Endspiel bei Schlecker

In den Schlecker-Filialen ist am Donnerstag alles zu Ende. Die Pleite des Unternehmens zeigt jetzt ein hässliches Gesicht - die Geschäfte sehen aus wie geplündert. Trotzdem bilden sich lange Schlangen.

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Leere Regale, viel Andrang an der Kasse - bei Schlecker ist bald nichts mehr zu holen. Foto: Bernhard Raidt

Ein trister Eindruck und das Gefühl, dass sich dort seit den 1970er-Jahren nicht allzuviel verändert hat, war lange das Kennzeichen der Schlecker-Filialen. Morgen schließen nun nach der Insolvenz endgültig die Geschäfte - und die Tristesse trägt Züge einer Plünderung.

Im Schlecker-Markt in Schelklingen sind weite Regalflächen komplett abgeräumt. Der leere hintere Teile des Marktes ist bereits durch Raumteiler zugestellt, damit sich niemand mehr dorthin verirrt. Im vorderen Bereich liegen noch vereinzelt Gegenstände in den Regalen. Das meiste ist Ramsch. Päckchen mit Kerzen für Weihnachtspyramiden. Grünflüssige Fitnessbäder in Plastikbeuteln in Herzform. Sechs Schachteln Ungezieferband für Hunde. Drei Kerzenständer aus Metall. Ein von der Bild-Zeitung herausgegebenes Buch "Das war das Jahr 2006". Immerhin: Auch eine Schachtel pflanzlicher Hustenstiller oder Katzenfutter "Rinderhäppchen" ist noch zu bekommen. "Kosmetik geht immer", sagt eine junge Frau, die die letzten paar verbliebenen Lippenstifte und Make-up-Döschen etwas näher in Augenschein nimmt.

Doch die Leere dominiert in den Regalen. Erstaunlich, dass sich gestern Nachmittag in Schelklingen trotzdem noch lange Schlangen vor der Kasse bilden. Wer den Kauf wagte, brauchte Geduld - und gute Nerven. Kinder schreien, eines weint. Nur äußerst langsam schiebt sich die Schlange vorwärts. Vorne an der Kasse dauert es lange - die 90 Prozent Rabatt müssen abgezogen werden, was allerdings nicht für Tabakwaren und andere preisgebundene Ware gilt. Viele haben ein, zwei große Tüten voll mit den endgültig letzten Schlecker-Schnäppchen beladen.

Angesichts des Andrangs und der ungeduldig wartenden Kunden hat die Kassiererin keine Zeit für ein langes Gespräch. Wie sie das mittlere Chaos bewältigt? "Cool bleiben", sagt sie. Und die Gefühle angesichts des nahenden Ende des Marktes? "Ich denke da noch gar nicht darüber nach. Ich habe einfach momentan keine Zeit dafür", sagt sie. Von Anfang kommender Woche an sind die Schlecker-Beschäftigten freigestellt. Bei der Verkäuferin in Schelklingen ist zu spüren, dass sie mittlerweile erprobt ist im Ausverkauf. "Gibts auf die Zigaretten auch 90 Prozent?", fragt ein Kunde, die Arme voll beladen mit Ware. "Nein, 100 Prozent", sagt die Verkäuferin und grinst etwas über den Scherz.

Viele in Schelklingen zeigten sich im Gespräch nicht zufrieden mit Schlecker - zu teuer, zu altmodisch, zu fies zu den Mitarbeitern sei das Unternehmen lange gewesen. Aber eines war ebenfalls immer wieder zu hören, oft auch von Leuten, die ein paar Sätze zuvor die Firma kritisiert hatten: Schlecker wird fehlen in der Stadt. "Es gibt doch sonst nicht mehr viel hier", sagt eine 38-Jährige. "Es war einfach praktisch, sich mal schnell bei Schlecker was zu besorgen."

"Meiner Mutter wird der Markt fehlen", sagt eine Frau aus Blaubeuren, deren Eltern in Schelklingen wohnen. "Das wird vielen älteren Leuten in der Stadt so gehen, die kein Auto haben." Dass sich ein anderer Drogeriemarkt an Schleckers Stelle in Schelklingen niederlässt, glaubt kaum jemand. Vielleicht, hoffen einige, findet sich ja doch noch ein Nachfolge-Unternehmen, das den Standort lukrativ findet. Der Schlecker-Sprecher hatte jedenfalls noch vor einigen Monaten darauf gepocht, dass der Markt in Schelklingen sicher nicht geschlossen werde - er arbeite sehr profitabel.

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Themenschwerpunkt

Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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