voraussetzungen bringen. Brillant hätte Dr. Heiner Lachenmeier aus der Schweiz das Problem mit der häufigen Verkennung der Diagnose ADHS aufgegriffen. Man müsse von der „Symptomsicht“ bei ADHS wegkommen, stattdessen ADHS in seiner speziellen Funktionssteuerung erkennen und den Patienten entsprechend über sich aufklären.

Lachenmeier und auch Cordula Neuhaus verdeutlichten, dass der höchste Energieverbrauch durch die gefühlsmäßige Überlastung bei ADHS entsteht. Eine Bremse für das Gefühl bei ADHS gäbe es jedoch nicht.

Dr. Lachenmeier sprach Cordula Neuhaus aus der Seele. „Es war ein Symposium, auf dem ich zum ersten Mal erlebe, dass ich zu hundert Prozent hinter den Vorträgen der anderen Referenten stehen kann.“ Ungeheuer professionell und umsichtig wertete Neuhaus auch die Arbeit der Helfer, alles ADHS-Betroffene. Sowohl Dr. Martin Winkler, wie auch Cordula Neuhaus, beide verfügen über jahrelange Erfahrung als Mitarbeiter und wissenschaftliche Beiräte der Selbsthilfegruppe TOKOL.

Emotionale Selbstregulation

Sie hätten immer wieder unabhängig voneinander festgestellt: Emotionale Selbstregulation ist bei ADHS weder vorhanden noch erlernbar.

Alle Referenten seien sich einig gewesen, dass die Diagnose ADHS nicht in zehn Minuten gestellt werden könne. Auch in Übereinstimmung darüber, dass alle ADHS-Patienten einen Anspruch auf Versorgung im Gesundheitssystem haben sollten, um ihnen ein lebenswertes Leben im 21. Jahrhundert zu ermöglichen.

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