Farbenfrohes Mittelalter Hockete an der Burg Hohenhundersingen

Zum Burghock hatte die Fördergemeinschaft zur Erhaltung der Burg Hohenhundersingen eingeladen. Viele Gäste ließen sich ins Mittelalter entführen.

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  • An Hohenhundersingen nagt der Zahn der Zeit - zwei Mauern müssten dringend saniert werden. Fotos: Alexander Thomys 1/2
    An Hohenhundersingen nagt der Zahn der Zeit - zwei Mauern müssten dringend saniert werden. Fotos: Alexander Thomys Foto: 
  • Beim Burghock am Schützenhaus ging es bunt zu - wie auch das ganze Mittelalter deutlich bunter gewesen sein soll, als heute oftmals geglaubt wird. 2/2
    Beim Burghock am Schützenhaus ging es bunt zu - wie auch das ganze Mittelalter deutlich bunter gewesen sein soll, als heute oftmals geglaubt wird. Foto: 
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Zumindest ließen sich viele Besucher zu den Köstlichkeiten verführen, welche die Fördergemeinschaft in einem Festzelt am Schützenhaus anbot. Und wer gar einen "Burgtopf" haben wollte, der bekam einen fast mittelalterlichen Gulasch - direkt aus dem brodelnden Topf, der im Zeltlager über dem Feuer hing. Das Lager hatte die Gruppe "Fraternitas Libertatis" aufgebaut. Maik Tritschler, der auch Vorsitzender der Fördergemeinschaft ist, hatte die Bruderschaft als deren Hauptmann nach Hundersingen eingeladen. Hinzu kamen die Mittelalterdarsteller der Ulmer Gruppe "Arbor Ferox", sodass am Schützenhaus ein buntes Mittelalterlager entstand.

Buntes Mittelalter? Wer das nicht glaubt, sollte sich an Tritschler wenden. Mit seiner Gruppe stellt der Mittelalterfan das Hochmittelalter dar, das in Europa etwa vom 11. bis zum 13. Jahrhundert andauerte. "In dieser Zeit gab es - auch aufgrund einer anhaltenden Wärmephase - fast 150 Jahre keine flächendeckenden Hungersnöte", erklärt der Reutlinger. "Es konnten sogar mehrere Ernten im Jahr eingefahren werden." Das förderte die Entwicklung. Städte und Universitäten wurden in dieser Zeit gegründet, die Geldwirtschaft breitete sich aus und Handwerkszünfte ermöglichten einen neuen Gesellschaftsstand. "Zuvor haben die Bauern alles selbst gemacht, wenn Zeit dafür war", erzählt Tritschler. Wer nun immer noch skeptisch ist, dem hält der Mittelalterdarsteller den Spiegel vor. "Wann gab es denn richtige Hungersnöte?", fragt Tritschler und gibt selbst die Antwort: "Vor den Auswanderungswellen nach Amerika, in den kalten Sommern zu Beginn des 20. Jahrhunderts und während oder nach den Weltkriegen in Europa."

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Und so gibt es auch für die Mittelalterfreunde neue Aufgaben: Etwa den Erhalt der Burgruine Hohenhundersingen. Die rund 100 Mitglieder starke Fördergemeinschaft pflegt regelmäßig die Zugangswege und den Burghof und versucht das einstige "Statussymbol" der Herren von Hundersingen, welche die Burg wohl im 12. Jahrhundert erbauten, vom Gestrüpp zu befreien.

"Wir arbeiten in enger Abstimmung mit dem Forst", sagt Tritschler, der sich wünscht, die Burg einmal komplett von Bäumen frei zu legen. So wie sie im Mittelalter aussah. Denn einerseits wollte man damals von der Burg aus sehen wer da kommt, andererseits sollte die Burg auch als "Statussymbol" weithin gesehen werden. "Burgen wurden im Mittelalter gekalkt, ähnlich wie Kirchen", erzählt Tritschler. "Sie haben in der Sonne geglänzt."

Mit dem Burghock wollen die Darstellergruppen und die Fördergemeinschaft das Bewusstsein für die Burg Hohenhundersingen und das Leben im Mittelalter wecken. Mit insgesamt 70 Helfern gelang ihnen das am Wochenende prächtig, auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte. "Im Vorjahr, bei der ersten Burghock, war es dafür viel zu warm", konnte Tritschler dem Wetter auch etwas gutes abgewinnen.

Vor allem am Samstag-Abend und am Sonntag zur Mittagszeit war der Burghock gut besucht. "Am Samstag gingen allein 200 Rote Würste weg", bilanzierte Tritschler zufrieden. Während am Abend vielerlei Trinklieder angestimmt wurden, waren die Kinder tagsüber bei der Rüstschau begeistert bei der Sache.

Und auch die Hundersinger waren mit dabei, wie Tritschler betont. So habe der Förderverein Dorfgemeinschaft Hundersingen den Verkauf von Kaffee und Kuchen übernommen und damit weiteres Geld für das ersehnte Dorfgemeinschaftshaus gesammelt. Der Club Hundersingen übernahm am Samstag-Abend den Barbetrieb. "Der Schützenverein stellte uns die Wiese zur Verfügung, der Posaunenchor spielte bei uns und am Sonntag gab es einen Gottesdienst", freut sich Tritschler über den Zusammenhalt.

Ein wichtiges Signal, auch für den Erhalt der Burgruine. Denn dort gibt es immer etwas zu tun. Zwei Mauern, die in Richtung des Ortes zeigen, sind inzwischen arg baufällig, hat Tritschler beobachtet. "Die halten nur noch, weil niemand daran rüttelt."

Bei der Stadt wurde der Vorsitzende der Fördergemeinschaft deshalb bereits vorstellig. "Aber uns wurde nur gesagt, dass die Burg auf einer Liste der baufälligen Objekte in der Stadt auftaucht - aber es ist eben eine lange Liste." Doch Tritschler hofft, dass die Burg bald berücksichtigt wird. "Wenn die Mauern einmal verschwunden sind, kommen sie nie wieder."

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