Kreislandfrauentag: Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln

Draußen leuchtet der Schnee in der Sonne, drinnen blühen Narzissen, der Chor singt Frühlingslieder. Andere Bilder beim Kreislandfrauentag sind weniger schön. Es geht um Müll, um die Wegwerfmentalität.

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    "Lebensmittelverschwendung - mit uns nicht" lautete das Thema beim Kreislandfrauentag. Fotos: Grossmann
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    Gegen die Wegwerfmentalität: Referentin Karin Kuhn-Schmidgall
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Dass ausgerechnet Landfrauen sich mit der verantwortungslosen Verschwendung von Lebensmitteln befassen, ist naheliegend. Die Wertschätzung von regionalen Produkten, Informationen über Anbau und Vermarktung sind ein wichtiges Anliegen auf den Höfen. Und deshalb hat Karin Kuhn-Schmidgall, zuständig für die Bereiche Hauswirtschaft und Ernährung beim Kreisbauernverband, ihrem Thema auch ein kämpferisches "Mit uns nicht" angefügt. Die rund dreihundert Besucherinnen des Kreislandfrauentags und einige wenige männliche Gäste konnten sich in der Alenberghalle nicht zurücklehnen und auf andere Verbraucher zeigen: Jeder muss seine Konsumgewohnheiten überdenken.

Ein Trailer für den Film "Taste the waste", der am 26. April um 19.30 Uhr im Biosphärenzentrum (im Beisein von Regisseur Valentin Thurn) gezeigt wird, ließ schon mal keinen Zweifel daran, dass nicht ausschließlich Industrie und Handel die Schuldigen sind. Studien belegen es: Weltweit landen jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll, während 925 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung leiden. Allein in Deutschland sind es jährlich 11 Millionen Tonnen. Anteil der Privathaushalte: 6,7 Tonnen, das entspricht 61 Prozent. Dabei handelt es sich um Schätzungen. Die tatsächlichen Zahlen dürften diese Annahmen noch weit übertreffen.

Hier der Überfluss, dort die Armut. Das wirft grundlegende ethische Fragen auf. Folgenschwer sind auch die enormen Auswirkungen auf die Umwelt. Ressourcen (Böden, Wasser) werden belastet, die Energie vergeudet. Ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Einbußen, denn letztendlich zahlt der Kunde auch für das, was in der Tonne landet.

Welche Lebensmittelabfälle sind vermeidbar? Karin Kuhn-Schmidgall geht - informativ und praxisorientiert - auf die Bereiche Landwirtschaft, Industrie und Handel ein, auf Restaurants und Kantinen. Die privaten Haushalte nimmt sie besonders unter die Lupe. Überproduktionen und Fehlplanungen müssen vermieden, Marketingstrategien kritisch hinterfragt werden. Am Hebel sitzt eigentlich der Verbraucher. "Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg." Um dies zu veranschaulichen, hatte sie Bildkarten auf den Plätzen verteilt und bat die jeweiligen Gäste aufzustehen. "Wir leben in einer Konsum-, Überfluss- und Wegwerfgesellschaft." Die Ansprüche sind enorm. Alles muss frisch und ständig verfügbar sein. Mit ihren Tipps, vom geplanten Einkauf bis zur Resteverwertung, zeigt sie auf, wie ein achtsamer Umgang mit Lebensmitteln aussehen kann.

Auch in den Grußworten von MdB Beate Müller-Gemmeke, (Grüne), MdB Pascal Kober (FDP), Bürgermeister-Stellvertreter Uli Schwenk, Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, und Elke Weidinger, Leiterin des Landwirtschaftsamts, wird die Problematik aufgegriffen. Die Landfrauen hätten den "Nerv der Zeit" getroffen. Von Juliana Vees, Präsidentin des Landfrauenverbands Württemberg-Hohenzollern, gibt es Anerkennung und Ermutigung. Und einen Ausblick, der zeigt, dass es mit einem Referat nicht getan ist. Eine neue Aktion des Verbands heißt in diesem Jahr "Die Landfrauen bitten zu Tisch". Unterstützt wird eine Unterschriftenaktion, die sich für ein neues Lehrfach einsetzt. "Alltags- und Lebensökonomie" sollte schon bei Erstklässlern auf dem Stundenplan stehen.

Info Weitere Infos unter www.landfrauenverband-wh.de. Tipps gibt es auch unter www.zugutfuerdietonne.de oder www.foodsharing.de.

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