Laetare! Freut Euch!

Das heutige Kirchenwort stammt von Joachim Sperfeldt, Pfarrer bei der evangelischen Kirchengemeinde Münsingen.

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Pfarrer Joachim Sperfeldt über die Bedeutung des Sonntags Laetare.

Wer von Aschermittwoch unterwegs ist nach Ostern, der kommt an den sechs Sonntagen der Passions- und Fastenzeit vorbei. Mancher von uns hat sich dazu entschlossen, die sechseinhalb Wochen vor Ostern dazu zu nutzen, auf Liebgewordenes zu verzichten. Sicher aus verschiedenen Gründen. Einer davon könnte sein, dass Mann oder Frau sich wieder einmal persönlich darüber klar werden will, wer denn der Herr im eigenen Haus des Lebens ist. Gut so! Aber diese Wochen wollen ja mehr sein. Sie wollen uns nicht nur dazu verhelfen, dass wir auf dieses oder jenes verzichten; Sie wollen uns vor allem anderen auch mitnehmen auf den Weg des Mannes aus Nazareth, der dazu gekommen ist, um Menschen in den verwegenen Mut zu locken, sich die Liebe ihres himmlischen Vaters einfach nur gefallen zu lassen. In seinem Wort und in dem, was er tut, ist diese Liebe anschaulich unterwegs, geht barmherzig ihren Weg und legt gnädig ihre Spur in eine gottlos gewordene Welt.

Aber die Liebe hat es schwer unter uns Menschen. Gott wird unablässig vertrieben, wo Menschen ihr Leben und diese Welt profitlich und profitgierig selbst in die Hand nehmen. Kein Wunder also, dass auch der Zeuge der Liebe aus dieser Welt vertrieben wird, abgeschoben, ausgegrenzt, hinausgeführt auf einen Hügel, über dem das Kreuz steht. Auf diesen Weg wollen uns die Sonntage der Passionszeit mitnehmen. Sicher kein einfacher, kein leichter Weg. Aber ein Weg, auf dem wir auch erfahren können, wer wir sind und wer Gott ist und wie es Gottes Art ist, sich hindurch zu lieben trotz aller Widerstände.

Das hat er sich teuer zu stehen lassen kommen. Dafür will uns die Passionszeit die Augen öffnen. Aber mittendrin, sozusagen in der Mitte der Leiden, da tanzt einer der Sonntage mächtig aus der Reihe. Es ist der vierte Sonntag nach Aschermittwoch. Der Sonntag, den wir morgen wieder feiern. Sein Name: Laetare! Freut Euch! Mitten in der Leidensspur führt er uns auf einen Hügel und schenkt unseren Augen einen Blick hinter all das Leiden und wendet sie vorwärts, dorthin, wo das Ende aller Leidenswege in Sichtweite ist und fast zu greifen. So wird dieser Sonntag für die feiernde Gemeinde so etwas wie der Monte do Gozo, der Berg der Freude, den die Pilger nach endlos langen, staubigen und entbehrungsreichen Wegen voller Gefahren und Angst und mancherlei Versuchungen zur Umkehr endlich erreichen.

Vom Monte do Gozo lässt sich erstmals die Kathedrale von Santiago de Compostela sehen und damit das Ziel der langen Pilgerreise. Freudentränen haben die Pilgerscharen dort vergossen. Und viele sind vor lauter Freude barhäuptig und barfüßig die letzten Kilometer nach Santiago gezogen. Laetare! - Das ist so ein Berg der Freude - mitten im Leide.

Ostern ist keine Fata Morgana und keine Schimäre, keine Einbildung und keine Halluzination. Ostern ist in Sichtweite! Nicht der Tod, nicht der Hass, nicht die Lieblosigkeit und das Leiden haben das letzte Wort, sondern: Auferstehung von den Toten heißt es am Ende. Ein Anfang, der kein Ende mehr kennt.

Darum: Laetare! Freut Euch! Freut euch auf die Feier des Lebens und den Sieg der Liebe. Mit dieser Freude möchte uns der Sonntag Laetare anstecken. Dass es ihm gelingt, wünsche ich Ihnen und mir.

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