Fashion-Show und Prayer Day

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Alles passt: Trendige Frisuren und afrikanische Mode im Stilmix bei der Fashion-Show.  Foto: 

Davon wird man im Dorf noch lange reden: In Karai gab es die erste Fashion Show, vielleicht sogar die einzige außerhalb der Hauptstadt Nairobi. Nicht immer hat Gisela Keller  das Glück, während eines Aufenthaltes im Straßenkinderprojekt des Evangelischen Kirchenbezirks Bad Urach-Münsingen gleich drei besondere Tage mit zu erleben und einen Einblick in kenianische Gebräuche und Vorlieben zu gewinnen. Die Modenschau gehörte zum Tag der offenen Tür in der Berufsschule, außerdem feierte man im Heim den Heldengedenktag am 20. Oktober. Gleich danach den Prayer Day, an dem für das Gelingen der Abschlussprüfung in der Grundschule gebetet wird. Um gute Ergebnisse bangt man  sogar hier bei der Stiftung Kenia-Hilfe Schwäbische Alb - aus triftigen Gründen.

Der 20. Oktober ist in Kenia ein Feiertag: am „Mashujaa Day“ gedenkt man der Helden des Befreiungskampfes gegen die Kolonialherrschaft vor rund 60 Jahren. Die Kinder und Jugendlichen im Heim freuen sich schon lange darauf: Nicht nur weil schulfrei ist, sondern weil willkommener Besuch erwartet wird. Es sind junge Erwachsene und Ehepaare der „Light Tabernacle Church“, die seit vielen Jahren den Feiertag zum Anlass nehmen, den Heimkindern eine Freude zu machen. Erst einmal halfen sie die Schlafräume zu putzen, dann wurde in der Küche allerlei Gemüse für ein besonders gutes Mittagessen geschnippelt. Zuvor war jedoch Gottesdienst, den Pfarrer hatten die Besucher gleich mitgebracht. Außerdem noch Zeit für Gespräche und Spiele mit den Kindern, kleine Geschenke für die Prüfungskandidaten, kiloweise Lebensmittel und mehre Säcke voll Kleiderspenden.

 Deutsche Fachleute helfen

Tags darauf füllte sich die Halle schon wieder, diesmal mit Eltern, Lehrern und Schülern der Grundschule. Denn in der folgenden Woche endete das Schuljahr für alle, bis auf die Achtklässler. Denen stand die zentral gestellte Abschlussprüfung bevor – ein Ereignis, an dem das ganze Land intensiven Anteil nimmt. Entscheidet doch die Punktzahl darüber,  ob die Schüler eine weiterführende Schule besuchen oder gar ein Stipendium bekommen können. Das Bangen betrifft auch Lehrer, Schulleiter Albert Otieno und die Mitarbeiter der Kenia-Hilfe, denn vom Durchschnitt hängt es ab, ob die Eltern für ihre Kinder die Chance auf eine spätere gute Prüfung sehen. Das zeigt sich dann an den Anmeldezahlen im neuen Jahr, kurz nach Bekanntwerden der Ergebnisse Ende Dezember. Als Privatschule ist die „Karai Münsingen Primary School“ auf viele Schüler aus der Umgebung angewiesen, die mit ihren Gebühren wesentlich zur Finanzierung beitragen.

Im Januar wird man sehen, ob das gute Ergebnis vom letzten Mal gehalten oder sogar verbessert werden konnte. Rund 20 Schüler fehlen noch auf die angestrebten 300. Damit könnte sich die Grundschule fast selbst tragen - ein wichtiges Ziel für die Budgetplanung. Es gäbe dadurch mehr Luft für andere Ausgaben, zum Beispiel zusätzliche Klassenräume für die Berufsschule, dringend nötige Renovierungen oder eine längst fällige Anpassung der Löhne von rund 40 Angestellten an die ständig steigenden Lebenshaltungskosten.  Vor allem könnte das Heim weitere Kinder aufnehmen, die entweder schon auf der Straße leben oder unter für uns unvorstellbaren Familienverhältnissen leiden. Als regelmäßige Besucherin in Kenia sieht Gisela Keller viele Schattenseiten dieses als Touristen-Paradies bekannten Landes - eine immer wieder bedrückende Erfahrung.

Das Projekt Karai setzt Hoffnungszeichen dagegen, so auch den Tag der offenen Tür in der Berufsschule. Jedes Fach zeigte, was im Laufe des Jahres gelehrt, gelernt und praktisch umgesetzt wurde. Das kann sich sehen lassen – auch dank Know-how von deutschen Fachleuten, die als Freiwillige Helfer  dieses Jahr die örtlichen Lehrkräfte in Photovoltaik, Möbelproduktion und Textilarbeit unterstützt haben. Die Produkte, die inzwischen einen namhaften Beitrag zum Eigeneinkommen der Schule leisten, fanden bei den Gästen großes Interesse.

Tradition modern interpretiert

Absolutes Highlight war die Fashion Show: Afrikanische Tradition modern interpretiert- so könnte man die Modelle beschreiben, die unter Anleitung der deutschen Textildesignerin Sarah Müller in der Schneiderei ausgetüftelt, zugeschnitten und genäht worden waren. An komplizierte, trendige Frisuren hatte sich die Friseurklasse gewagt.  Mit einer fröhlichen „Children‘s Party“ verabschiedete Karai seine Schützlinge Mitte November in die Ferien, wo sie mit Familienangehörigen oder Verwandten Weihnachten feiern werden.

Info  www.keniahilfe-schwaebische-alb.de, Spendenkonto: Evangelischer Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen,
IBAN DE59 6405 0000 0001 0015 34, BIC SOLADES1REU, Verwendungszweck „Karai“ und Adressangabe.

Schüler braucht die Privatschule  „Karai Münsingen Primary School“, damit sich die Grundschule praktisch selbst tragen kann. Im Moment fehlen noch 20 Schüler.

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