Neue Energie für das Alte Lager

Die energetische Sanierung der früheren Soldatenunterkunft ist eine Herausforderung– vor allem die Dämmung der geschützten Gebäude. Strom und Wärme sollen regenerativ erzeugt werden.

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Dort wo von 1901 bis Ende der 1960er Jahre im Alten Lager Kohle gelagert wurde, werden künftig ohne großen baulichen Aufwand Holzhackschnitzel ihren Platz finden. Foto: Joachim Lenk  Foto: 

Seit genau einem Jahr gehört Franz Tress die ehemalige Soldatenunterkunft Altes Lager in Münsingen. Zusammen mit weiteren Mitstreitern plant der ehemalige Nudelproduzent, in den nächsten zehn Jahren aus dem 70 Hektar großen Areal eine „Wohlfühlwelt“ mit dem Namen „Albgut“ zu machen.

Sein Fazit nach zwölf Monaten: „Bislang läuft alles nach Plan. Wir schwimmen nicht hinterher“, informiert Tress. Er lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium. Er geht davon aus, dass der Bebauungsplan spätestens Mitte 2017 in trockenen Tüchern ist. Nächste Jahr beginnt Tress, das rund 46 Kilometer lange Kanalnetz auf Vordermann zu bringen. Die kleinen Schäden werden mit der sogenannten Inliner-Technik behoben, dabei wird flüssiges Kunstharz in die maroden Kanäle gespritzt. Größere Schäden werden „in offener Bauweise“ 2018 und 2019 repariert.

130 000 Euro Planungskosten

Aktuell wird auch an einem „nachhaltigen Energiekonzept“ für die ehemalige Soldatensiedlung gearbeitet. Bis Ende der 1960er-Jahre heizten die Soldaten die meisten der 147 Gebäude mit Kohle. Später wurde auf Öl umgestellt. Tress‘ Ziel ist es, bis in acht Jahren das Alte Lager komplett mit erneuerbaren Energieträgern wie Photovoltaik, Solarthermie und Holz für die Wärme- und Stromgewinnung umzurüsten. Auch der Bau eines Blockheizkraftwerkes und der Einsatz von Brennstoffzellen werden ins Auge gefasst. Getreu dem Motto, aus dem Alten Lager einen „Leuchtturm für Tourismus und Nachhaltigkeit“ zu machen. Dazu sind auch die Klimaschutzagentur im Landkreis Reutlingen und die Erdgas Südwest mit im Boot.

„Gemeinsam wollen wir eine nachhaltige und autarke Energieversorgung aufbauen und vom Öl wegkommen“, sagt Tobias Kemmler von der Klimaschutzagentur. „Hier haben wir ein Areal, dessen komplette Infrastruktur, von der Straßenbeleuchtung über das Breitbandnetz bis hin zur Energieversorgung, analysiert und neu geplant werden muss“, fügt Achim Lotter hinzu, der Projektleiter der Erdgas Südwest. Zur Nachhaltigkeit zählt in gewisser Weise auch das ehemalige Kohlenlager, das in Zukunft als Lagerplatz für Holzhackschnitzel dienen soll. Obendrauf, so ist angedacht, installiert Tress eine Photovoltaikanlage. Zudem macht man sich derzeit Gedanken, wie die denkmalgeschützten Gebäude, von den viele mehr als 100 Jahre auf dem Buckel haben, gedämmt werden können.

Mitte 2017 ist das energetische Quartierskonzept fertig. 65 Prozent der Kosten in Höhe von 130 000 Euro übernimmt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Beteiligten rechnen damit, dass die Umsetzung der Pläne einmal um die fünf Millionen Euro verschlingen wird.

Bürgermeister Mike Münzing freut sich, dass im Alten Lager neue Impulse für die regionale Energiewende entstehen. Für Münsingen sei das „ein historischer Augenblick“.  Deshalb werden sich auch die Stadtwerke Münsingen als lokaler Energieversorger in das Projekt mit einbringen, kündigte der Bürgermeister an.

Konzept Unter dem Motto „Historische Architektur trifft auf einmalige Natur“ möchte Franz Tress einen Biosphärenmarkt, vielfältige Gastronomie, ein Schäfereizentrum, Ferienwohnungen, Chalets, Biergärten, einen Streichelzoo, Schwimmteiche, ein Rotwildgehege sowie Konferenz- und Schulungsräume im Alten Lager etablieren.

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