Erst Stinkefinger, dann Nötigung

Wegen Nötigung wurde ein 49-jähriger Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro verurteilt. Er hatte einen Autofahrer zum Anhalten gezwungen.

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Ein Mehrstetter war Ende August vergangenen Jahres gegen 14 Uhr auf der Heimfahrt mit seinem Wagen auf der B 465 zwischen Münsingen und Oberheutal unterwegs, als er im Rückspiegel wahrnahm, dass ein Ford Transit mit hohem Tempo zu ihm auffuhr. "Ich hatte knapp 100 km/h auf dem Tacho", berichtete der als Zeuge im Münsinger Amtsgericht. Der Transitfahrer sei sehr dicht aufgefahren und habe dann nach links rausgezogen, obwohl in etwa 400 Metern Entfernung ein Lkw entgegenkam. Als Reaktion auf das Verhalten des anderen Verkehrsteilnehmers zeigte der Mehrstetter diesem den ausgestreckten Mittelfinger.

Der andere nahm dies sehr wohl war, scherte knapp vor dem Mehrstetter wieder ein und wurde langsamer. Als der Zeuge daraufhin hupte, bremste der Angeklagte stark ab und brachte seinen Transit zum Stillstand. Soweit decken sich die Aussagen der beiden Beteiligten in etwa. Der Beschuldigte erklärte im Gericht, er habe vom anderen wissen wollen, weshalb er ihm den Finger gezeigt habe und sei deshalb ausgestiegen. Ehe er den Kontrahenten zur Rede stellen konnte, sei aber zufällig ein Polizeifahrzeug gekommen und habe angehalten. Anders die Aussage des Zeugen. Er habe nicht am haltenden Transit vorbeiziehen können, weil Gegenverkehr gekommen sei. Der Angeklagte sei in Drohposition auf ihn zugekommen, weshalb er seine Tür verriegelt habe. Der Beschuldigte habe versucht, die Fahrertür zu öffnen und - als dies nicht klappte - mit der Hand gegen die Scheibe der Tür geschlagen und herumgebrüllt.

Wenig hilfreich war die Aussage eines zweiten Zeugen, der Beifahrer im Transit war und zusammen mit dem Beschuldigten von einer Baustelle aus Tübingen in Richtung Ehingen fuhr. Er sei müde gewesen und habe geschlafen und sei erst wach geworden, als die Fahrertür geöffnet wurde, so der Zeuge. Sein Kollege sei zu einem hinter ihnen stehenden Auto gegangen und habe neben der Fahrertür stehend Zeichen gemacht, dass der Fahrer im Auto das Fenster öffnen solle.

Amtsrichter Joachim Stahl hatte zu diesem Zeitpunkt der Verhandlung keinen Zweifel daran, dass eine Nötigung vorlag, konnte sich aber vorstellen, auf ein Fahrverbot zu verzichten, "wenn ich beim Angeklagten Einsicht feststellen könnte". Dessen Verteidiger Gerhard Doll betonte, dass sein Mandant die ganze Sache bedauere. "Ich wollte das nicht", fügte der Beschuldigte hinzu.

Staatsanwältin Michaela Nörr erklärte, dass der Beschuldigte anders hätte reagieren können, um ans Kennzeichen seines Kontrahenten zu kommen, wenn er diesen wegen Beleidigung hätte anzeigen wollen. Sie forderte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 25 Euro. Verteidiger Gerhard Doll mochte keine Nötigung erkennen, verwies auf das Verhalten des Mehrstetters. Für den Fall eines Urteils plädierte er auf eine geringe Tagessatzhöhe.

Joachim Stahl sah in seinem Urteil die Nötigung als Fakt an. Der Beschuldigte habe nicht anhalten müssen, um auf die Beleidigung zu reagieren. Für den Mehrstetter habe es keine Möglichkeit gegeben, sich der Situation zu entziehen. Stahl: "In solchen Fällen muss man cool bleiben und nicht den Streit suchen." Wenn zwei heißblütige Kontrahenten aufeinandertreffen würden, dann sei die Schlägerei vorprogrammiert. Er verurteilte den Ehinger zu 30 Tagessätzen zu je 20 Euro, zahlbar in Raten zu je 50 Euro. Von einem Fahrverbot sah er ab.

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