Kind als sexuelles Spielzeug benutzt

Das Landgericht Ulm hat einen 38-jährigen Mann aus dem Raum Laichingen wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Kindern zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten verurteilt.

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Der Fall ist so unstrittig wie schrecklich: Ein 38-jähriger Mann, eindeutig pädophil veranlagt und bereits zweimal einschlägig vorbestraft, missbraucht im Raum Laichingen die Nichte seiner Lebensgefährtin - damals acht Jahre alt - über zwei Jahre hinweg immer wieder und vergeht sich zudem einmal an seiner zweieinhalbjährigen Tochter. Am Dienstag wurde er von der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Ulm wegen der Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren neun Monaten verurteilt. Das Gericht legt ihm insgesamt 15 Fälle des sexuellen Missbrauchs zur Last. Tatsächlich waren es aber mehr, räumte der Angeklagte selbst ein. An einzelne Daten kann er sich nicht mehr erinnern.

Er habe bei Verhandlungen in solchen Fällen noch nie einen Angeklagten erlebt, der so schonungslos und umfassend gestanden hat, sagte der Vorsitzende Richter Reiner Gros in der Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft ließ es bei der Anklage der 15 Fälle, die der 38-jährige auf Video und Fotos dokumentiert hatte. So konnte dem heute zehnjährigen Opfer wenigstens die Aussage vor Gericht erspart werden.

Der Verurteilte wird in der Haft eine Therapie durchstehen müssen, sagte Oberstaatsanwältin Brigitte Lutz. Er wird diese in der Justizvollzugsklinik Hohenasperg absolvieren. Die Therapie dort gelte als die härteste überhaupt, sagte Lutz im Plädoyer. "Dort werden Sie den Therapeuten nichts vormachen können." Wenigstens drei Jahre werde die Behandlung dauern, sollte er sie vorzeitig abbrechen, habe er keine Chance, vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden. Lutz forderte im Plädoyer eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren für den Sexualtäter.

Außerhalb der Strafgerichtssitzung einigten sich die Nebenklägervertreter der beiden missbrauchten Mädchen und der Angeklagte auf eine Schmerzensgeldzahlung. Er selbst kann zwar auf absehbare Zeit nichts bezahlen. Aber die Opferschutzeinrichtung der Landesstiftung überweist einen Teil der 20 000 Euro für die missbrauchte Nichte und 5000 für die Tochter. Symbolische Beträge, darüber waren sich im Saal 126 des Gerichts alle einig.

Der zehnjährigen Nichte geht es schlecht. Sie befindet sich in psychiatrischer Behandlung und wird die Folgen des Missbrauchs möglicherweise nie ganz überwinden. Sie berichtet, wenn sie über die Taten spricht, in der dritten Person, als wäre es nicht ihr passiert. Ein Schutzmantel, den sie aufgebaut hat. Sie will nicht mehr mit ihrem Vornamen angesprochen werden. Und mit Männern will sie nicht mehr umgehen. Ihr wurde eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) attestiert, sagte einer der Nebenklägervertreter. Das Mädchen wird von Albträumen geplagt, hat Konzentrationsstörungen und versucht die schrecklichen Erlebnisse gemeinsam mit einer Therapeutin zu überwinden, berichtete Elke Flumm von der Kinder- und Jugendpsychiatrie Stuttgart.

Die Erlebnisse werden sie erfahrungsgemäß erneut einholen, wenn sie in die Pubertät kommt, wenn sie ihren ersten Freund hat, sagte Oberstaatsanwältin Lutz. "Dann tauchen die Bilder aus der Vergangenheit wieder auf." Sie werde es nicht leicht haben, ein normales Leben zu führen, sagte Richter Gros.

Die schrecklichen Missbrauchsbilder wurden in den Plädoyers auch am letzten Verhandlungstag gestern wieder lebendig. Wie konnte es geschehen, dass der Mann sich erneut und über so lange Zeit an Kindern vergehen konnte, obwohl er doch schon zweimal wegen ähnlicher Taten verurteilt worden war? Er war schon immer pädophil veranlagt, hatte noch nie eine Liebesbeziehung zu einer erwachsenen Frau gehabt, als er für die ersten beiden Taten verurteilt wurde. Danach machte er eine Therapie, hatte eine Partnerin, sie bekam von ihm ein Kind. Alles schien normal.

Bis die Tochter ihrer Schwester bei ihnen einzog. 2009 übernachtete die Nichte einmal im Garten im Zelt. Sie bekam Angst und er legte sich daneben. Damals fand der erste Missbrauch statt. Es folgte eine Pause, dann ging der 38-Jährige dazu über, sich regelmäßig an dem Kind zu vergehen. Und die Intensität nahm drastisch zu. Er wusste um die Strafbarkeit seines Tuns. Und er hätte die Notbremse ziehen können, sich dem Bewährungshelfer oder seinem früheren Therapeuten anvertrauen können. Er tat es aber nicht. Die Anklägerin fand dafür nur eine Erklärung: Er hat das Mädchen als Objekt, als willkommenes sexuelles Spielzeug benutzt.

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