Im Streit aus der Firma ausgeschieden

Im Unfrieden auseinandergegangen sind ein Firmenchef und sein langjähriger Angestellter. Jetzt trafen sie sich im Amtsgericht wieder. Der ehemalige Mitarbeiter saß wegen Beleidigung auf der Anklagebank.

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Ungewöhnlich war der Rahmen der Verhandlung im Münsinger Amtsgericht, handelte es sich doch um Privatklagesache, also keine Anklage durch die Staatsanwaltschaft. Betrieben hatte diese ein Trochtelfinger Firmenchef, der sich durch einen ehemaligen Mitarbeiter beleidigt fühlte. "Sie sind ja nicht ganz klar im Kopf", habe dieser gesagt. Der Beschuldigte meinte, die Vorwürfe seien "teilweise nicht richtig". Er hatte Ende November letztmals in der Trochtelfinger Firma gearbeitet, war in Rente gegangen.

Im Dezember habe er die letzte Lohnabrechnung erhalten, Überstunden seien ausgezahlt worden, aber ohne den üblichen Zuschlag von 30 Prozent. Mit der Abrechnung habe er sich in seine alte Firma begeben, den Chef aufgesucht. Der habe ihm barsch beschieden, dass er "und seine Kumpane" den Zuschlag nicht bekommen würden. Darauf habe er, so der Beschuldigte, gemeint, dass er das dann einklagen würde.

"Dafür haben Sie doch keinen Schwanz in der Hose", habe der ehemalige Chef ihn verhöhnt. Der ehemalige Mitarbeiter antwortete nach eigenen Angaben darauf, dass der Boss doch mal in den Spiegel gucken solle und den Arzt aufsuchen. Tatsächlich stellte sich im Verlauf der Verhandlung heraus, dass es zum Arbeitsgerichtsprozess und zum Vergleich gekommen war. Statt 6000 erhielt der Rentner 3800 Euro.

Verteidiger Steffen Weipert versuchte mit mehreren Fragen das Bild eines Betriebes zu zeichnen, in dem ein miserabler Umgangston herrscht. Der Chef habe Arbeiter wegen jeder Kleinigkeit angeschrieen, meinte der Angeklagte. Dieser schilderte die Sache natürlich anders. Er sprach von einer Clique, die sich im Betrieb gebildet und die alles dafür getan habe, was gegen die Interessen der Firma lief. Den Satz mit der Hose habe er keinesfalls so geäußert, das habe sich der Beschuldigte zusammengereimt.

Als Zeugen warteten der Prokurist der Firma und die Frau des Chefs vor der Tür des Gerichtssaals. Sie sollten aber nicht mehr vernommen werden, weil es Amtsrichter Joachim Stahl gelang, beide Parteien zu einer gütlichen Einigung zu überreden. Die Sache sei aus seiner Sicht mit dem Vergleich im Arbeitsgerichtsprozess geklärt worden, sagte er. Seither sei einige Zeit vergangen. Ob der Prozess denn jetzt wirklich bis zum bitteren Ende durchgezogen werden müsse, fragte Stahl, schlug vor, dass sich der Angeklagte entschuldige und 100 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahle. Der Firmenchef mochte dem nur zustimmen, wenn die Summe 500 Euro betragen würde, schließlich sei die Beleidigung fast körperlich erfolgt. Nach einer Beratungspause stimmte der Rentner diesem Vorschlag zu. Er entschuldigte sich im Gerichtssaal, wird 500 Euro an den Verein Muskoviszidose Zollernalb-Tübingen überweisen.

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