Lichtstube ohne Sittenwächter

Licht und Heizen war schon immer teuer. In vergangenen Jahrhunderten wusste man sich in der dunklen Jahreszeit mit der Lichtstube zu helfen. Eine alte Tradition, die jetzt auch das Café Ausemländle aufgriff.

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Marktweib Marga führte die Lichtstuben-Gäste durch die Winkel der Münsinger Altstadt. Foto: Sabine Zeller-Rauscher

Bereits im Mittelalter war den Menschen auf der Alb klar, dass man in der langen, dunklen Jahreszeit Licht und Heizung sparen kann, wenn nicht jeder in seinen eigenen vier Wänden für Licht und die warme Stube sorgt, sondern Treffen arrangiert werden, bei denen nur eine Stube aufgeheizt und beleuchtet werden muss.

Junge Frauen trafen sich in den Lichtstuben zum Spinnen, Nähen und Stopfen während die jungen Burschen andernorts zusammen kamen, um Karten zu spielen und um sich zu unterhalten. Auch mit dem Hintergedanken, den Mädchen immer mal wieder einen Besuch in der Lichtstube abzustatten, was von der weltlichen und insbesondere von der geistlichen Obrigkeit allerdings überhaupt nicht gerne gesehen wurde.

"Sittenwächter" wie einst gabs in der ersten Lichtstube im "Ausemländle" keine. Gemeinsam lauschten die männlichen und die weiblichen Lichtstubenfreunde dem Alleinunterhalter Thomas Eisele, der sein Repertoire selbst "querbeet durch den Gemüsegarten" bezeichnete und zur Lichtstube mit Adventsliedern und weihnachtlichen Klängen aufspielte. Marktweib Marga trug mit schwäbischem Witz, kulturellem und historischem Wissen und mit märchenhaften Geschichten, Gedichten und Liedern ihr Übriges zum Wohlfühlklima bei Kerzenlicht, schwarzem Brei, Schmalzbrot und sauren Kutteln bei. Zuvor entführte Marga, die nach eigenen Angaben bereits 500 Jahre auf dem Buckel hat, die Lichtstubenbesucher beim adventlichen Stadtspaziergang in längst vergangene Jahrhunderte, wo Pferd und Reiter sich im gleichen Wirtshaus stärkten, wo Hasen gerupft wurden, wo ein Windelwaschverbot am Brunnen galt und wo von der Kirche ein Türzins erhoben wurde, damit die Bewohner, welche rund ums Kirchengebäude angesiedelt waren, überhaupt aus ihren Haustüren treten durften. Letzteres hätte sich bis in die Achtziger Jahre gehalten, erfuhr Marga einst von einer alten Mesnerin. Das mit Wissen beladene Marktweib entführte die Interessierten ins nahegelegene Tirol, vorbei an der Trinkhalle, an alten Gefängnismauern, bis hin zum Schloss, wobei die Köpfe der Stadtspaziergänger mit allerhand Wissen gefüllt wurden aber auch die Nasen eine ziemlich rote Farbe annahmen. Für das clevere Marktweib ein Zeichen, dass es an der Zeit war mit wärmenden Getränken und Geschichten für Wohlfühlklima in der Lichtstube zu sorgen.

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