Fotografien einer Region

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Freuen sich auf die erste Ausstellung im „Atelierhaus BT 18“ im Alten Lager: Mirja Wellmann und Wolf Nkole Helzle im hinteren Ausstellungsraum mit der begehbaren „Visual Music Installation“ mit 15 000 Fotografien aus der Region, die musikalisch untermalt werden.  Foto: 

Die endgültige Genehmigung für die neue Nutzung der ehemaligen Mannschaftsunterkunft im Alten Lager fehlt noch, doch das „Atelierhaus BT 18“ im albgut Münsingen öffnet am jetzigen Wochenende, 11. und 12. November, schon einmal probehalber für Kunstinteressierte: Zwei Tage lang zeigen insgesamt vier Künstler ihre Werke. Neben Social Media Artist Wolf Nkole Helzle, dem künftigen Hauptmieter im neuen Kunsthaus, sind dies die Bildhauerin und Klangkünstlerin Mirja Wellmann, die Stuttgarter Malerin Crista Gipser sowie der Elektronikingenieur Manfred Helzle, der hier eine „Zukunftswerkstatt“ für die Region plant.

Die erste Idee für ein Atelier im Alten Lager entstand bei Helzle bei der dortigen Inter!im vor vier Jahren. Damals allerdings waren die Zukunftsperspektiven zu ungewiss. „Es ist großartig, dass jetzt Franz Tress jetzt das komplette Areal aus einer Hand heraus entwickelt“, freut sich Helzle. Er wird künftig der Hauptmieter im neuen „Atelierhaus 18“ sein. Dort stehen unterm Strich 450 Quadratmeter für die Präsentation der vielfältigen künstlerischen Arbeiten zur Verfügung.

Helzle wird an den beiden Tagen im vorderen großen Raum sowie einem kleineren Zimmer Arbeiten aus der „Walks-Serie“ zeigen. Diese entstehen, indem er entlang einer bestimmten Wegstrecke in regelmäßigen Abständen Fotos macht und diese nachher am Computer „hochtransparent“ übereinander schichtet. So verwandelt sich die zigfach fotorealistisch aufgenommene Landschaft und erscheint dem Betrachter wie mit Pastellfarben gemalt. Zu sehen sind mehrere neue Arbeiten, so zum Beispiel von der Golden Gate Bridge in San Francisco, der Newa-Promenade in St. Petersburg, einem dortigen Einkaufsquartier beziehungsweise von einem Park-Spaziergang. Ebenfalls neu im Portfolio finden sich die Gebirgswanderung am Maloja zur Inn-Quelle und die „Suomi Walks“ – letztgenannte sind im Sommer in Finnland in der Region der Saimaa-Seen entstanden.

Dort lebt die Familie von Mirja Wellmann, die im Atelierhaus neue Hörnester zeigen wird. Als „sculptor & sound artist“ bleibt sie bis zu zehn Stunden an ihrem ausgewählten Ort, protokolliert dort akribisch alle Geräusche und filtert später signifikante Töne heraus. Diese setzt sie bildhaft als Holzfiguren um und fügt sie zu den „Nestern“ zusammen. Zwei neue Arbeiten sind in San Francisco und in Finnland entstanden. Bei der dortigen Oracle OpenWorld, einer Messe für rund 50 000 Programmierer und PC-Spezialisten, hat Wellmann zudem als „Teilhabeprojekt“ eine Lichtskulptur entworfen. Dazu wurden die Daten von 350 Poträtfotografien mit Hilfe einer CNC-Fräsmaschine in fluoreszierendes Acrylglas geschnitten und zwischen transparente Plexiglaswände montiert. Die Installation schmückt inzwischen die Eingangshalle der Firmenzentrale der Oracle Corporation im Silicon Valley, freut sich Wellmann.

Beteiligt am Ausstellungswochenende ist auch Crista Gipser, bildende Künstlerin aus Stuttgart. Sie wird Werke aus ihrer aktuellen Sonderserie „Zwischenweiss + Weiss + Rost“ zeigen. Zudem hat sie einen der Räume im Atelierhaus als Dependance ihres Stuttgarter Ateliers angemietet.

Helzle wiederum stellt neben den „Walks“ sein Langzeitprojekt „Homo Universalis“ vor. Aus tausenden von Einzelporträts, die er am PC übereinanderschichtet, entstand ein neues, universelles Gesicht. Zudem präsentiert er im hinteren großen Ausstellungsraum die „Visual Music Installation“. Insgesamt 15 000 Fotografien aus der Region, die Helzle in den vergangenen zehn Jahren aufgenommen hat, werden von drei Beamern in den Ausstellungsraum projiziert und vermitteln dem Betrachter ein Gefühl dynamischer Bewegung. Ein eigens dafür von Helzle sowie Studenten der TU München und Nürnberg entwickeltes Softwareprogramm zeigt die Gesamtschau in einer sich im Raum bewegenden Anordnung, fokussiert nach dem Zufallsprinzip auf einzelne Motive, wechselt wieder zurück und erzeugt so eine dynamische Bewegung. Dazu erklingt der Sound, den 20 Musiker als Solisten oder kompletter Band im Trochtelfinger Tonstudio von Michael Fetscher eingespielt haben. Jeweils nach 20 Minuten wechseln die Akteure.

Aktuell will Helzle das Projekt „myMatrix“ auf den Weg bringen. Es funktioniert nach dem gleichen Prinzip, allerdings kann sich jeder Interessierte mit Bildern daran beteiligen. Der in Mehrstetten lebende Künstler hofft auf Unterstützung durch das Förderprogramm „Landkultur“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Mit von der Partie ist auch Manfred Helzle. Der Elektronikingenieur plant, im Atelierhaus eine generationenübergreifende Zukunftswerkstatt einzurichten. Workshops, ein Reparaturcafé oder Feriencamps stehen auf der Agenda. Zunächst freilich will er hier Leute kennenlernen und ausloten, ob es Mitstreiter für das Projekt gibt.

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