Lebensraum für Schmetterlinge verbessern

Schmetterlinge brauchen bessere Bedingungen: Das betonte der Autor und Fotograf Günter Künkele bei einem Vortrag im Biosphärenzentrum. Im Mittelpunkt standen Eindrücke aus der Welt der bunten Falter.

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Eichen-Zipfelfalter, Kreuzenzian-Ameisenbläuling oder der Randring-Perlmutterfalter: Manchem Laien mögen diese Namen heimischer Schmetterlinge während des Vortrags vielleicht zum ersten Mal zu Ohr gekommen sein. Rund 60 Zuhörer nutzten die Gelegenheit, sich durch den Referenten Günter Künkele, langjähriger Vorsitzender des Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) und Naturschutzwart im Landkreis Reutlingen und dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb, über die Lebensbedingungen von Tag- und Nachtfaltern informieren zu lassen.

In seinem spannend und lebendig präsentierten Lichtbildervortrag führte Künkele die Besucher in eine Welt, die nur derjenige zu Gesicht bekommt, der sich bei Spaziergängen oder Wanderungen Zeit nimmt für genaue Beobachtungen. So kann, wer bereits jetzt im noch zeitigen Frühjahr Falter entdecken möchte, beispielsweise dem Zitronenfalter begegnen, der sich als erster seiner Zunft auf die Suche nach Nahrung macht, schließlich überwintert er als ausgebildeter Falter und nicht, wie das Gros seiner Artgenossen, als Ei, Raupe oder im verpuppten Zustand.

Zwei Ziele verband Künkele mit dem Vortrag: "Es geht mir darum, die Schönheit der Falter zu verdeutlichen und zugleich aufzuzeigen, welche Veränderungen nötig sind, um deren Lebensbedingungen zu verbessern". Denn Falter sind, wenngleich unverschuldet, anspruchsvoll und in ihrer Vielfalt an jeweils ganz spezifische Bedingungen gebunden. Konkret: Das Nahrungsangebot auf der Seite von Nektar und Mineralien muss genauso stimmen, wie die Voraussetzungen für die Eiablage und die Aufzucht der Raupen.

So liebt das Damenbrett beispielsweise Salbei. "Doch wo gibt es heute noch Salbei-Glatthaferwiesen?", fragte Künkele. Kommunen könnten allerdings leicht für Abhilfe sorgen, indem ein Wiesengrundstück einfach nur einmal pro Jahr gemäht wird. "Will das Biosphärengebiet mehr Renommee erwerben, muss es sich aufwerten", betonte Künkele. Straßen, Gehwege und Häuser gebe es auch andernorts.

Grundsätzlich kritisierte er den "Mähwahn" in Kommunen. Sowohl die Nahrungsgrundlage wie auch Möglichkeiten zur Eiablage für die Falter seien so oft innerhalb weniger Tage flächendeckend verschwunden. Er regte an, die Mitarbeiter in den Bauhöfen der Kommunen einmal jährlich mit dem Fokus auf die Pflege von Hecken und Uferrandstreifen sowie dem Erkennen von Pflanzen zu schulen.

Strikt sprach sich Künkele auch gegen weitere asphaltierte Feldwege aus, da Falter auf geschotterten Wegen "aufgeschlossene" Mineralstoffe vorfinden würden. "Und Mountainbiker oder Wanderer bevorzugen solche Wege ebenfalls". Die Standards im Biosphärengebiet Schwäbische Alb müssten höher sein als "draußen", betonte Künkele, und schlug vor, ein "Falterland par excellence" entstehen zu lassen. "Wir müssen zur Schöpfung stehen und uns für die Artenvielfalt einsetzen".

Kommunen empfahl Künkele, das Motto "unsere Flure sollen natürlicher werden" auszurufen und zum Beispiel ein Klatschmohn oder ein Trollblumenfest auszurichten, nachdem die entsprechenden Flächen eingerichtet worden seien.

Im privaten Garten bieten unter anderem Phlox, Fetthenne, Ringelblumen, Blutwegerich oder die als Schmetterlingsblume bekannte "Buddleia" ideale Voraussetzungen für Falter. Nicht zu vergessen die Brennessel, die für bis zu einem Dutzend Falterarten wichtig ist.

Auch die mittlerweile weit verbreitete "Mössinger Mischung" habe sich für Wildbienen und Falter nur als bedingt tauglich erwiesen. Positiv wertete er dagegen die Entwicklung im Bereich der Streuobstwiesen, die mit ihrer Vielfalt den Faltern Lebensraum und durch Fallobst im Herbst auch Nahrung bieten.

In einem zweiten Teil seines Vortrags stellte Künkele den Besuchern das kleine Nachtpfauenauge vor, das zum Schmetterling des Jahres gekürt wurde. Der Nachtfalter kommt in offenen Flächen oder verwilderten Gärten vor. Das Weibchen ist flugunfähig und lebt nur zwei Tage. Es kann von Männchen aus bis zu zwei Kilometern Entfernung geortet werden, wird dann befruchtet und legt die Eier ab, bevor es stirbt.

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